HomeDownloadsForumGalerieLinks

 

ForenübersichtFreeshardsEin Wintermärchen

Ein Wintermärchen

Mitglied-6110.01.2003, 23:11 Uhr
Grüße zusammen,
irgendwie bin ich in der Stimmung unser letztes Foren-Rollenspiel-Abenteuer zu posten und so vielleicht noch den einen oder anderen Mitstreiter für neue Runden zu finden.

Liebe Moderatoren, es passt nicht wirklich in ein UO-Forum, doch ich hoffe, hier tummeln sich die meisten Rollenspieler und das Interesse könnte in diesem Forum größer sein als im allgemeinen Teil dieses Boards. Falls es Euch unpassend erscheint, bitte löscht oder verschiebt es.

So, für alle, die eine nette Geschichte lesen mögen, werde ich hier mal den Anfang reinsetzen. Wird insgesamt recht lang, ich poste dann von Zeit zu Zeit die Fortsetzung. Wenn ich kein Interesse anhand der „Views“ dieses Threads sehe, stelle ich es ein und mülle Euch nicht mit ungewollten Texten zu. *grinst*

Die Namen der schreibenden Spieler sind vor jeden Absatz geschrieben, SL steht für Spielleiter, welcher zufälligerweise ich selbst bin. So, und los geht es, das Wintermärchen.

++++++++++++++

SL:

Schnee war gefallen, dem eisigen Atem Firuns gleich, der das Land verschwinden ließ unter der weißen Masse. Wege waren nicht zu unterscheiden von Feldern. Und dort wart ihr, irgendwo im hellen Nichts. Der Tag neigte sich langsam seinem Ende entgegen. War der Vormittag noch sonnig gewesen, so zog es im Verlaufe des Tages zu und nun seid ihr mitten in einen Schneesturm hineingeraten. Ungewöhnlich, denn eigentlich sollte es noch mindestens vier Wochen dauern bis zum ersten Schnee, aber so kann man sich irren.

Eure kleine Reisegemeinschaft hatte sich erst kürzlich zusammengefunden, als ihr euch vor fünf Tagen entschlossen habt Riva zu verlassen und zu Fuß und Pferd über das Örtchen Grashok nach Lowangen zu kommen. Da die Nordlande rau und wild sind, kam euch die Begleitung grade recht, denn auch wenn ihr nun wahrhaft keine Armee bildet, so werden sich die herumstrolchenden Goblin- oder Ork-Banden nun wohl doch mehrfach überlegen ob sie ihr Glück bei euch in Phexens Hand legen wollen...

Und eigentlich sollte die ganze Reise vorbei sein, eben bevor der Winter euch hier im Norden überraschen kann....

Die Schneeflocken fallen dicht an dicht., ihr seht kaum weiter als bis zum Vordermann, die Pferde sind erschöpft und ihr sucht verzweifelt nach einem kleinen Wäldchen, im dem ihr die Nacht geschützt verbringen könnt. Oder, in anderen Worten, ihr habt euch vollkommen verirrt!

Plötzlich schnaubt das erste Pferd und scheut. Bei genauerem Hinsehen entpuppt sich die Schneewehe vor Euch als etwas anderes, denn eine Hand schaut daraus hervor...


Lyasa:

Frierend wickelte Lyasa ihre dunkelgraue, wollene Robe noch etwas enger um sich und zog in derselben Bewegung ihre Kapuze etwas weiter in ihr blasses, sehr hellhäutiges Gesicht.

Die letzten fünf Tage waren immer im selben Rhythmus verlaufen. Morgens aufstehen und während einige das Lager abbrachen, hatte sie über dem Lagerfeuer in einem Kessel, etwas heiße Suppe aufgesetzt. Welche sie mit einigen Kräutern würzte, die sie um diese Jahreszeit noch am Wegesrand - oder etwas darüber hinaus - hatte finden können.

Nachdem sich alle an der heißen Suppe gestärkt hatten, wurden auch der Kessel und die paar Schalen und Löffel wieder eingepackt und in den Rucksäcken der jeweiligen Besitzer verstaut. Das Lagerfeuer wurde gelöscht, die restliche noch heiße Asche mit etwas Wasser, Erde oder einigen Steinen bedeckt und schon ging es wieder weiter.

Begegneten sie anderen Reisenden auf der Straße, dann machten diese einen leichten Bogen um sie, oder blieben stehen und starrten ihr nach. Einige machten seltsame Zeichen mit ihren Händen, die wohl Unheil von ihnen abwenden sollten. 'Wie kann man nur so abergläubisch sein.' Dachte sie sich dann immer und schalt sich gleich darauf selbst. Sie war früher - vor ihrer Berufung - nicht anders gewesen. Nun gut, vielleicht doch etwas anders, aber auch sie hatte nicht gerade viel von den Boron Geweihten gewusst.

Auch sie hatte diese abergläubische Furch früher empfunden, wenn einer in ihr kleines Dorf kam. Auch wenn der eine meist ihr eigener Onkel gewesen war. Doch hastig schüttelte sie die Erinnerungen ab. Diese Zeiten waren längst vorbei. Sie waren genauso Vergangenheit, wie es ihre einst langen, schwarzen Haare jetzt waren und sie statt dieser, die für alle Boron Geweihten typische rasierte Glatze aufwies.

Wieder kehrten ihre Gedanken zu den letzten fünf Tagen ihrer gemeinsamen Reise zurück. Die anderen hatten sich bemerkenswert höflich ihr gegenüber verhalten. Na ja... jedenfalls hatten sie sie nicht offen gemieden. Nicht jeder wollte in Begleitung eines Dieners des Rabengottes gesehen werden. Sie wanderten meist den ganzen restlichen Tag über und am Abend wiederholte sich die Prozedur von in der Früh.

Sie schlugen ihr Lager auf... machten Feuer... sie setzte einen Tee auf... und während sie diesen tranken, aßen sie von ihren eigens mitgeführten Rationen von Trockenobst, Brot und geräuchertem Fleisch. Sie selbst ging sehr sorgfältig mit ihrem Proviant um... schließlich konnte man nie wissen, wie lange eine Reise wirklich dauern würde. Was die anderen taten, darum kümmerte sie sich nicht. Auch unterhielt sie sich nicht mit ihnen. Es hätte sie im Gegenteil eher sehr verwundert, wenn einer ihrer Mitreisenden sich mit ihr hätte unterhalten wollen.

Leise seufzend wischte sie sich eine weitere - ihr ins Gesicht gefallenen Schneeflocke von der Nasenspitze. Der Schnee kam dieses mal direkt von vorne und eine der heftigeren Windstöße blies ihr sogar die Kapuze vom Kopf. So kam ihr schmales, knochiges und auf einer Seite von vielen kleinen Narben übersätes Gesicht zum Vorschein. Zuerst wollte sie die Kapuze wieder über ihren Kopf ziehen, unterließ es dann jedoch. bei dem ihnen entgegenwehendem Wind würde das nicht so besonders viel bringen. Nur zog sie die Schnüre an den Kapuzenenden etwas enger zusammen, so das ihr Hals und ihr Nacken wenigstens warm blieben.

Mit ihrem großen Holzstecken in der linken Hand, bewegte sie sich langsam auf die vor ihnen liegende Schneewehe hin zu. Aufmerksam spähte sie auf die Hand, ob sie sich bewegte. Mit ihrem Stock stupste sie schließlich dieselbe leicht an.


Lairja:

Mit klammen, vor Kälte fast starren Fingern, strich sich Lairja eine nasse, mit Schneeflocken bedeckte Strähne ihres langen blauschwarzen Haares aus dem Gesicht. Ihre Wangen waren gerötet und eisig kalt. Mühsam stapfte sie durch den Schnee vorwärts, darauf bedacht, die anderen der Gruppe nicht aus den Augen zu verlieren. Die einsetzende Dämmerung und das immer stärker werdende Schneetreiben erschwerten ihre Bemühungen sehr. Sie vergrub ihre linke Hand tief in den Falten ihres braunen Umhanges, der an den Rändern mit kleinen Ornamenten bestickt war. Mit der anderen stützte sie sich auf einen Stab, der ihre Körpergröße um eine Kopflänge überragte. Der Saum ihres rauchblauen Kleides war schon völlig durchnässt und schlug ihr bei jedem Schritt schwer um die Beine.

Die junge, zierliche Frau hatte nicht damit gerechnet, das der Winter so früh hereinbrechen würde. Lairja hatte gehofft, sie würde beim ersten Schneefall schon lange an ihrem Ziel sein, zu Hause. Ein wehmütiges Lächeln glitt über ihr schmales, fein geschnittenes Gesicht, dessen hervorstechendes Merkmal, die großen, von langen schwarzen Wimpern umrahmten, rehbraunen Augen waren. Wie lange war sie schon nicht mehr in ihrem Heimatdorf gewesen. Sie vermisste ihre Eltern, ihre Geschwister... ihre vertraute Umgebung. Deshalb beschloss sie ihre Studien zu unterbrechen und machte sich auf den Weg dorthin.

Obwohl es ihr sehr schwer fiel, auf andere zu zugehen und sie größere Gruppen immer mied, war Lairja jetzt doch mehr als froh darüber, dass sie ihre Scheu überwunden und sich der kleinen Truppe angeschlossen hatte. Alleine wäre sie bei diesem Schneetreiben verloren gewesen.

Fast wäre sie über ihren Vordermann gestolpert, weil sie es nicht gleich bemerkte, das er plötzlich stehen blieb. Erschrocken wich sie einen Schritt zurück und versuchte den Grund seines plötzlichen Anhaltens auszumachen.
Ihre Augen weiteten sich vor Entsetzen, als sie die aus der Schneewehe heraus ragende Hand sah.


Carn:

Mechanisch setzte Carn einen Fuß vor den anderen und stapfte durch eine Welt,
die nur aus Kälte, heulendem Wind und Schneegestöber zu bestehen schien.
So wie er sich bewegte und so groß und wuchtig wie er gebaut war, fühlte man sich
unwillkürlich an einen aufgerichtet gehenden Bären erinnert.

