Mitglied-49023.11.2002, 14:45 Uhr
Hallo Leuts!
Mir kommt da mal eine Idee, die auf Dauer, wenn sie weitergeführt wird , sehr Interessant werden könnte.
Ich fange an eine Geschichte zu erzählen und ihr erzählt sie weiter ( jeder soweit, wie er gerade Lust und Phantasie hat) Mal schauen wie weit wir kommen und wie sie endet.
So, dann mache ich mal den Anfang
Nennen wir sie doch, \"die Rückkehr des dunklen Volkes\"
Und jetzt lasste eurer Phantasie freien Lauf.
Der Tritt gegen das Schienbein traf Christian hart, so hart dass er sich mit schmerzverzerrter Miene zu Boden warf. Doch bestimmt war er nicht überraschend für ihn gekommen, er kannte dieses Spiel schon zu genüge. Es wiederholte sich tag täglich und es gab keine Aussichten darauf , dass sich in nächster Zeit an diesem Umstand etwas ändern würde. Christian zählte schon gar nicht mehr die blauen Flecken die seinen Körper, wie ein bunter Indianerschmuck übersähten. Es war für ihn zur Gewohnheit geworden täglich Schläge zu bekommen, so wie es für jedes Lebewesen Gewohnheit ist zu essen oder zu trinken. Er war der sogenannte Sündenbock an dem jeder seinen Ärger auslassen durfte, den man wie einen Sandsack treten und schlagen konnte ohne, dass er zurückschlug. Er wusste nicht warum, aber aus irgendeinem Grund mochten ihn die anderen Kinder des Dorfes nicht, lag es daran , dass er nach dem Tod seiner Eltern hier fremd hinzugezogen war und jetzt auf dem Hof seiner Großmutter Adrayen lebte, oder dass man genau dieser Frau nachsagte, sie sei einmal eine berüchtigt Diebin gewesen, die sich durch Liebeleien zu einen namentlich nicht erwähnten Mann ihren verdorbenen Ruf zurückgekauft hätte.
Einer jedoch hatte es ganz besonders auf ihn abgesehen. Henga! Der selbsternannter Anführer „der glorreichen Kumpanen“ wie sie sich nannten. Henga der Redelsführer der Dorfjugend, dem keiner Widersprach. Henga hasste Christian, und er ließ keine Sekunde aus ihn das auch spüren zu lassen. Henga war der größte Junge seines Dorfes und hatte eine mächtige Statue, mächtiger als die eines so manchen Erwachsenen. Henga trug blondes Haar und sein Gesicht glich mehr dem eines wütenden Stieres als das eines Knaben. Es fehlte eigentlich nur der runde Ring inmitten durch den Nasenflügel, dann wäre er in Christians Augen auf einer Wiese mit jungen Stieren kaum aufgefallen. Genaugenommen war Henga das perfekte Gegenstück zu ihm- ihm Christian- ,dem kleinen dunkelhaarigen Jungen, der immer möglichst unauffällig durch die Strassen schlenderte um ja keine zu große Aufmerksamkeit zu erregen und damit ins Gespräch der Leute zu kommen. Christian, der niemals aggressive Gedanken hegte, außer vielleicht gegen sich selbst weil er mit dem Zustand seines Daseins nicht zufrieden war. Christian der so schmächtig gebaut war, dass manche Erwachsene ihn fast schon wie ein rohes Ei behandelten. Wenn sie wüssten was sein Körper so alles ertrug, ja, ertragen musste, vielleicht wären sie dann von diesem Denken weggekommen. Henga war fies, kannte keine Skrupel und setzte seinen Willen vor allen anderen durch. Henga tat alles um auffällig zu sein und Henga scheute auch nicht davor sich einem erwachsenen Mann entgegenzustellen wenn dieses sein musste. Henga war sozusagen das inoffizielle Gesetz in diesem Dorf, jedenfalls kam es Christian mittlerweile so vor. Und das war natürlich alles andere als Günstig für seine Lebensqualität.