Betrachtete man dagegen sein Gesicht, konnte man leicht den Eindruck gewinnen, er würde
mit offenen Augen träumen. Tatsächlich nahm er seine Umgebung kaum wahr, denn er
dachte nach. Das viel ihm wie immer schwer und er brauchte seine ganze Aufmerksamkeit
dazu. Er wusste, das er nicht besonders klug war, aber die meisten Dinge verstand er schon,
wenn man ihm genug Zeit dazu gab. Nur leider hatten viele Leute diese Geduld nicht und
gaben ein Gespräch mit ihm schnell auf, oder behandelten ihn wie ein Kleinkind.
Aber ihn selbst störte das nicht. Solange niemand ernsthaft gemein zu ihm wurde, oder zu
jemand den er mochte, war seine Gutmütigkeit schier unerschöpflich.

Seine Art passte so gar nicht zu der Vorstellung, die die Leute von einem Söldner hatten,
dass praktisch jeder der ihn etwas näher kennen lernte ihn irgendwann fragte, wie er dazu
gekommen war. Er hatte inzwischen genug Zeit gehabt über die Frage nachzudenken
und konnte deshalb sofort darauf antworten. Seine Antwort entsprach nur zum Teil der
Wahrheit, aber dafür war sie einfach und die Leute waren fast immer befriedigt und
verzichteten darauf weitere Fragen zu stellen. Dann hätte er wieder über seine Vergangenheit
nachdenken müssen und wäre traurig geworden - oder vielleicht sogar wütend. Und er wollte
nicht wütend werden. Nur das nicht.

Er dachte wieder über die kahlköpfige Frau nach. Sie sprach nicht viel, aber wenn sie es tat
klang es für ihn immer sehr bedeutsam. Er mochte das sehr, denn so hatte er meist
zwischendrin genug Zeit um ihre letzte Aussage zu verstehen, bevor die nächste kam.

Sie tat ihm leid, denn bei dieser Kälte musste sie doch furchtbar am Kopf frieren. Er wollte
ihr gerne irgendwie helfen, wusste aber noch nicht, wie er sie ansprechen sollte. Selbst Carn war
sofort klar gewesen, das sie eine Boronpriesterin war und Geweihte waren für ihn noch
schwerer zu verstehen als andere Leute. Er hatte mal einem Praiospriester eine einfache Frage
gestellt, der darauf so wütend wurde, das Carn schon Angst hatte, er müsste für den Rest seines Lebens unter dem Fluch des Götterfürsten leben.

Da stoppte plötzlich sein Vordermann und Carn wäre um ein Haar in ihn reingelaufen. Verwirrt
sieht er sich um und sieht aus einer Schneewehe direkt vor sich eine Hand herausragen. Ohne
nachzudenken lässt er seine Kriegskeule fallen, die er über der Schulter trug und packt mit beiden
Händen die Hand des (seiner Meinung nach) armen Kerl um ihn rauszuziehen.


Harlan:

Harlan Brinske war ein miserabler Fußgänger. Aber auch er hatte längst einsehen müssen, dass ihn sein Maultier in dem anhaltendem Schneetreiben nicht mehr tragen konnte. So war er die ganze Zeit gut 5 Schritt hinter den anderen hergestapft, immer das laue Gefühl im Bauch, dass sie nicht auf ihn warten würden, wenn ihm etwas zustieße. Andererseits war er mehr als froh darüber, dass er sich der kleinen Gruppe hatte anschließen dürfen. Allein wollte er jedenfalls nicht mehr reisen, nach allem, was ihm auf seiner letzten Reise passiert war. Er war nur so ein miserabler Fußgänger und wenn die anderen wenigstens etwas langsamer laufen würden..

Die Temperatur war nicht so schlimm für ihn, als echter Bornländer war er sie gewohnt. Er hatte sich auch schon für seine reise von Festum nach Riva ordentlich ausgerüstet gehabt. Fast schon zu ordentlich, denn typisch für einen Stadtmenschen mit Krämerseele hatte er jede menge unnötigen Ballast mit sich geschleppt. Den grossteil davon samt seiner mitgeführten Handelsgüter hatte er jedoch bei einem überfall in den Wäldern kurz vor Kvirasim wieder verloren, wie er den anderen andeutungsweise erzählt hatte, als er in Riva darum bat, sich der Gruppe anschließen zu dürfen.
Seit sie sich durch dieses Schneetreiben kämpften, hatten sie nicht allzu viel miteinander gesprochen. Über die ziele und Motive der anderen war sich Harlan Brinske genauso im unklaren, wie über die genaue Richtung, in die sie sich im Moment bewegten.

Sie waren unterwegs ins wärmere weiden, aber davon merkte er nichts. Der unerwartete Wintereinbruch hatte sie völlig überrascht. Leicht gebückt, um dem eisigen wind weniger Angriffsfläche zu bieten, setzte er ermattet einen Fuß vor den anderen und versank jedes mal tief im Schnee, was ihm beim laufen viel mühe bereitete. Das loch in seinem Magen gefiel ihm auch nicht allzu sehr. Die tägliche Suppe schmeckte fad und seine eigene Pfanne hatte schon lange nichts mehr zu greifen bekommen. Er machte sich Sorgen um Nagus, sein Maultier, was zwar einiges gewohnt war, heute Abend aber auch eine Rast und etwas Futter brauchte..
Doch so weit man sehen konnte - und das war nicht allzu weit - war alles weiß, Stunde um Stunde zog monoton vorbei.

Er war froh, als die Silhouetten vor ihm auf einmal stehen blieben, denn dies geschah sicherlich nicht ohne Grund.
Schnell war er bei ihnen und sah erstaunt, wie der Söldner seinen Rucksack abwarf und sich an etwas zu schaffen machte, was aus einer Schneewehe ragte. Als Harlan Brinske sah, dass es sich hierbei um einen Arm handelte, beeilte er sich, den Söldner zu erreichen.

\"Wartet, ich helfe euch.\"


Selendria:

Mühsam stapfte Selendria durch den Schnee, in Gedanken schon am großen Esstisch im warmen Haus ihres Freundes Palandor sitzend.
Eigentlich hatte sie schon vor zwei Wochen aufbrechen wollen, doch dann war sie von einigen unerwünschten Ereignissen aufgehalten worden.
Wer hätte auch gedacht, dass der Winter so schnell ins Land ziehen würde?
Wenigstens musste sie sich nicht allein durch diese weiße Einöde schlagen, sonst wäre sie wahrscheinlich nicht einmal bis hier gekommen. Dieses raue Wetter war sie nicht gewohnt, sie hatte die meiste Zeit ihres Lebens in wärmeren Gegenden verbracht, und so war diese Reise für sie besonders auszehrend, obwohl sie eigentlich eine gut trainierte Kämpferin war.

Sie hatte es satt, schweigend umher zu irren, jeder hing seinen Gedanken nach, doch so langsam brauchte sie etwas Abwechslung.

Seufzend strich sie sich einige Strähnen ihres langen, schwarzbraunen Haars aus dem Gesicht, nur um festzustellen, dass sie durch den Wind, der ihr ständig den Schnee in die Augen trieb, genauso wenig erkennen konnte.
Plötzlich stieß sie gegen den großen Rücken Carns - einem Bären von Mann -, der sich gebückt hatte und mit aller Kraft an etwas zog, das sie nicht genau sehen konnte.
Ihre Augen weiteten sich vor Schreck, als sie in diesem etwas eine leblose Hand erkannte und sie blieb wie angewurzelt stehen.


SL:

Schnell kam der kleine Trupp zum stehen. Starker Wind jagte ihnen die dicken Schneeflocken fast waagerecht ins Gesicht und das Heulen des Sturms sorgte für eine Geräuschkulisse die kaum besser zu der vor ihnen liegenden Szenerie passen konnte.

Vorsichtig hebt die Boroni ihren Stab und berührt die Hand, die wie eine Kralle verkrampft sich gen Himmel erhebt. Nun wäre der Moment wo sie mit einer blitzschnellen Bewegung nach dem Stab der Geweihten hätte greifen können, doch sie blieb starr und steif. ‚Natürlich blieb sie es', geht euch durch den Kopf, niemand konnte dort in der Schneewehe liegen und leben...

Dann war Carn auch schon da, seine mächtige Waffe von der Schulter gleiten und in den Schnee fallen lassend stürmte er fast auf die kleine Erhebung im Schnee zu. Seine Hände griffen kräftig wie zwei Schraubstöcke zu, seine Muskeln spannten sich und mit einem Ruck zog er die Hand nach oben. Der Schnee kam in Bewegung, als der anfänglichen Hand ein Arm und dann ein Körper folgte.

Als das \"Wartet, ich helfe euch.\" hinter ihm erklang und sich Harlan durch den nunmehr schon fast Knie hohen Schnee kämpfte, war der Körper bereits freigelegt.

Was sich allerdings euren Augen nun präsentiert ist alles andere als ein schöner Anblick: Es ist der Körper eines Mannes, sein Gesicht komplett entstellt, seine Kleidung hängt nur noch in Fetzen an ihm und ist blutverschmiert. Die Wunden lassen keinen Zweifel wem dieses Blut gehören mochte...
Mitglied-6111.01.2003, 20:42 Uhr
*** und immer schön dran denken, wenn Ihr keine Fortsetzung mehr wollt, einfach nicht mehr draufklicken. Steigt die Anzahl der Views nicht regelmäßig weiter, lasse ich es bleiben... :-) ***

+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Lyasa:

Lyasa blieb, während die beiden einzigen Männer in ihrer kleinen Gruppe an dem offenkundig Totem herumzerrten, wenige Schritte vor der erstarrten Hand stehen und beobachtete nur das weitere Geschehen. Der Anblick der sich ihr bot, war nicht sehr schön und zählte auch nicht zu den normalem Anblicken die sich ihr auf so manchen Schlachtfeldern bereits geboten hatten, aber nichts desto trotz war es nur ein Toter. Einer um den sie sich kümmern musste.

\"Tretet beiseite, ich werde mich seiner annehmen.\" Sprach sie seit dem Morgen das erstemal wieder mit ihrer ruhigen, ernsten Stimme. Nicht sehr laut, aber es genügte, das alle sie verstehen konnten, die dicht bei dem Toten standen.

Dann kniete sie sich nieder und strich dem Verstorbenem zuerst sanft über die leeren Augenhöhlen. Nachdem die - dank der fehlenden Augen - deutlich eingesunkenen Augenlieder nun geschlossen waren und nun zumindest einen Teil den schrecklichen Anblick verbargen, begann sie mit geübten Fingern zuerst die Kleidung und dann den Rest des Toten zu durchsuchen. Unterdessen ständig ein leise gemurmeltes Gebet an Boron richtend, darum bittend, den Toten in sein Reich einzulassen und ihm dort den Frieden zu schenken, den er bei seinem Ende wohl nicht mehr gehabt hatte.


Selendria:

Zuerst blieb Selendria erschrocken an Ort und Stelle stehen; sie wollte einfach nicht verstehen, wie man einen Menschen nur so zurichten konnte.
Langsam erholte sie sich jedoch von ihrem Schock und da war kein großes Mitgefühl mehr für den Toten, an diese Stelle trat nun ihr berechnender Verstand.
'Wer hatte den Mann umgebracht? Waren diese Leute womöglich noch in der Nähe? Wie viel könnten es sein?'
Interessiert kniete sich Selendria neben Lyasa und sah ihr bei der Durchsuchung der Leiche zu, um vielleicht etwas Brauchbares zu entdecken.


Harlan:

Als Harlan Brinske zu der Leiche trat, war die Erschöpfung in seinem Gesicht einem Ausdruck nackten Entsetzens gewichen. Er hatte in seinem etwa 30-jährigem Leben schon so manchen Toten gesehen und auch andere nicht weniger gräuliche Dinge. Auf diesen Anblick war er jedoch nicht gefasst.
Ein leichter Schwindel erfasste ihn und geistesabwesend starrte er auf den Toten, auf ein Gesicht, welches als solches kaum noch zu erkennen war, auf leere Augenhöhlen und blutroten Schnee an zerfetzten Kleidern.

Als er die Stimme der Priesterin hörte, zuckte er unwillkürlich zusammen und beeilte sich, ihr Platz zu machen.
Dem Wind den Rücken zeigend, stellte er sich so, dass möglichst wenig Schnee auf die Leiche fiel und beobachtete mit aufgerissenen Augen die Tätigkeit Lyasas.


Carn:

\"Tot\" stellte Carn völlig überflüssigerweise fest und sah dabei so enttäuscht
aus, als hätte er wirklich erwartet jemand könnte bei diesem Unwetter in
einer Schneewehe liegen ohne tot zu sein.

Er musterte den Leichnam zwei bis drei Atemzüge lang und hob einen
blutigen Jagdspeer auf, der neben ihm gelegen hatte. Er betrachtete ihn
kurz und legte ihn dann wieder hin.

\"Ob ihn ein Tier getötet hat?\" überlegte er laut um sich die Frage nach einer
Denkpause selbst zu beantworten. \"Nein. Tiere sind nicht grausam. Sie töten nicht ohne Grund.
Hätten sie Hunger gehabt, hätten sie ihn gefressen.\" verkündete er mit Überzeugung und warf
einen freundlichen Blick zu seinem Pferd, das die ganze Zeit treu neben ihm hergetrottet war,
sich jetzt aber ein paar Schritte von der grausigen Szene zurückgezogen hatte.

Nach einer weiteren Pause wandte er sich an Lyasa, die neben dem Toten
kniete und anscheinend ein Gebet murmelte: \"Gut das du da bist um ihn zu
bestatten.\" Er lächelte sie kurz an und sah tatsächlich so aus, als ob die
Situation für ihn dadurch viel weniger schlimm sei.

Er sah sich noch kurz in der Runde um, ob irgend jemand ihn auffordern
würde, bei irgend etwas zu helfen und da das nicht der Fall zu sein schien,
machte er sich daran seine Keule im Schnee zu suchen.


Lairja:

Sie wartete bis die Priesterin ihr Ritual beendet hatte, und ging dann langsam, ein Zittern kaum verbergend, auf den Toten zu.
\"Entschuldigt bitte....\" sagte sie mit leiser Stimme \"Ich...ich würde mir den Leichnam gerne etwas genauer ansehen. Vielleicht ist es mir möglich, den ungefähren Zeitpunkt seines Todes festzustellen.\" Lairja konnte wieder nur mühsam ein Würgen unterdrücken. Leise, mit einem Beben in der Stimme sprach sie weiter: \"Denn sollte dieses grausame Verbrechen noch nicht allzu lange her sein, wäre es gut möglich, das sich dieses Untier hier noch in der Nähe aufhält....\" Sie brach ab und schluckte schwer.

Mit zittrigen Fingern suchte sie etwas in ihrem kleinen Beutel, den sie an ihrem Gürtel trug und nahm ein kleines Fläschchen heraus. Sie atmete tief ein, kniete sich vorsichtig nieder , darauf achtend, das ihr Umhang nicht mit dem blutigen Schnee in Berührung kam. Bei dieser eisigen Kälte war es mehr als überflüssig zu überprüfen, ob die Totenstarre schon eingesetzt hatte. Wieder überkam sie Übelkeit, und es kostete sie große Überwindung nicht davon zu laufen. Sie straffte ihre Schultern und versuchte, das Gefühl, sich sofort übergeben zu müssen zu unterdrücken. Angestrengt vermied sie es, dem Toten in das Gesicht zu sehen. Vorsichtig nahm sie einen Arm in ihre Hände, schob langsam den Ärmel seines Mantels, eigentlich mehr das, was davon noch übrig war nach hinten. Ihre Augen glitten über den Unterarm. Vorsichtig träufelte sie auf eine unverletzte Hautstelle etwas von der Flüssigkeit aus dem Fläschchen. Nach einigen Sekunden bildeten sich dort rotviolette Flecken. Sie nickte kurz, murmelte: \"...allerhöchstens zwei bis drei Stunden.....\"

Gedankenverloren griff Lairja neben sich, hob den Speer auf und betrachtete die Spitze, die auf ihrer ganzen Länge mit getrocknetem Blut überzogen war. Sie überlegte kurz, schaute dann die Umstehenden an und sagte: \"Derjenige, der das hier getan hat, könnte auch verletzt sein.....\"

Wieder überkam sie große Übelkeit und diesmal gelang es ihr nicht, es zu unterdrücken. Sie ließ den Speer fallen, sprang auf, rannte so gut es ging ein Stück abseits und erbrach sich.


Lyasa:

Bereitwillig erhob Lyasa sich und ließ die Magierin an sich vorbei. Aufmerksam beobachtete sie ihr Handeln. Sie würde es dulden, solange der Tote nicht entweiht werden würde.

Versonnen dachte sie an das einfach gearbeitete, metallene Amulett mit dem Bären darauf, welches sie bei dem Opfer, an einem Lederband um seinem Hals baumelnd. entdeckt hatte. \"Der Tote könnte ein Jäger gewesen sein, einer der sein Glück dadurch zu steigern versuchte, indem er etwas zu Firuns Ehren bei sich trug.\" Murmelte sie leise vor sich hin.

Ihr Blick schweifte dabei kurz wieder auf den Dolch, an dem ledernem Gürtel. Es schien eine gute, kurze Waffe zu sein, aber zum zustechen oder zum Kampf wirkte sie wiederum etwas zu ungeeignet. Aber da Lyasa so gut wie keine Ahnung von Waffen und Messern, oder Dolchen hatte, wandten sich ihre Gedanken schon bald wieder anderen Dingen zu.

Ihr Blick wanderte aufmerksam über die nähere Umgebung. Sie verstand zwar auch nichts vom Spurenlesen und sie bezweifelte sehr stark, das bei diesem Wetter noch irgend etwas zu finden sein würde, aber sie hoffte trotzdem, noch weitere Hinweise zu entdecken. Langsam drehte sie sich um und musterte die verschneite und zugeeiste Landschaft vor ihnen. Soweit sie es erkennen konnte, war kein Schutz in Sicht. Doch plötzlich hielt sie inne.

Sie hatte bereits zwei Schritte in die Richtung hinter den Toten zurückgelegt, als sie wieder stehen blieb und mit zusammengekniffenen Augen in den um sie herum wirbelnden Schneesturm starrte. \"Carn ich glaube ich habe zwei weitere Opfer gefunden, die Borons Segen bedürfen.\" Sprach sie gerade laut genug, um den großen Krieger, oder einen der Anderen auf sich aufmerksam zu machen.


Selendria:

Als sie die Worte der Magierin vernahm, verhärteten sich Selendrias Gesichtszüge. Es war also gut möglich, dass der Mörder dieses armen Mannes noch in der Nähe war.
Sie betrachtete das Messer am Gürtel des Toten etwas näher und erkannte sofort, dass es sich um ein Gerbermesser handelte, geeignet zum Häuten von Tieren oder zum Fleischschneiden. Lyasa hatte also Recht. Er WAR ein Jäger gewesen.
'Wer hatte wohl Grund dazu, einen harmlosen Jäger so bestialisch zu ermorden? Vielleicht war es ein Geschöpf, das keinen Grund für solch eine Tat brauchte..'

Von Lyasas Bemerkung aus ihren Gedanken gerissen, erhob sie sich und richtete ihren Blick in die gleiche Richtung wie Lyasas.


Harlan:

Nach kurzem Zögern und einem Blick zu Nagus, der mit gesenktem Kopf geduldig sein Schicksal ertrug, eilte er zu Lyasa. Sie stand 3 schritt von ihm entfernt im Schneegestöber und deutete vor sich auf eine kleine Anhebung, etwas kleiner, als beim ersten grausigen Fund, aber durchaus ähnlich. Drei Schritt zur linken war eine weitere solche Anhebung zu sehen.
Harlan senkte den Blick, denn der ihm ins Gesicht klatschende Schnee schmerzte ihn. Er bückte sich langsam und begann, während er die Worte \"Ihr gestattet...\" murmelte, etwas Schnee von dem Haufen abzutragen.

Schon bald stieß er auf hartes. Es war das gefrorene, mit kleinen eiskristallen besetzte Fell eines toten Grauwolfes. Harlan richtete sich etwas auf, drehte den Kopf und rief nach den anderen, als auch schon Carn dazutrat, dem er ein \"Seht nur!\" entgegenrief. Beide machten sich daran, den Wolf vollends freizulegen. Mittlerweile waren auch die anderen beiden zu ihnen gestoßen. Sie alle sahen den toten Körper eines ausgewachsenen Grauwolfes, der in einer gefrorenen Blutlache lag, die offenbar von einer einzige tiefen Wunde in seinem Bauch ausging. \"Sieht nach einer Stichwunde aus, könnte vielleicht von dem Speer da drüben stammen\"
Harlan hatte nicht vor, die Wunde genauer zu untersuchen oder auch nur anzufassen und so erhob er sich unschlüssig und machte sich daran, den dritten Haufen aufzudecken.