„Stehe schon auf du Feigling“, brüllte Henga ihn an, während er überlegen von oben auf ihn herabsah , wie er sich mit schmerzverzerrter Miene das Schienbein hielt.“ Du glaubst doch nicht im Ernst dass du uns heute mit diesem kleinen Tritt davonkommst. Habe ich dir nicht erst gestern einen Ratschlag gegeben? Ich habe dir doch gesagt dass du deinen täglichen Tribut an mich zu zahlen hast, andernfalls zahle ich ihn an dich , nur meine Bezahlung sieht halt ein wenig anders aus“ Henga Gesichtausdruck wurde noch fieser. Seine Mundwinkel spannten sich zu einem diabolischen Grinsen, während Christian ihn mit angsterfülltem Blick aus regungslosen Pupillen entgegensah. „ich .....ich ...“ stotterte er. Es dauerte lange bis er den Satz endlich verständlich zuende über die Lippen brachte, weil sein Verstand vor lauter Angst blockierte „ Morgen bekommst du ihn, ganz ehrlich Henga. Ich werde etwas von Großmutters Schmuck für dich nehmen. Lässt du mich dann eine Zeit lang in Ruhe ?“. Christian hatte immer noch nicht die Hoffnung aufgegeben, dass er sich eines Tages für einen guten Preis seine Ruhe vor Henga erkaufen konnte, obwohl ihm sein Verstand diesen Glauben eigentlich hätte verbieten müssen. Allzu oft hatte Henga ihm versprochen, nach einer Gefälligkeit - so bezeichnete es Christian- für längere Zeit in Ruhe zu lassen. Doch gehalten hatte Henga sich nie daran. Henga ignorierte Christians Frage mit einer gewissen Arroganz im Blick , die verriet, dass er sich sicher war sein Ziel auch ohne eingehen auf lästige Forderrungen zu erreichen „ Natürlich bekomme ich ihn Morgen, was mich jetzt nicht daran hindert dir deine Lektion für heute zu erteilen“ eiferte Henga, in dessen feixendem Gesicht sich ganz deutlich der Genuss eines Siegers, seine eigene Arroganz und Selbstherrlichkeit widerspiegelte. „ Packt ihn euch Kumpanen und dann in den Löschteich mit ihm“
Christian wusste genau was jetzt auf ihn zukam. Bangend sah er zu Henga auf und hoffte auf das, was zu hoffen eigentlich dumm war, auf Gnade. Er kam nicht mal mehr dazu aufzustehen und einen Fluchtversuch vor der kleinen Gruppe Jugendlicher zu wagen. Schon hatte Eric ihm am Bein gepackt. Eric war der jüngste Sohn des Dorfschmiedes, der nach Christians Meinung eigentlich gar nicht so verkehrt war. Christian hatte sich schon oft alleine mit Eric unterhalten. Oft war in diesem Fall für Christian eine ganz andere Dimension, als für andere . Zwei bis dreimal vielleicht . Aber er hatte immer das Gefühl gehabt , dass Eric nicht wie all die anderen Kinder seines Dorfes war und ihn so akzeptierte wie er nun mal war, als Außenseiter der aus einer völlig fremden Gegend stammte. Doch jetzt schien Eric ein ganz anderer zu sein. Er schien Christian plötzlich nicht mehr zu kennen. Jede Vertrautheit, jeder Skrupel schien von ihm gewichen. War es die Anwesenheit vor Henga, die Eric so veränderte ? Christian flehte Eric mit seinen Augen förmlich an , ihm wenigstens eine kleine Chance zu geben. Vielleicht den Griff um sein Bein heimlich ein wenig zu lockern , so dass er fliehen konnte. Aber genau das geschah nicht. Eric schien durch ihn hindurchsehen zu wollen, als wäre Christian gar nicht vorhanden. Er schien einfach vergessen zu wollen , dass er ihn kannte oder Eric hatte einfach nur Angst sich auf die Seite des Verlierers zu stellen, sich zu ihm zu bekennen, selbst wenn er es nur heimlich tat. Christian nahm ihm das aber nicht übel , er war es gewohnt zu leiden und er würde auch den Wurf in den eiskalten Löschteich überleben, auch wenn der Gedanke daran ihn schaudern ließ. Denn der Löschteich war alles andere als ein sauberes Gewässer. Die Leute des Dorfes warfen ihren Unrat dort hinein , und von mindestens einem Bauern wusste er sogar , dass er die Gülle seines Stalles dort hin abließ. Nein, er würde Erik verzeihen , er konnte sich schon gut vorstellen das Eric nicht den Zorn von Henga auf sich ziehen wollte, wohlmöglich wäre Eric dann sogar der nächste der in dem Schmutzwasser landen würde. Ein zweites paar Hände griff jetzt nach Christians verletztem Bein. Es waren Dago`s Hände, einem Jungen der nicht Unweit von dem Bauernhof wohnte, auf dem er mit seiner Großmutter und ein paar ihrer Bediensteten lebte. Das Dago recht kräftig zupackte überraschte Christian nicht weiter, es verwunderte ihn auch nicht als er von ihm eine riesige Ladung Speichel, als Zeichen seiner Ablehnung ins Gesicht gespuckt bekam. Dago war die rechte Hand von Henga. Vielleicht körperlich nicht ganz so wuchtig gebaut und mit nicht ganz so fieser Visage ausgestattet wie dieser, aber er war ein übler Kerl, der andere gerne quälte. Selbst die Tiere auf dem Bauernhof seiner Eltern mussten vieles unter ihm erdulden, obgleich Dagos eigentliche Aufgabe darin bestand sie zu betreuen. Christian wusste nicht ob Dagos Vater etwas davon wusste , wie er mit der eigenen Schafsherde umging, dass er die frischgeborenen, noch wehrlosen Lämmer an ihren Hinterläufen packte und sie hilflos über die Wiese schleifte und sie sogar hin und wieder auch als Wurfmittel einsetzte. Überhaupt wunderte es Christian, dass bei diesen Aktionen noch nie ein Lamm zu schaden gekommen war .Aber vielleicht war es das ja schon und Dago hatte es nur geschickt verborgen?
Christian hatte schon oft darüber nachgedacht , vielleicht mit Dagos Eltern darüber zu reden, was auf ihrer Weide so geschah. Aber immer wenn er den Entschluss gefasst hatte, riet ihm eine innere Stimme doch davon ab. Man würde ihm, dem ewigen Außenseiter sowieso keinen Glauben schenken. Wahrscheinlich hätte es seine Lage innerhalb der Dorfgemeinschaft eher verschlechtert, wenn das überhaupt noch möglich war.
Christian hatte es sich angewöhnt zu schweigen. Viele Erwachsene im Dorf glaubten sogar dass er Stumm war und es gab eigentlich auch keinen Grund für ihn , ihnen das Gegenteil zu beweisen. Auch wenn er jetzt in den Löschteich geworfen wurde, würde keine Silbe davon über seine Lippen gehen. Das hatte er sich fest vorgenommen. Vielleicht würde er es seiner Großmutter erzählen. Aber selbst daran glaubte er nicht. Er erinnerte sich nur zu genau daran was er damit beim letzten mal angerichtet hatte. Damals hatte es nicht sehr lange gedauert, bis die Rache für sein tun gefolgt war. Einer ihrer Ställe hatte noch in der selben Nacht gebrannt. Und auch wenn man niemanden hinterher etwas nachsagen konnte, wusste Christian ganz genau, wer mit dieser Sache zu tun hatte und was der Auslöser dafür gewesen war.
Seine Großmutter hatte sich bei den Eltern seiner Widersacher Luft gemacht. Sie war von ganz anderer Natur als er, eine Kämpferin, die vor niemandem kapitulierte, egal wie furchterregend er dreinzublicken vermochte. Christian fragte sich woher diese Frau ihren Mut schöpfte und das ein oder andere mal war ihm dann schon in den Sinn gekommen, dass die Dorfbewohner mit ihren zahllosen Gerüchten über die Vergangenheit seiner Großmutter doch vielleicht recht haben könnten.
Obwohl der Weg zum großen Teich der sich am südlichen Rand des Dorfes befand, recht steinig und uneben war, vielleicht aber auch gerade deswegen, schleiften sie ihn ohne an die Schürfwunden zu denken die sie ihm damit zufügten, achtlos hinter sich her. Es war bereits dämmriger Abend und die Luft war geschwängert von feuchter Kühle, die zur zunehmenden Abendstunde noch intensiver zu werden schien. Der Wind pfiff durch die Ecken und Häuserkanten des Dorfes und alles was nicht schwer genug oder Niet und Nagelfest war wurde von den Wogen der Herbstwinde zum Tanz aufgefordert. Verdörrte, abgestorbene Sträucher die in hartem Tageswerk aus der Muttererde der Felder gerissen worden waren, weil sie keinen Ertrag mehr brachten oder es sich um wertloses Unkraut handelte flogen ihnen in teilweise zusammengehäuften Ballen entgegen und dachten nicht im Traum daran ihnen bei Kreuzung des Weges auszuweichen. Mehr als nur ein Strauch peitschte Christian mit ungebremsten Schwung ins Gesicht und erhöhten damit noch seine auszustehenden Qualen. Es war das typische Wetter für die kommenden frühherbstlichen Tage. Tage und Nächte an denen man ungern vor die Tür ging, sondern lieber mit seiner Familie, in seinem Haus, bei einem gemütlich, knisternden Kaminfeuer verbrachte. Was für Freuden sollten auch schon vernebelte und vom Herbstregen verschlammte Strassen bereiten, dachte sich Christian. Nur die glorreichen Kumpanen schienen da anderer Meinung zu sein.