Bei diesem bot sich ihm das gleiche Bild eines ausgewachsenen toten Grauwolfes mit dem Unterschied, dass die Schnauze blutverschmiert war und die Todesursache in einer Wunde am Hals lag. Harlan beschloss daraufhin, den Wolf und etwaige Mutmaßungen über das Blut an der Schnauze und die tödliche Wunde den anderen zu überlassen und erhob sich ächzend, um sich ein wenig in der Nähe umzusehen. Er ging in ungefähr drei Schritt Entfernung um die Leichen herum und fuhr dabei mit dem Fuß durch jede Andeutung einer Erhebung. Seine Erschöpfung wurde jedoch bald stärker, als seine Neugier, zumal er beim besten Willen nichts außer Schnee, mehr Schnee und noch mehr Schnee entdecken konnte und so stapfte er missmutig zurück in Hörweite der anderen..


Lyasa:

Nachdem sie festgestellt hatte, das es sich bei den beiden anderen Hügeln um Wölfe und nicht um Humanoide handelte, die Borons Segen bedurften, wandte sie sich nur noch einmal kurz zu dem zweitem toten Grauwolf und betrachtete dessen Wunde. Sie konnte keinen Schaum vor dem Maul entdecken. Die Tiere schienen also nicht aus Tollwut heraus gehandelt zu haben, ohne zu fressen. 'Seltsam ist das schon, aber nicht mein Problem. Ich habe mich um meine Pflichten zu kümmern.'

Gedacht getan, wandte sie sich um und kehrte zu dem Verstorbenem Jäger zurück. Kurz überlegte sie, ob man ihn hier bestatten könnte, ließ den Gedanken jedoch gleich darauf wieder fallen. Tiere könnten schließlich das beenden, was die Wölfe begonnen hatten. Oder auch nicht begonnen hatten ..

Entschlossen wandte sie sich an die beiden in ihrer kleinen Reisetruppe, die ein Lasttier bei sich hatten. Ob Pferd oder Maultier, für sie war das eine genauso gut, oder schlecht wie das andere. Sie achtete immer darauf, den riesigen Tieren nicht zu nahe zu kommen. \"Wir müssen ihn bis in den nächsten Ort mitnehmen, um ihn dort ein anständiges Begräbnis zukommen zu lassen.\"


Carn:

Glücklicherweise war seine Keule so groß, das selbst dieses Schneegestöber es bisher nicht geschafft hatte sie effektiv zu verstecken. So hatte Carn sie schnell wieder gefunden und sich auf den Rücken geschnallt. Er tat das selten, denn er fand es nicht sonderlich bequem und sein Ausbilder hatte immer wieder darauf hingewiesen, dass man einen Kampf verlieren konnte noch bevor er begann, sollte man seine Waffe nicht schnell genug zur Hand haben. Andererseits wollte er die Hände frei haben und die Keule immer wieder auszugraben, wenn er sie kurz ablegte gefiel ihm auch nicht.

Er war bereits wieder zurück, als Lairja zur Leiche trat. Offensichtlich verstand er nicht das geringste von dem was sie tat, war aber trotzdem fasziniert davon.

Als sie sich danach wieder erhob, hatte ihr Gesicht die gleiche Farbe wie der Schnee um sie herum und dann rannte sie ohne erkennbaren Grund einfach weg. Carn machte sich Sorgen um sie und wollte schon hinter ihr her, als ihn Lyasas Stimme unterbrach und ablenkte. Er trat zu ihr, kniff die Augen zusammen und schirmte sie mit einer Hand so gut es ging gegen Wind Schnee ab. Tatsächlich da waren noch zwei kleine Schneewehen, der ersten nicht unähnlich.

Harlan näherte sich einem von ihnen und begann etwas Schnee zu entfernen.
Carn gesellte sich zu ihm und half ihm beim ausgraben. Als sie schließlich 2 Wölfe freigelegt hatten, blickte er mehrfach verwirrt von ihnen zum toten Jäger und wieder zurück. Sie konnten es doch nicht gewesen sein, oder doch?

Da viel ihm wieder Lairja ein und er hatte schon den ersten Schritt in die Richtung gemacht, in der sie verschwunden war, als er wieder die Stimme der Geweihten hörte, aber diesmal wollte er sich ablenken lassen und entgegnete deshalb nur: \"Mein guter Tom wird das schon machen und mir auch verzeihen, das ich seine Decke nehme um ihn einzuwickeln. Er bekommt dann mal ein neue. Aber jetzt sehe ich erst nach Lairja. Sie sah krank aus.\"

Damit stapfte er los und fand sie auch ein paar Meter weiter. Vor ihr im Schnee war ein großer dunkler Fleck und sie hielt sich den Bauch.
Er trat zu ihr und legte ihr vorsichtig eine Hand auf die Schulter. \"Bist du krank? Hast du etwas schlechtes gegessen?\" erkundigte er sich besorgt, aber völlig verständnislos.


Lairja:

Behutsam richtete sie sich auf, beide Arme fest um ihre Magengegend geschlungen. Ihre Augen waren gerötet, die natürliche Farbe ihres Gesichts kehrte allmählich wieder zurück. Sie nahm eine handvoll Schnee und wischte sich damit über den Mund. Wie durch eine dichte Nebelwand nahm sie weit entfernt das Geschehen um sich war. Lairja zuckte leicht zusammen, als sie die Hand von Carn auf ihrer Schulter spürte. Sie schaute zu dem Mann, der sie an Größe um Einiges überragte auf und sah ihn unsicher an. \"Nein.....\" antwortete sie leise, \"Ich....ich bin nicht krank. Aber...\" Lairja stockte, suchte nach den richtigen Worten, \".... mir hat es im wahrsten Sinne des Wortes beim Anblick des Toten den Magen umgedreht.\" Ein entschuldigendes Lächeln huschte über ihr Gesicht.
Fröstelnd zog sie ihren Umhang enger um sich, schaute besorgt in den Himmel. \"Wir sollten uns eine Unterkunft für die Nacht suchen. Der Sturm ist stärker geworden und es wird bald dunkel sein. Ein wenig Wärme und ein Bett für die Nacht würde uns allen gut tun. Hier....\" Sie zeigte in die Richtung, in der die anderen standen...... \"Hier können wir sicher nichts mehr ausrichten.\"


Carn:

Er betrachtete die zierliche Frau vor sich eine Weile lang, während er sich darüber klar zu werden versuchte, ob ihre Worte nun eine Erklärung für ihren Zustand enthielten, oder nicht.

Was hatte der Tote damit zu tun, das sie sich übergeben musste? Sie war doch kein Kind mehr und wusste sicherlich das von Zeit zu Zeit Leute ermordet wurden und dieser hier stank noch nicht einmal. Kannte sie ihn vielleicht von irgendwo her? Aber Leute die einen toten Freund sehen weinen doch eher als das sie sich übergeben.

Schließlich gab Carn schulterzuckend auf. Warum waren andere Menschen nur immer so kompliziert? Für ihn machte es keinen großen Unterschied, ob jemand im Bett starb oder ihm der Kopf, Arme und Beine abgeschlagen wurden. In beiden Fällen war er danach einfach tot. Wie er dann aussah, war höchstens noch interessant wenn man versuchte rauszufinden wie, warum oder durch wen er gestorben war. Würde der Kerl noch leben hätte er großes Mitleid mit ihm. Er hätte sicherlich furchtbare Schmerzen und würde nie wieder sehen können. Aber hey, er war tot. Er hatte es hinter sich.

\"Nun wenn es dir jetzt besser geht ...\" sagte er etwas lahm und machte schon die ersten zwei Schritte in Richtung der anderen , als ihm noch etwas einfiel.
\"Die Geweihte sagt wir müssen ihn mitnehmen und erst später bestatten. Aber ich wickle ihn jetzt in eine Decke, dann musst du ihn nicht mehr sehen.\"

Tom war anfangs nicht besonders angetan davon, was er da tragen sollte, aber nach etwas gutem zureden beruhigte sich der Kaltblüter wieder. Als Carn den steifgefrorenen Körper schließlich vertäut hatte, nahm er nochmals seine Umgebung in Augenschein und stellt die Frage die ihn bewegte: \"Welche Richtung?\"


SL:

Schnell ist alles gepackt, Carn hat, zusammen mit Lyasas Hilfe, den Toten in eine Decke gewickelt und nun quer über sein Reittier gelegt.

\"Welche Richtung?\" Die Frage kam von Carn, sicher hatte er sich nicht soviel dabei gedacht, aber je länger ihr darüber sinniert, desto mehr gewinnt sie an Bedeutung. Die Abenddämmerung bricht herein, als ihr euch leise seufzend erneut auf den Weg macht. Ihr entscheidet euch für eine Richtung, die ihr für \"Vorwärts\" haltet.

Es ist kalt, der scharfe Wind fährt euch derart in das Gesicht das ihr die Augen zusammenkneifen müsst, versucht durch jedes nur erdenkliche Schlupfloch den Weg unter eure Kleidung zu finden, als ob er einen eigenen Willen hat, das Ziel, euch zu schwächen und euren Lebensgeist zu brechen.

Langsam quält Ihr euch weiter, mühsam die Füße durch den nunmehr fast Knie hohen Schnee schiebend. Ihr merkt wie ihr ermattet, eure Kräfte zu erlahmen drohen. Carn geht nun vorne, sein Pferd mit der Leiche des toten Waidmannes hinter sich herziehend. Wäre er nicht bei euch und würde, einem gewaltigen Schneeschieber gleich, die erste Bahn räumen... ihr wollt diesen Gedanken gar nicht zu Ende denken... Er schnauft und vor seinem Gesicht bilden sich große Wolken seines schwerem Atems, aber er bewegt sich immer weiter. Wie eine Maschine.

Aber was bleibt euch auch übrig? Ihr müsst weiter, wenn ihr hier nicht im nächsten Frühjahr selber von Reisenden gefunden werden möchtet.

Stunde um Stunde vergeht, es ist so dunkel geworden wie es in einer Winternacht bei einem Schneesturm werden kann. Immer wieder fallen euch die Wölfe ein. Sie müssen sehr hungrig gewesen sein, wenn sie selbst einen Menschen anfallen. Oder war es doch etwas anderes, eine Bestie? Der Gedanke lässt einige von euch schaudern, auch wenn ihr ziemlich sicher seid, dass eine so wohl gerüstete Truppe wie ihr sicherlich weniger zu befürchten hat. Jedoch, ihr wisst nicht wohin, der Schneesturm wird sogar noch heftiger und Schutz scheint sich keiner zu bieten. Allenfalls zwei Büsche hier, ein Baum dort, jedoch nichts, was helfen könnte. Die Eiskruste auf euren Mänteln knistert, ab und an schnaubt Tom, Carns Pferd. Sonst ist da nichts außer dem Heulen des Windes...

...oder etwa doch? Sind das nicht Schatten, die um euch herumschleichen? Etwa wolfsgroß? Eure beiden Tiere werden unruhig...


Selendria:

Selendria wird es unbehaglich, nervös schaut sie um sich und versucht irgendetwas in den Schatten zu erkennen. Sie hört das unruhige Wiehern des Pferdes, den eisigen Wind, der ihr Gesicht erröten lässt und ihre eigenen Schritte.
'Ist da etwa noch was anderes? Wenn da wirklich Wölfe sind, würde es sie nicht fernhalten, wenn sie eine Fackel anzündete?' Unsicher schüttelt sie ihre Gedanken von sich ab. 'Es hat keinen Sinn, sich Angst zu machen. Wenn da Wölfe sind, werden wir es schon merken.'
Sie öffnet ihren Rucksack, entnimmt ihm eine Fackel und versucht diese zu entzünden.


SL:

Es dauert eine ganze Weile bis die Fackel Feuer fängt, aber den anderen der Gruppe scheint diese Pause nicht unrecht zu sein. Erst als Selendria es schon fast unter ihrem Mantel versucht, springt der kleine Funke über und das Pech der Fackel entzündet sich.

Ein kleines Licht mitten in Nirgendwo. Langsam setzt ihr Euren Weg fort...



Lyasa:

Lyasa hielt sich möglichst weit von dem Pferd und dem anderen Lasttier in ihrer Gruppe fern. Sie traute diesen Tieren nicht über den Weg. Aber als die Kriegerin eine Fackel nach einigen Mühen entzündet hatte, schloss sie doch wieder etwas näher zu den anderen auf.

Aufmerksam durchforschte ihr Blick die Umgebung und sie versuchte etwas mehr von den Schatten im Schneesturm zu erkennen.


Lairja:

In ihren langen Haaren bildeten sich kleine Eiszapfen, ihre Augen tränten und ihre Füße spürte sie schon lange nicht mehr. Der Wind wurde immer stärker. Mühsam versuchte Lairja den anderen zu folgen. Es fiel ihr immer schwerer mit ihnen einigermaßen Schritt zu halten. Mechanisch setzte sie einen Fuß vor den anderen. Sie war nicht sehr kräftig und körperliche Anstrengungen nicht gewohnt. Wie auch? Die letzten Jahre hatte sie meist über Büchern verbracht. Außerdem hatte sie nichts mehr im Magen. Es war ihr immer noch sehr unangenehm, das sie sich vor den anderen so eine Blöße gegeben hatte. Sie hatte keine Angst vor dem Tod, aber vor seinen vielen Gesichtern. Und sie glaubte den Schmerz und die Angst des Getöteten spüren zu können, als sie sich über ihn gebeugt hatte.
Im Moment hatte sie nur den Wunsch, ein Dach über dem Kopf, ein warmes Feuer und ein Bett. Überall, nur nicht hier sein. Sie zitterte am ganzen Körper. Mittlerweile konnte sie nicht mehr unterscheiden, ob es von der eisigen Kälte kam oder von der entsetzlichen Furcht, die von ihr Besitz ergriffen hatte. Das Gefühl beobachtet zu werden, hier nicht alleine zu sein, wurde immer stärker. Waren es ihre Sinne oder ihre Angst, die ihr einen Streich spielten oder waren diese Schatten wirklich? Sie konnte es nicht mit Bestimmtheit sagen.
Dankbar für die Unterbrechung des ihre letzten Kräfte verzehrenden M*** S****** ***es durch den tiefen Schnee, wartete sie, bis Selendria die Fackel entzündet hatte, darauf hoffend, das die Flamme dem eisigen Wind stand halten würde. Möglichst unauffällig suchte Lairja die Nähe der Anderen, und fühlte sich gleich ein wenig sicherer.
Sie hielt eine Hand über ihre Augen, um sie so vor dem Schnee abzuschirmen. Aber außer den immer schneller und stärker wirbelnden Schneeflocken konnte sie nichts erkennen.
Sie gab sich einen Ruck. Nun gut, dann eben anders. Irgendwie musste sie ihrer Angst Herr werden. Lairja atmete tief ein, die eisige Luft schmerzte in den Lungen. Ihr Körper straffte sich. Ihren Stab steckte sie fest in eine Schneewehe. Sie hob beide Hände, legte ihre gespreizten Finger an ihre Ohren, schloss die Augen, konzentrierte sich und murmelte leise für die anderen unverständliche Worte.
Nach einigen Sekunden wurden die Geräusche um sie herum lauter und deutlicher zu unterscheiden. Da war das Scharren der Hufe der Reittiere im Schnee, das Knistern der Flamme, die sich gegen den Wind wehrte, das Atmen der Mitreisenden.


Carn:

Sein Atem ging schwer und schnaufend. Trotz der Kälte schwitze er und spürte wie seine Glieder langsam schwerer wurden. Seine ohnehin schon nicht gerade rasanten Gedankengänge waren durch seine Erschöpfung fast völlig zum erliegen gekommen. Er lies sich fast ausschließlich von seinem Gefühl und seinen Instinkten leiten.

Carn war der stärkste und wahrscheinlich auch ausdauerndste der Gruppe und es war für ihn deshalb selbstverständlich als erster der Gruppe eine Art Weg zu bahnen. Aber es zehrte an seinen Reserven und eben die gingen langsam zur Neige.

Wäre er mit einer Gruppe von Kriegern unterwegs gewesen, wären sie nicht weiter gezogen. Sie hätten einen Kreis gebildet und sich jetzt den Wölfen gestellt, solange sie noch nicht zu erschöpft zum kämpfen waren. Aber er fühlte sich auch für den Schutz der schwächeren verantwortlich und spürte das es über seine Kräfte ging sie in einem Kampf gegen ein Wolfsrudel zu verteidigen.

Also stapfte er weiter bis er einen schwächlichen Lichtschein hinter sich wahrnahm. Verwirrt blieb er stehen und sah sich um. Die anderen hatten angehalten und einer hatte eine Fackel entzündet, aber er hatte es bisher nicht bemerkt und war weiter gegangen.

Also wartete er bis sie wieder aufgeschlossen hatten. Er betrachtete seinen treuen Begleiter Tom der ängstlich schnaubte. Sein Blick blieb an dem Griff einer seiner beiden Wurfäxte hängen die aus einer Satteltasche schaute. \"Wähle deine Waffe mit bedacht.\" meinte er plötzlich die Stimme seines alten Ausbilders wieder zu hören. Er nickte und nahm die beiden kurzen Äxte und befestigte sie an seinem Gürtel um statt dessen seine Keule Tom aufzubürden. Zu langsam für einen schnellen Gegner und wertlos wenn ein Wolf sich erst einmal an einem festgebissen hatte.

Dann waren die anderen heran und er fuhr fort Schneepflug zu spielen.


Lyasa:

Lyasa schwankte leicht, als die anderen wieder ihren Weg fortsetzten. Fast wäre sie in den kalten Schnee gefallen, der sich vor ihr auftürmte. Wäre der große Krieger nicht gewesen und würde den größten Teil des Weges für die hinter ihm kommenden bahnen, so wäre sie schon längst zusammengebrochen. Doch so hielt sie unwahrscheinlicher weise länger durch als von ihr erwartet.

Die anderen hatten sie bereits überholt und sie ging nun an hinterster Stelle. Sie konnte gerade noch die Magierin vor sich als Schemen erkennen. Diese schien genauso erschöpft zu sein wie sich Lyasa fühlte.

Müdigkeit machte sich in ihr breit. Der wollene Stoff ihrer Robe und des Umhanges waren schwer von der Nässe des Schnees. Die Kälte spürte sie kaum noch. Anfangs hatten ihre Zähne geklappert und ihre Knochen bis ins Mark hinein gefroren, doch jetzt spürte sie nur noch eine seltsame Taubheit in ihren schmerzenden Gliedern. Benommen blieb sie stehen, als sie abermals taumelte. Der Schneesturm umtoste sie und die sie verfolgenden Schatten machten ihre Situation auch nicht gerade besser.

Schließlich raffte sie sich wieder auf. Atmete ein paar mal tief durch und .. entdeckte das sie die anderen nicht mehr sah. Eisiger Schrecken durchzuckte sie und für kurze Zeit spürte sie, wie die in ihr aufsteigende Angst ihr neue Kräfte verlieh. Entschlossen begann sie geradeaus zu rennen. Hoffend, das sie die anderen schnell wieder einhohlen würde. Sollte es ihr nicht gelingen, so würde sie wohl früher als ihr selbst lieb war, zu ihrem Herrn Boron gelangen.


Selendria:

Selendria war inzwischen das zweite Glied in der Gruppe. Sie kämpfte sich beständig hinter Carn durch den Schnee, sich ständig zu allen Seiten wendend, um mit dem Fackellicht vielleicht etwas mehr erkennen zu können.
Auch ihre Kräfte schwanden mit jedem Schritt, den sie tat. Sie wollte sich nur noch hinlegen und ausruhen.
'Wie musste es den andren beiden Frauen gehen, die nicht einmal so \"viel\" aushielten, wie sie?' Beim Gedanken an die Magierin und die Boroni drehte sie sich nach ihnen um und versuchte, durch das Schneegestöber ihre Gestalten zu erkennen. Doch sie konnte nur Harlan und mit einiger mühe auch Lairja ausmachen. Lyasa musste zurückgeblieben sein.
Selendria wandte zu Carn um und rief ihm zu, dass er umkehren und ihr helfen solle, Lyasa zu holen.
Ohne auf seine Reaktion zu warten, stapfte sie an Harlan vorbei, ihren Fußabdrücken folgend - in die entgegengesetzte Richtung.
Als sie auch Lairja hinter sich gelassen hatte, erblickte sie weiter weg eine kleine Gestalt in dunkelgrauen Roben, die völlig außer sich auf sie zu rannte - sofern man das bei diesem Schnee behaupten konnte.
Voller Sorge beschleunigte sie ihr Tempo noch einmal und zog im Laufen eine Decke aus ihrem Rucksack hervor.
Lyasa fiel ihr erschöpft in die Arme und blieb nach Luft schnappend dort liegen. Behutsam legte Selendria ihr die Decke um die Schultern, legte Lyasas Kopf auf ihren Schoß und wartete ungeduldig auf Carn.