Christian brauchte sich keine Hoffnungen zu machen. Kein Bürger des Dorfes würde etwas von dem mitbekommen was ihm gleich widerfahren würde. Aber selbst wenn doch jemand etwas von dem Geschehen, wenn auch nur zufällig, von irgendeinem Fenster aus mitbekäme, so war sich Christian ziemlich sicher , dass er nichts dagegen unternehmen würde. Es schien fast so als hätten die Erwachsenen Angst vor ihren eigenen Kindern. Vielleicht duldeten sie aber auch nur ihre Interessen oder konnten Christian ebenfalls nicht leiden und befürworteten sogar heimlich die ganzen Aktionen gegen ihn und seine Großmutter die von dem Tag an stattgefunden hatten, seit er hier hinzugezogen war.
Mitglied-49023.11.2002, 14:46 Uhr
Und trotz all dieser widrigen Umstände die sein Leben hier so erschwerten, liebte Christian dieses kleine idyllische Tal. Es war viel schöner als seine alte Heimat in den Ebenen. Ja , dieser Ort hier hatte etwas magisch angehauchtes, etwas was wohl weit in die Vergangenheit zurückreichte .Nicht das Tal selbst , aber das mächtige Seelensteingebirge, mit seinen am Fuße dicht bewachsenen Hängen, in das es eingebettet war. Es wurden sich viele Märchen über diese majestätisch in den Himmel ragenden Gipfel erzählt, die das fruchtbare Land als natürliche Mauer von der lebensvernichtenden Wüste Sundarin trennten. Es war ein sehr abgeschirmtes Leben, was die Bewohner dieses Tales hier führten, denn das Gebirge, dessen Abschluss ungezähmte Felsgipfel und ewige, in der Morgensonne blauschimmernde Gletscher bildete, war so gut wie unpassierbar. Christian hatte jedenfalls gehört , dass es noch nie jemandem gelungen war die hohen Gipfel zu überwinden, um zu sehen , was genau sich hinter dem Massiv befand und das wiederum beflügelte seine Neugierde. Der einzige Weg, der in dieses Tal hinein führte, zog sich durch mehrere enge, zerklüftete Schluchten und Klämme, die nicht ohne Gefahr zu passieren waren, und die meisten fahrenden Händler davor abschreckten, in dieser abgelegenen Gegend ihre Geschäfte zu tätigen. Aber man war hier auch nicht weiter auf sie angewiesen. Es gab fast alles was man zum Leben benötigte, auch wenn es nur ein sehr genügsames Leben war, was sie hier führten.
Christian erschrak, wenn er seinen Kopf nur leicht anhob und nach rechts schaute konnte er über den Giebel eines Häuserdaches, von der Dämmerung zerfressen die Umrisse einer nadellosen Tannenspitze sehen. Es gab nur eine kahle Tanne in ihrem Dorf und das war jene die sich am großen Löschteich stand. Man hatte sie aus irgendeinem, ihm unbekannten Grund stehen lassen obwohl sie schon seit Jahren kein Leben mehr in sich trug. Aber sie passte gut zum Bild des großen Teiches, in dem sich mit Gewissheit auch schon lange nichts mehr bewegte. Christian fuhr der Gedanke durch den Kopf wie ein Pfeil durch die Rippen. Doch...... er, er würde sich gleich in diesem abgestandenen Wasser bewegen und mit wilden Schwimmbewegungen an ein anderes Ufer retten, an dem nicht gerade die Kumpanen auf ihn lauern würden, und erst jetzt wurde ihm das eigentlich so richtig bewusst. Er hatte den fauligen Geruch des Tümpelwassers schon jetzt in der Nase und gleich würde er direkt mit ihm in Berührung kommen.