SL:

Carn hörte zwar nicht den Ruf von Selendria, merkte allerdings das sie hinter ihm fehlte. Harlan schloss zu ihm auf, meinte nur die Kriegerin wäre nach hinten gegangen, wohl um zu schauen wie es den anderen beiden Frauen ging. Und so warteten sie eine kleine Weile. Die Augen zusammenkneifend versucht Carn in das Schneegestöber vor sich zu starren, war es nur der Wunsch dort etwas zu sehen? Erneut kneift er die Augen zusammen und bewegt eine Hand vor sich hin und her, als könne er so die Schneeflocken vertreiben und klarer sehen. Nein, da hinten war tatsächlich etwas. Schatten. Und zwar größer als Wölfe.

Ohne weiter nachzudenken rief der anderen zu sie mögen im folgen, dann stapfte er los. Nur wenige Schritte weiter wuchsen die Schatten heran, erhoben sich hoch über den Schnee und wurden dichter. Endlich, ein Wald!

Die Nachricht erreicht auch die hintersten, Lairja geschärftes Gehör vernimmt die Rufe Carns und schnell gibt sie auch den anderen beiden Bescheid, die nur noch wenige Meter hinter ihr waren. Mit neuen Kräften rafft ihr euch auf, schleppt ihr euch weiter. Endlich die ersten Bäume um euch herum. Wenn es euch gelingt weit genug in den Wald einzudringen, könnt ihr vielleicht einen windgeschützten Platz finden und sogar ein Feuer entfachen!

Harlan, der inzwischen recht weit vorne ging, ihr hattet euch M*** S****** ***position im Wald aufgegeben und seid ein wenig aufgefächert, blieb plötzlich stehen und zog die kalte Winterluft tief in seine Lungen. Jetzt merkt ihr es auch. Riecht da nicht etwas? Der Rauch eines Holzfeuers! Das Gelände scheint anzusteigen, sowohl Tom als auch Nagus drohten, bei jedem Schritt zusammenzubrechen aber auch sie schienen die nahende Rettung zu spüren und mühten sich weiter.

Die Bäume öffneten sich zu einer Lichtung. Dunkel erheben sich Gebäude und eine Wehrmauer gegen den schneebedeckten Himmel ab. Verzweifelt treibt ihr Eure Tiere an und brüllt, als ihr das Tor in der gut vier bis fünf Schritt hohen Mauer erreicht. Doch niemand antwortet!

Auch der hölzerne Beobachtungsturm neben dem Tor scheint unbesetzt...


Lyasa:

Zitternd hüllte sich Lyasa noch enger in die Decke und stapfte entschlossen auf das Tor zu. Sie hoffte das die Bewohner dort einen schönen warmen Platz für sie alle finden würden. Außerdem konnte sie hier den Toten ein ordentliches Begräbnis geben. Das niemand zu sehen war, bekam sie vor lauter Zittern nicht mit. Sie sah nur die Mauern und das, was hoffentlich dahinter lag.


Lairja:

Als Lairja Carns Ruf vernahm, keimte eine leise Hoffnung in ihr auf. Sie glaubte an seiner Stimme und der Art seines Rufens erkennen zu können, das ihnen zumindest keine Gefahr drohte. Vor ihrem geistigen Auge sah sie sich schon an einem prasselnden Feuer sitzen, in warme Decken gehüllt und eine Schale mit dampfender, heißer Suppe vor sich. Sie würde alles für eine von Lyasas warmen Brühen geben, nur um nicht mehr diese Kälte, die schon von ihrem Innersten Besitz ergriffen hatte, spüren zu müssen. Dieser Gedanke mobilisierte ihre letzten Kräfte.

Sie drehte sich um, rief den anderen beiden Frauen, die hinter ihr waren zu: \"Kommt! Schnell......\" Dann folgte sie Carn und Harlan, so schnell wie es ihr möglich war, ihre Augen nur nach vorne gerichtet. Die Bäume, die plötzlich auftauchten, selbst den stürmischen Wind und die Eiseskälte nahm sie kaum noch wahr. Völlig erschöpft und schwer atmend kam sie auf der Lichtung an.

Wenn sie noch die Kraft gehabt hätte, vor Freude einen Luftsprung zu machen, sie hätte es getan. Lairja sah Häuser... stieg da nicht Rauch aus den Kaminen auf?.... eine Mauer.... ein Tor.... ein Turm. Ein strahlendes Lächeln glitt über ihr Gesicht, das sofort großer Enttäuschung Platz machte, als sie vor dem großen hölzernen Tor stand.
Da war niemand, sie konnte niemanden finden, der dieses Tor bewachte. Selbst auf das laute Rufen und Klopfen kam keine Antwort. Sie sank in sich zusammen. Ihre Gedanken überschlugen sich. Da musste jemand sein. Es musste einfach jemand da sein! Natürlich war niemand auf dem Turm. Welcher halbwegs denkende Mensch würde sich bei so einem Wetter auf einen Turm stellen und sich freiwillig diesem Wind und der Kälte aussetzen? Sicher, das war der Grund, wieso da keine Menschenseele zu sehen war. Es konnte und es durfte keinen anderen dafür geben.

Verzweifelt sah sie die Anderen an. Deutlich konnte man auf ihrem Gesicht lesen, das sie darauf hoffte, das jemand etwas unternahm.


Carn:

Carn begegnete Lairjas Blick, aber im lesen war er schon immer eine Niete gewesen - auch im lesen in den Gesichtern anderer Leute. Außerdem war er es nicht gewohnt die Führung zu übernehmen oder anderen zu sagen was zu tun war. Es war bei ihm eigentlich immer anders herum gewesen.
Tatsächlich waren seine Gefühle denen der Magierin sehr ähnlich: Warum tut denn niemand etwas?

Halb unterbewusst betrachtete er die Wehrmauer. Sie sah solide aus und 5 Schritt waren eine durchaus brauchbare Höhe. Hinzu kam, dass sie völlig vereist war. Selbst mit einem gut befestigten Seil konnte man da leicht abrutschen und sich den Hals brechen.

Als er seinen Blick aber über ihren traurigen Haufen schweifen lies, der sich kaum auf den Beinen halten konnte, fand er keinen der aussah, als wäre er momentan dazu in der Lage - er selbst eingeschlossen.

Er fühlte sich nur noch schwach, müde und ratlos und es sah nicht so aus, als ob er auf Hilfe von außen hoffen konnte. Das ist ungerecht! Warum ich? Sollen sich doch die schlauen und gebildeten Leute was einfallen lassen! dachte er bei sich. Langsam stieg Ärger in ihm auf. Keine alles mitreißende Woge, aber doch genug um sich ein Ventil zu suchen.

\"He ihr namenloses Gesindel da drinnen! Macht gefälligst das Tor auf!\" brüllte er so laut er konnte und schlug und trat mit voller Kraft gegen dasselbe. Und siehe da, der Torflügel gab nach und schwang ein Stück nach innen auf. Carn war so verblüfft, dass er zunächst nur dastand und das nun einen Spalt geöffnete Tor anstierte. Dann jedoch fing er sich wieder, drückte entschlossen das Tor weit auf und trat hindurch.
Mitglied-6113.01.2003, 11:52 Uhr
****
Ok, Taktikwechsel: wer den weiteren Verlauf erfahren möchte, bitte ich um kurze Nachricht hier im Thread, sonst lasse ich es an dieser Stelle gut sein. Ich fürchte, es ist kaum einer bis gar keiner... *grinst* Aber auch damit kann ich leben, war nur eine Laune von mir hier... :-)
****

Harlan:

Er hatte Carns Blick nur hilflos erwidert, als der ihn kurz fragend und etwas vorwurfsvoll angesehen hatte, aber Harlan fühlte sich erst recht nicht in der Lage dazu, irgendeine initiative zu ergreifen. Seine Gehirnwindungen schienen gänzlich eingefroren zu sein, seine Knochen unbeweglich und fast unerträglich schwer. Seine sonst so wachsamen und lebendigen Augen waren ermüdet von der verzweifelten Suche nach einem Ausweg und starrten fast teilnahmslos ins Leere. Wäre er doch nur in Festum geblieben, hätte sich seinen Schuldnern gestellt und sich niemals auf diese Unglücksreise nach Riva begeben..

\"He ihr namenloses Gesindel da drinnen! Macht gefälligst das Tor auf!\"
Harlan zuckte zusammen und wunderte sich einmal mehr über die schier unerschöpflichen Energien des großgewachsenen Kriegers.. Doch auch in seinem Gesicht hatte er die stille Verzweiflung eines Menschen gesehen, der am Ende seiner Kräfte ist und nicht weiter weiß. Doch im Gegensatz zu ihm selbst konnte Carn sich wohl immer noch einmal aufraffen.
Als sich das Tor wie als Belohnung für soviel Entschlossenheit geöffnet hatte, huschte ein Hauch von Hoffnung über Harlans Gesicht. Er sah in die Gesichter der anderen, die alle dasselbe Gefühl reflektierten und setzte sich mit einem leisen Stöhnen, das direkt aus seinen müden Knochen zu kommen schien, wieder in Bewegung und folgte Carn ins innere des Wehrhofes..


Selendria:

\"Gut gemacht, Carn!\" Beim Anblick von Carns Zorn hatte sich Selendria ein kleines Grinsen nicht verkneifen können.
Entschlossen, sich ein warmes Plätzchen dort drinnen zu verschaffen, trat sie - Lyasa noch immer stützend - neben Carn in den Wehrhof. Verwundert schaute sie um sich. 'Warum war es so still hier? War etwa niemand hier? Oder versteckten sich alle?'


Lyasa:

Auch Lyasa seufzte erleichtert auf, als sich das Tor öffnete und sie trat ohne zu zögern ein. Wieder schwankte sie leicht und sie hatte das Gefühl sich nicht mehr all zu lange auf den Beinen halten zu können. Doch dann erinnerte sie sich daran, das es wohl nicht mehr lange dauern würde, bis sie vor einem heißen Kaminfeuer sitzen und sich aufwärmen könnte. Müde stützte sie sich auf Selendrias Arm und schlurfte weiter, immer einen Schritt vor den anderen setzend.