Noch eine Häuserecke und es war soweit. Ein verwahrlostes Sumpfloch, dass nur dem Zweck diente den Abfall des Dorfes zu fassen und im Notfall Brände einzudämmen , tat sich vor den Augen auf und schien schon jetzt nach ihm greifen zu wollen.
Und dann war es soweit. Noch zwei Jungen aus dem Dorf, die Christian nicht näher kannte, traten aus der kleinen Gruppe von Jugendlichen hervor packten ihn an seinen Armen und nahmen gemeinsam mit Eric und Dago Schwung um ihn unter dem jubelnden Gegröle und Beifall der Menge in den Teich hineinzuwerfen.
Für einen kurzen Moment verlor Christian völlig die Orientierung. Erst als er unter lauten Platschen auf die Wasseroberfläche auftraf und wenig später in das stehende kalte Gewässer eintauchte, gewann er die Fassung wieder zurück. Sie hatten es getan , sie hatten es tatsächlich getan. Christian öffnete die Augen. Er sah wie vor seinen Blicken, tausende kleiner Luftbläschen durch eine ihn ummantelnde braune Brühe, nach oben an die Oberfläche des Tümpels strebten. Dorthin wo er spätestens in ein paar Augenblicken auch sein Ziel suchen musste, wenn er nicht ersticken wollte, auch wenn ihm der Gedanke vor den hämischen Gesichtern der anderen aufzutauchen mehr als nur widerstrebte. Warum konnte er kein Fisch sein, oder Kiemen besitzen und hier unten verweilen bis die glorreichen Kumpanen sich endlich verzogen hatten. Doch bei genauerem nachdenken, gefiel ihm der Gedanke , in diesem stinkenden Gewässer ein Fisch zu sein immer weniger. Und dafür gab es einen guten Grund. Ein zusammenhängender Schleier eines undefinierbaren schleimigen Treibgutes gleitete ihm in einer Art Schwebeflug mit schmetterlingsartigem Flügelschlag entgegen. Wahrscheinlich die Überreste irgendeines verendeten Tieres oder einfach nur fauliger Schlamm , der bei seinem eintauchen in den Teich vom Boden aufgewirbelt worden war. Aber er bereitete in ihm sichtbares Unbehagen. Christian begann hektisch mit den Armen zu rudern um sich die eklige Masse die ihm immer näher kam vom Leib zu halten. Er musste hier raus, ganz schnell raus aus diesem verwahrlosten Teich, der für ihn plötzlich der Inbegriff, alles schlechten und Verdorbenen zu werden schien. Doch dann änderte sich seine Denkweise schlagartig. Es bildeten sich neue Gedankenverknüpfungen in ihm, die seinen ersten Gedanken völlig Widersprachen und trotzdem ein Unwohles Gefühl in ihm zurückließen. Wahrscheinlich hätte er sich diese diffusen Überlegungen niemals zu einer Frage geformt , wenn ihm das alles hier erspart geblieben wäre. Aber war der Teich nicht ebenfalls nur ein Opfer? Konnte er etwas für den Ekel, den er in ihm und gewiss auch in allen anderen die ihm zu nahe kamen, hervorrufte? Er war nicht schlecht, noch war er irgendwie böse. Im Gegenteil er war nur ein Leichnam eines ehemals wohl blühenden Gewässers. Bestimmt hatte er sich diesen Zustand niemals ausgesucht, viel mehr hatte man ihn dazu gezwungen diesen Zustand anzunehmen indem man ihm nie die Chance gegeben hatte sich von seinen Strapazen zu erholen. Im Prinzip waren sie beide Leidensgenossen. Aber Christian war trotzdem nicht zur Trauer und Anteilnahme zumute. Eher im Gegenteil, er wollte immer noch so schnell wie möglich von hier wegkommen, schnell heim in sein warmes weiches Bett, dem einzigen wohl ruhigen und schönen Ort der ihm in diesem Tal noch geblieben war. Hier wurde er nur ständig an sich selbst erinnert weil dieser Ort im Prinzip nichts anderes als das Spiegelbild seines eigenen Leidensweges war.
Durch das Wasser hörte er nur gedämpft und klanglich sehr verändert die Jubelschreie von Henga und seinen Mitläufern. Aber offensichtlich standen sie noch immer am Rand des Teiches und warteten auf den Augenblick an dem er auftauchen musste. Was sollte er tun? Er kannte Henga nur zu gut! Sobald er unter seinen Augen versuchen würde dasUfer zu erreichen würde es damit weitergehen womit es vor dem Wurf aufgehört hatte. Henga würde ihn nicht gehen lassen. Er würde ihn so lange striezen bis er selber müde war oder keine Lust mehr dazu verspürte, wobei die letztere Möglichkeit in Christians Überlegungen so gut wie ausgeschlossen schien. Es gab nur eine Möglichkeit von ihm in Ruhe gelassen zu werden. Er musste unter Wasser bleiben und versuchen ungesehen ans Ufer zu gelangen. Es gab da schon eine Stelle in diesem verkommenen Tümpel an der er unerkannt an Land schlüpfen konnte, doch nur dann wenn man ihn nicht an der Oberfläche schwimmen sah. Er musste also tauchen, doch die Stelle an die er hingelangen musste war überwuchert von Wasserpest und anderen dichten Wasserpflanzen, denen die schlechte Wasserqualität scheinbar nichts anhaben konnte und in denen man sich nur allzu leicht verfing. Wenn er sich dazu entschloss, so war dies bestimmt kein ungefährliches Unterfangen, aber war es ungefährlich noch längere Zeit in diesem kalten und vor allen Dingen dreckigen Wasser zu verbringen?
Christian war bestimmt nicht das , was man einen mutigen Jungen nennen konnte, aber die Verzweiflung trieb ihn dazu einen Entschluss zu fassen. Er würde probieren durch die dichte Wasserpest hindurchzutauchen
Christian hatte schon eine Menge der wertvollen Atemluft verbraucht, die er jetzt so dringend benötigte. Er musste sich also beeilen, gleichzeitig durfte er aber auch nicht in Panik verfallen und musste einen kühlen Kopf bewahren um sich nicht selbst in größte Schwierigkeiten zu bringen. Er konzentrierte sich auf die bevorstehende Aufgabe und zwang sich dazu Ruhe in seine eben noch so hektischen Armbewegungen kehren zu lassen. Dann wendete er sich dem dichten Vorhang aus Algen und Wasserpflanzen zu und begann auf ihn zu zugleiten. Trotz der hohen Nervosität wirkten seine Schwimmbewegungen entspannt und gelassen. Immer dichter kam er an die grüne Wand heran. Und dann durchschwamm er sie. Christian spürte dabei die sanfte Berührung der Algen und Gewächse, es war fast so als wollten sie ihn überzeugen, dass er die richtige Entscheidung getroffen hatte. Hier inmitten des immerwährenden Grüns der Unterwasserwelt, auch wenn es von braunen Schlammschichten überzogen war tat sich eine völlig neues Denken für ihn auf. Zum ersten mal in seinem Leben verspürte er das Gefühl immer währender Ruhe. Und das bildete er sich nicht nur ein. Das Jubeln der Kumpanen hatte aufgehört, zumindest drang es nicht mehr an seine Ohren. Ob sie ihn bereits für ertrunken hielten? Oder war der Teppich aus grünem Tang einfach zu dicht um irgendein Geräusch von oben hindurchzulassen. Es herrschte weiterhin himmlische Ruhe, nach Christians Geschmack war sie viel zu unnatürlich. Er verband diese Stille nun nicht mehr mit Zufrieden- und Gelassenheit sondern viel mehr mit etwas bedrohlichem, dass das Gefühl der Geborgenheit, was er kurzzeitig verspürt hatte schnell in nackte Angst verwandelte. Gleichzeitig mit der Erkenntnis dieses Gefühles, und dem Bewusstsein das hier irgendetwas merkwürdiges vor sich ging, wurde Christian plötzlich klar dass er gleich wieder auftauchen musste. Er befand sich schon viel zu lange unter Wasser und würde es nicht schaffen mit einem Mal den Dschungel aus Seegewächs zu durchtauchen, nicht ohne noch einmal an der Oberfläche Luft in seine Lungen zu