Als sie das Tor gemeinsam hinter Carn und Harlan durchschritten hatten, hob sie ihren Kopf und blickte sich um. Irgend etwas irritierte sie und dann wusste sie auch was. Warum ließen die Bewohner das Tor einfach für jeden offen, der nur hart genug anklopfte?


SL:

Der kleine Wehrhof ist übersichtlich angelegt: ein Haupthaus und mehrere Nebengebäude, die um einen gepflasterten Hof herum gruppiert sind. Die Steinmauer die alles umgibt habt ihr ja schon von außen gesehen, ebenso den hölzernen Beobachtungsturm neben dem zweiflügeligem Tor mit Mannloch.

Der Schneesturm ist im Hof nicht geringer als außerhalb, das Pfeifen des Windes wird durch die Gebäude eher noch verstärkt, und trotzdem ist es euch wohler, die Gebäude strahlen Sicherheit aus, Schutz.

Zu eurer Rechten steht ein Fachwerkhaus mit Holzdach, daneben ein kleiner Garten. Zumindest haltet ihr es für einen Garten, auch wenn er über und über mit Schnee bedeckt ist, so erkennt man doch den kleinen Zaun der ihn umfasst.

Daneben, an der hinteren rechten Ecke der Wehrmauer entlang gebaut, lag das augenscheinliche Haupthaus, ein dreigeschossiger Steinbau mit Schindeldach. Es kam eine breite Rauchfahne aus dem Kamin und im Erdgeschoss sah man erleuchtete Fenster, allerdings mit Holzläden und wahrscheinlich auch dicken Fellen verhängt, das nur sehr wenig Licht den Weg in den Hof fand.

Auf der anderen Seite des Hofes, also zu eurer Linken, steht ein zweigeschossiges Steinhaus mit Schindeldach, auch aus diesem Kamin steigt Rauch auf. Daneben sind die Latrinen, anschließend ein hölzerner Stall.

Auf den ersten Anblick ist die Anlage gepflegt, macht aber einen eher kriegerischen Eindruck. Vielleicht kein Wunder in dieser Umgebung. Für eine echte Streitmacht ist der Hof kein Hindernis, aber für einen kleinen Trupp Orks oder Räuber reicht es allemal.

Nichts was ihr seht wäre geeignet euch zu beunruhigen. Nur der Gedanke warum man so eine wehrhafte Mauer baut und dann sein Tor offen lässt, erfüllt euch mit einer leichten inneren Unruhe...


Lyasa:

Nachdem sie sich umgesehen hatte, löste Lyasa sich von dem sie stützendem Arm Selendrias und wandte sich dem Haupthaus weiter hinten zu. Noch einmal sammelte sie all ihre Kräfte und stapfte durch den Schnee auf die hölzerne Tür zu. Dort blieb sie kurz zögernd stehen doch dann hob sie ihre Hand und drückte fest gegen die leicht Wiederstand leistende Tür, welche sich auch mit ein wenig Mühe gerade so weit öffnen ließ, das sie sich hätte hindurchquetschen können.


Lairja:

Erschrocken über den Zorn in Carns Stimme, folgte sie den anderen durch das Tor in den Innenhof. Ab und zu warf sie ihm einen fragenden Seitenblick zu, immer noch erstaunt darüber, das dieser Mann auf dessen Gesicht immer ein etwas verträumter Ausdruck lag, zu solch einer Reaktion fähig war.
Aufmerksam ließ sie ihre Blicke über die Gebäude gleiten. Das wenige Licht, das aus dem einen Fenster in den Hof fiel, zog sie magisch an. Es versprach Wärme...ein Dach über dem Kopf. Nur mühsam konnte sie den ersten Impuls, einfach darauf los zu laufen, unterdrücken. Lyasa erging es wohl ähnlich, denn die Boroni stand schon an der Türe des Haupthauses. Mit angehaltenem Atem wartete Lairja darauf, was nun geschehen würde.


Carn:

Er war in die Mitte des Hofes gegangen, hatte eine Wurfaxt gezogen und sich langsam um die eigene Achse gedreht. Er kniff die Augen zusammen und suchte nach ... etwas. Er wusste selbst nicht nach was. Irgend etwas was nicht passte, etwas von dem ihm sein Instinkt sagte das es da sein müsste: Einem Feind, Ding oder Umstand der für das plötzliche Verschwinden oder Ableben der Bewohner dieser Wehranlage gesorgt hatte. Eine andere Erklärung für die fehlende Reaktion auf ihr Rufen und für das offene Tor schien ihm nicht denkbar. Wer in der Wildnis jeden einfach so in seine Festung spazieren ließ, war bald darauf einfach tot.

Er hatte noch nichts entdeckt was seine Befürchtungen bestätigt hätte, als es plötzlich gewahr wurde, das Lyasa zum Haupthaus gegangen war und die Tür aufdrückte. Was tat sie da nur? Selbst in ausgeruhtem Zustand traute Carn ihr keine großen kämpferischen Fähigkeiten zu. So wie es ihr momentan ging, könnte sie doch ein altersschwacher Goblin mit einem Holzschwert erschlagen!

\"Halt! Warte!\" rief er und war mit ein paar schnellen Schritten bei ihr. Sanft aber bestimmt schob er sie zur Seite. \"Hier ist was faul. Du gehst besser nicht vor.\" Er wollte sich schon gegen die Tür stemmen, zögerte aber noch einmal.

Wenn es Ärger gab war dies wohl die letzte Gelegenheit für Vorbereitungen. Er warf einen schnellen Blick in die Runde. Tom war ihm in den Hof gefolgt, aber das Tor stand noch offen. Das störte ihn. Eine Wehranlage sollte nicht einladend offen stehen. Also rief er \"Macht bitte das Tor zu\", wartete aber nicht ab, ob jemand dem nachkam. Statt dessen nickte er Selendria bedeutsam zu und lehnte sich mit der linken Schulter gegen die Tür. Den rechten Arm hatte er halb erhoben, bereit mit der Wurfaxt zuzuschlagen, oder sie gegebenenfalls auch zu werfen.


Selendria:

Als sie sah, wie Carn seine Wurfaxt zur Hand nahm, kam es Selendria langsam in den Sinn, dass hier etwas nicht stimmte. Ihr Verstand ging wohl ob der Kälte und der Anstrengung der letzten Tage ein wenig langsamer als gewöhnlich. Auch sie zog nun ihr Langschwert, nahm ihren Schild, auf dem eine Löwin auf rotem Untergrund abgebildet war, vom Rücken und blickte wachsam umher.

Plötzlich löste sich Lyasa von ihr und ging auf das Haupthaus zu. Bestürzt wollte sie sie aufhalten, doch Carn kam ihr zuvor. 'Lyasa war wohl noch nie in einer gefährlichen Situation...' dachte sie etwas abfällig. Doch dann besann sie sich eines besseren: Lyasa mochte wohl in diesen Dingen unerfahren sein, doch war sie Selendria sicher in einigen Dingen überlegen - allein schon was das Lesen und Schreiben anging.

Sie begegnete Carns Blick und folgte sofort seiner Anweisung, das Tor zu schließen. Dann stellte sie sich zu Lairja, um sie gegebenenfalls zu beschützen, nahm Kampfhaltung an und beobachtete angespannt die Tür. Bearbeitet von: Delirium am: 5/13/02 2:00:27 am


Lairja:

Noch bevor Lairja auf den Ruf Carns überhaupt reagieren konnte, hatte Selendria das Tor schon geschlossen. Ängstlich flogen ihre Blicke von einem zum andern. Ihr Atem ging kurz und stoßweise. Wie konnte sie nur so blauäugig sein, und ernsthaft glauben, das diesmal alles mit rechten Dingen zuging? Wo hatte sie nur ihre Gedanken? Natürlich hätte ihr auffallen müssen, das hier etwas anders war, es war viel zu ruhig. Ihre Erschöpfung und ihre Angst waren wohl ihr größter Feind.

Dankbar lächelte sie Selendria an, als diese sich neben sie stellte. Wenigstens waren die Kriegerin und Carn noch in der Lage, sich von einem gesunden Misstrauen leiten zu lassen. Völlig sinnloser weise nahm Lairja ihren Stab fest in die Hand. Im Grunde genommen wusste sie gar nicht, wie sie damit etwas oder jemanden abwehren sollte, geschweige denn zuschlagen.

Entschlossen schüttelte sie den Kopf und versuchte ihre Gedanken zu ordnen. Sie schalt sich selbst: 'Du hast deinen Verstand! Also gebrauche ihn auch!' Aufmerksam, immer noch darauf hoffend, das sich alles als harmlos und ungefährlich herausstellen würde, verfolgte sie das Geschehen an der Tür.


Harlan:

Harlan war Carn mit Nagus bis in die Mitte des Hofes gefolgt.
Seine Sinne waren nun etwas wacher, so als hätten Körper und Geist allerletzte Reserven mobilisiert angesichts der Tatsache, dass die unmenschlichen Anstrengungen - so oder so - in den nächsten Minuten wahrscheinlich ein Ende haben würden.
Sein umherschweifender Blick blieb auf dem offenbar als Stall genutzten Holzgebäude haften. Vielleicht konnte ein Blick ins innere Aufschluss darüber geben...
\"Carn, ich werfe kurz einen Blick in den Stall\"
Der angesprochene sprang aber in dem Moment bereits in Richtung Hauptgebäude davon.

So beeilte sich Harlan, zum Stall zu gelangen. Als er den einfachen Holzriegel öffnete, drang ihm eine angenehme Wärme entgegen zusammen mit einer intensiven Geruchswolke und Geräuschen, die auf die Anwesenheit verschiedener Tiere wie Hühner und Schweine schließen ließen.
Harlan meinte auch, das Schnauben eines Pferdes zu hören.
Ja, es waren Pferde da. Harlan horchte und schaute angestrengt in das Halbdunkel und konnte einige ausmachen, sicher waren mindestens 1 bis 2 Dutzend hier..

Er verriegelte das Stalltor eilig und rannte, so schnell ihn seine steifen Beine trugen zum Haupteingang, wobei er halblaut rief: \"Carn, wartet...\"
Doch zu spät - Dieser hatte das Gebäude bereits betreten.
Harlan dachte kurz an sein halbverrostetes Schwert, dass irgendwo in einer Lederscheide in Nagus' Satteltaschen ruhte. Egal, es würde ihm sowieso nichts nutzen. Der Ansatz eines Schmunzelns huschte über seine Züge und er eilte den anderen nach..