tanken. Er spürte bereits einen tiefen stechenden Schmerz im oberen Brustbereich, so als ob seine Atemwege eine Brise unheimlich heißen Wasserdampfes eingesaugt hätten. Seine Haut fühlte sich plötzlich so kalt an und dann breitete sich langsam aber stetig über die gesamte Fläche seines Körpers eine prickelnde Taubheit aus, die schließlich an seiner Nasenspitze endete. Es blieb ihm nicht anderes übrig als.... . Er dachte nicht fertig, denn er gewahrte plötzlich eine Lichtreflektion vom Boden des Teiches aus! Spielten seine Sinne schon verrückt, zeigte der Luftmangel schon die ersten Auswirkungen auf seinen Verstand? Christian wusste dass es fast an Selbstmord grenzte, das umzusetzen an was er jetzt dachte, aber er musste der Sache im wahrsten Sinne des Wortes, auf den Grund gehen. Es ließ ihm keine Ruhe Dort unten war etwas gewesen. Und dann sah er das leicht goldene Schimmern ein zweites mal. Dieses mal verblieb es jedoch nicht nur bei einem kurzen aufflimmern. Das Licht blieb stabil und verschwand nicht mehr. Christian hatte keinen Schimmer, was er davon halten sollte und selbst bei angestrengten Überlegen kam ihm nichts in den Sinn was diese Lichtspiegelung hätte verursachen können. Eine Reflektion des Tageslichtes konnte es jedenfalls nicht sein, denn über ihm hing der undurchdringbare Wald aus dichten Algen und Gewächs , der kaum einen Lichtstrahl zu ihm nach unten dringen ließ. Es machte ihm ein wenig Angst, gleichzeitig aber auch neugierig und spätestens jetzt wusste er, dass er der Verlockung dort unten nach dem rechten zu sehen nicht mehr widerstehen würde, gleich was das auch für ihn zu bedeuten hatte. Er würde schon herausfinden was es mit diesem seltsamen Licht auf sich hatte, dass ihn auf wundersame Weise in seinen Bann zog und ihn nicht mehr losließ. Christian ignorierte jegliche Gefahr , machte eine Wende Richtung Seegrund und schwamm auf das Leuchten zu, obgleich er das Gefühl hatte dass sein Brustkorb kurz vor dem zerbersten stand. Er ignorierte den Schmerz und zwang sich dem immer intensiver werdenden Leuchten weiterhin zu folgen. Der Algenbewuchs war noch immer dicht, doch je näher er dem Grund kam, desto lichter wurde er. Weit konnte der Untergrund nicht mehr entfernt sein, so schätzte Christian, oder war es mehr ein verzweifeltes Hoffen darauf, weil er befürchtete sich doch zu etwas dummen hatte hinreisen gelassen zu haben. Wenn er gleich nicht die Ursache vorfand musste er notgedrungen umkehren um seinen eigenen Erstickungstod zu verhindern, falls es dazu nicht ohnehin schon viel zu spät war. Christian merkte wie ihm langsam aber sicher die Sinne schwanden und ein tiefer von innen heraus kommender Schwindel ihn übermannte. Doch sein Wille schien fest wie eine Brandungsmauer. Und dann geschah das woran er nicht mehr zu glauben gewagt hatte. Er sah die Quelle des Lichtes, besser gesagt er sah woher das Licht hervorquoll. Ganz tief unten am Grund des Teiches war schräg in die felsige Uferböschung ein schmaler Spalt eingelassen , durch den das warme Licht nach außen drang. Der Spalt war nicht sehr groß , aber groß genug um den schmächtigen Jungen, der jetzt wie zur Eissäule erstarrt auf ihn blickte und scheinbar überlegte, ob er jetzt alles auf eine Karte setzen sollte, hindurchzulassen. Christian war sehr wohl bewusst, dass wenn er sich jetzt noch dazu entschied aufzutauchen, er noch eine geringe Chance hatte zu überleben, vorrausgesetzt es gelang ihm schnell genug durch das dicht gesponnene Netz der Wasserpest hindurchzugelangen. Gewiss waren die Aussichten dazu nicht die rosigsten aber gewiss besser als wenn er sich dazu entschied in diesen Spalt hineinzutauchen und darauf hoffte, das ein Wunder geschah.
Christian war sich in jenem Moment nicht bewusst was der genaue Auslöser für die letztliche Entscheidung war, ob dieses Licht vielleicht größeren Einfluss auf ihn hatte als er glaubte oder ob er aufgrund der ganzen Enttäuschungen die ihm tagtäglich wiederfuhren seinem Leben einfach keinen hohen Stellenwert mehr einräumte. Jedenfalls entschloss sich Christian für die Flucht ins ungewisse. Ihm war bewusst, dass er zu großer Wahrscheinlichkeit nie wieder die Augen aufschlagen würde, wenn er sie dort drinnen in der Felsspalte nun schloss. Aber er würde mit dem Wissen sterben, was ihn in diese Tiefe und damit in diese Aussichtlose Situation gelockt hatte und das gab ihm irgendwie eine innere Zufriedenheit.
Christian bemerkte sofort eine Veränderung seiner Wahrnehmung als er sich durch den schmalen Spalt im Fels hindurchzwängte und Einblick in den dahinterliegenden, mit Wasser gefüllten und nach oben strebenden Felsschacht erhielt. Alles um ihn herum schien sich von der Wirklichkeit wie er sie kannte in einem verrückten für ihn völlig unverständlichen Traum zu kehren, der auf irgendeine Weise durch dieses fremdartige Licht gesteuert wurde. Er spürte sich plötzlich losgelöst......losgelöst von....ja von was eigentlich, stellte er sich jetzt selbst die Frage, als er merkte dass er keine Worte dafür fand? Er fühlte keinen Schmerz mehr und keinen Drang mehr nach Eile und Hast, sondern war erfüllt von einer sonderbaren Leichtigkeit, einem inneren Frieden den er sich selbst nicht erklären konnte. Befand er sich vielleicht längst in einem tiefen Koma, und dies war das Licht was ihn in ein besseres Leben nach dem Tode geleiten würde? Aber dafür war dieser Traum wiederum viel zu wirklich. Er befand sich immer noch am selben Ort und schwamm mit ruhigen Schwimmbewegungen, durch einen engen Felstunnel, von dem er nicht wusste wo er enden würde, immer aufwärts dem wundersamen Licht entgegen. Seltsam war das! Äußerst eigenartig! Denn noch etwas fiel ihm auf. Er verspürte plötzlich keinerlei Bedürfnis mehr zu atmen, obwohl er bestimmt schon seit 4 Minuten keine Luft mehr in seine Lungen bekommen hatte. Irgendetwas ging hier doch nicht mit rechten Dingen zu.... oder war er vielleicht doch. Ein leichtes Plätschern bei durchdringen der über ihm aufgetauchten Wasseroberfläche überzeugt ihm vom Gegenteil. Er lebte noch, oder wenn es ein Traum war dann schien er ihm jedenfalls mittlerweile doch sehr real geworden. Christian konnte sein verfluchtes Glück noch immer kaum fassen. Verblüfft und neugierig zu gleich schaute er sich nach allen Seiten hin um, um möglichst rasch ein Bild seiner jetzigen Lage zu erhalten. Er befand sich in einer äußerst geräumigen Höhle die zum größten Teil aus Land aber auch aus einem kleinen Wasserbecken bestand , durch das er hier hineingetaucht war. Die Luft hier roch feucht und hatte einen modrigen Beigeschmack, wie es zu solch eine Höhle passte, aber das war Christian nach all den vergangen Erlebnissen mehr als nur egal. Er lebte und war auch gleichzeitig den glorreichen Kumpanen entkommen. Das war für ihn erst mal die Hauptsache. Christian machte sich daran ans Ufer zu gelangen.
Zum Glück war der Uferrand nicht zu steil über dem Wasserspiegel gelegen. Nach mehrmaligen gescheiterten Versuchen schaffte er es schließlich den Rand zu packen und sich daran hochzuziehen. Obwohl der Felsen kalt und schroff waren blieb er erst mal mit seiner durchnässten Kleidung dort liegen. Ein wenig erschöpft war er nun doch und selbst die Neugierde, was es mit diesem seltsam goldenen Licht auf sich hatte , konnte ihm in moment nicht dazu bewegen aufzustehen. Christian schloss die Augen und ließ sich von der Müdigkeit in einen tiefen festen Schlaf wiegen.
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Neid ist die aufrichtigste Form der Anerkennung
Mitglied-62901.12.2002, 13:40 Uhr
Ich habe es gelesen und finde es TOLLLLLLLLLLL !!!!!!!!!!!
WEITER BITTE.
Leider habe ich nicht die fähigkeiten um sowas zu schreiben, aber sehr wohl, so etwas zu lesen und zu beurteilen.
Also, dto.
Gruß
Bobby