SL:

Auf halben Wege bleibt die Tür des Haupthauses stehen, scheint auf einen Widerstand getroffen zu sein, als ob etwas hinter ihr das Öffnen verhindern würde. Durch die halboffene Tür könnt ihr einen kleinen, dunklen Flur sehen mit mindestens einer geschlossenen Tür in der rechten Wand. Bis auf ein paar schwere Wintermäntel und etliche paar Schneeschuhe ist er leer.

Doch kaum habt ihr euch einen ersten Überblick verschafft, hört Ihr auch schon Geräusche die aus dem Haus kommen. Rufe, schnelle Schritte von Stiefeln und das metallene Schleifen als ob Waffen blank gezogen würden. Gedämpft fangt Ihr einzelne Satzfetzen auf, unter anderem \"...sie waren im Hof...\", \"...Räuber...\" und \"...zu den Waffen...\".

Dann fliegt auch schon die kleine Tür zur rechten auf, schlägt krachend gegen die Wand und ein Lichtschein von Kerzen, Öllampen und wohl auch einem Kaminfeuer fällt in den kleinen Flur vor euch. Nur eine Sekunde später ist er auch schon da, brüllend und sich mit einem Schwert auf den ersten von euch stürzend. Euer Angreifer ist ein breitschultriger Mann der in Leder und Felle gekleidet ist, er trägt keine Rüstung, aber das wuchtige Breitschwert lässt keinerlei Zweifel aufkommen das es sich hier um etwas anderes als einen Krieger handeln könnte. Eine ganze Schar Gestalten folgt ihm, Männer wie Frauen. Bei einigen seht ihr Schwerter oder Speere, aber auch lange Messer und Dolche sind vertreten.

\"Attacke!!!!\"


Carn:

Noch bevor er in die halboffene Tür getreten war, hatte Carn mit der linken Hand seine zweite Wurfaxt gezogen und stand dann einige Sekunden bis auf äußerste gespannt da. Als der Mann jedoch auf ihn zustürmte ging eine merkwürdige Veränderung mit ihm vor. Er entspannte sich, sein Gesicht wurde ausdruckslos und sein Blick leer.

Carn wurde angegriffen und reagierte auf die einzige Art und Weise die er beherrschte: Er hörte auf zu denken. Denken kostete ihn zuviel Aufmerksamkeit und Zeit und das konnte er sich in einem Kampf einfach nicht leisten.

Er wich vor dem ersten Schlag zurück und einen Schritt auf den Hof. Er war jetzt ganz Instinkt und Reflex. Das wer, wo und warum hatte für ihn aufgehört zu existieren. Er würde sich so gut verteidigen wie er konnte und konsequent jede Lücke in der Verteidigung seines Gegners nutzen.


Lyasa:

Erschrocken über den plötzlich vor ihr ausbrechenden Lärm, wich Lyasa schnell wieder von der Türschwelle zurück, auf welcher sie bisher immer noch stark zitternd gestanden hatte. 'Was bei Boron ist denn ..', schoss es ihr durch den Kopf, doch beendete sie ihren Gedanken nicht. Sie hatte keine Zeit mehr dafür, denn schon hörte sie laute Stimmen etwas von 'Überfall und Räuber' rufen und kurz darauf kam auch schon der große Carn rückwärts gehend und seine beiden Äxte wie wild schwingend, aus dem von ihm zuvor ganz geöffnetem Eingang heraus.

Fest schlossen sich ihre steifgefrorenen Finger um den Holzstecken, mit dem sie zwar ein wenig umgehen konnte, welchen sie aber bisher noch nie in einem ernst gemeintem Angriff hatte erheben müssen. So schnell sie konnte rannte sie in die Mitte des Hofes zurück, schlug unterm Laufen ihre Kapuze vom Kopf, so das jeder ihre Glatze sehen konnte und blieb leicht schlitternd wieder stehen und drehte sich wieder zur Türe hin um.

Sie wartete noch kurz bis einige Männer und Frauen, mit Schwertern, Speeren und Dolchen bewaffnet aus der Tür stürmten und schrie dann so laut sie es vermochte. \"Hört sofort mit diesem Unsinn auf in Borons Namen! Wir sind keine Räuber, sondern nur ein paar müde Wanderer, die sich verirrt haben!\"


Selendria:

Die bis eben noch regungslos verharrende Selendria fuhr bei dem lauten \"ATTACKE\" hoch, stieß geistesgegenwärtig Lairja etwas weiter nach hinten und eilte zu Carn. \"Harlan, beweg endlich deinen Hintern hierher!\" rief sie Harlan in b*** S****** ***em Ton zu.


Lairja:

Als Selendria sie nach hinten stieß, kam Lairja endlich wieder zu sich. Wie in Trance hatte sie die Geschehnisse auf dem Innenhof verfolgt, unfähig zu denken, unfähig etwas zu tun. Sie atmete tief ein, sammelte ihre Gedanken. 'Es musste einen Grund haben, wieso diese Menschen sich so benahmen, weshalb sie sofort zum Angriff übergingen. Vielleicht waren sie auch von Furcht getrieben? Welchen Eindruck mussten Carn und Selendria auf sie machen? Bestätigte das nicht ihre Befürchtungen? Wie würden sie selbst handeln, wenn plötzlich jemand auftauchte, der keinen Zweifel daran ließ, was er mit seinen Äxten und Schwertern vor hatte? Würden sie nicht auch sofort angreifen? ...... Und vielleicht wussten sie auch etwas über den Toten? Er könnte ja auch einer von ihnen gewesen sein.'

Sie wartete nicht darauf, ob irgendjemand auf Lyasas Schreien reagieren würde. Ohne weiter zu überlegen rannte sie auf Carn und den großen Krieger zu. Ihre klare, helle Stimme hallte über den Hof. \"Haltet ein! Aufhören! Carn....nicht!\" Völlig außer Atem blieb die kleine, zierliche Frau in einigem Abstand vor den beiden Männern stehen. Nah genug, das sie sie hören und deutlich sehen konnten, doch noch weit genug entfernt, um nicht gleich von einem Schlag getroffen zu werden. Ihr Körper bebte, aber sie bemühte sich ihre Furcht nicht anmerken zu lassen. Die Magierin verstand nichts vom Kämpfen, sie verabscheute jegliche Art von Gewalt. Es musste aufhören, bevor es richtig begonnen hatte, bevor ein nicht wieder gut zu machendes Unglück geschah.

Leiser fuhr sie fort zu sprechen, ein Zittern in der Stimme kaum verbergend : \"Bevor wir......ihr......euch hier die Köpfe einschlagt, lasst uns doch bitte versuchen zu reden!\" Ihr Blick blieb an dem großen Kämpfer haften, der sein Schwert schon zum Schlag erhoben hatte. \"So schaut uns doch an!\" Dabei zeigte sie auf die anderen ihrer kleinen Gruppe. \"Sehen wir so aus, als wollten wir euch überfallen, als hätten wir überhaupt ein Möglichkeit, den Kampf gegen Euch zu gewinnen? Was sollte unser erbärmlicher Haufen schon gegen Euch ausrichten? Ein Hieb von Euch, und jeder Einzelne von uns .....aber das brauche ich wohl nicht zu sagen...\" Die Worte sprudelten nur so aus ihr heraus. \"Wir sind halb erfroren, wir haben Hunger....und....wir haben uns verlaufen..... Alles was wir möchten, ist ein Dach über dem Kopf, etwas zu Essen, ein warmes Feuer, ein Bett .... und .......\" Lairja zeigte auf Carns Pferd, auf dessen Rücken deutlich die Umrisse des Leichnams zu erkennen waren. Die Verzweiflung in ihrer Stimme war kaum mehr zu überhören. \".....diesem armen Toten dort ein ordentliches Begräbnis zukommen zu lassen...\"

Sie verstummte. Erschöpft sank sie in sich zusammen, stützte sich schwer auf ihren Stab. Es war ihr deutlich anzusehen, das sie am Ende ihrer Kräfte war, das sie sich nicht mehr lange auf den Beinen halten konnte.


Carn:

Jemand näherte sich ihm schnell von schräg hinter ihm, stoppte seinen Ansturm aber im letzten Moment und blieb so außerhalb seiner unmittelbaren Schlagreichweite. So richtete er weiter den Hauptteil seiner Aufmerksamkeit auf den Schwertkämpfer direkt vor ihm. Er dreht sich aber ein wenig und wich einen Schritt zur Seite um die neue potentielle Bedrohung besser im Blick zu haben und sich ihrer – sollte sich die Gelegenheit bieten – mit einer schnellen Ausfallattacke zu entledigen.

Die Gestalt rief etwas, aber die Worte drangen nicht bis zu ihm durch. Er war in seiner momentanen Verfassung gegen solche Manipulationsversuche Immun. Er fühlte zwar ein unbestimmtes Gefühl des Unbehagens, aber er ignorierte es. Sein ursprünglicher Gegner schien plötzlich abgelenkt und Carn meinte eine Lücke in seiner Verteidigung zu erkennen.

Er spannte sich schon um vorzuschnellen, aber sein Unbehagen wuchs und verlangte nach Aufmerksamkeit. Irgend etwas stimmte nicht. Etwas wichtiges ging an ihm vorbei. Hatte nicht gerade jemand seinen Namen gerufen? Alle um ihn herum schienen zu zögern. Wo war sein neuer Gegner hin verschwunden und was machte Lairja hier vorne?

Auf Carns Gesicht spiegelte sich seine Verwirrung wieder, als er mehr zu sich selbst als zu jemand anderem sagte \"Was ist los?\". Er versuchte die Situation durch nachdenken zu enträtseln und begab sich damit genau in die Lage, die er in Kampfsituationen immer vermieden hatte. Wenn ihn jetzt jemand angreifen würde, könnte er kaum rechtzeitig reagieren.


SL:

Tatsächlich gebieten eure Worte und Rufe den „Angreifern“ Einhalt. Sowohl das Auftreten der Geweihten als auch das Eingreifen der Magierin die es tatsächlich schafft Carns Kampfeswillen auszubremsen, scheinen für Verwirrung zu sorgen. Der große Krieger der als erster aus dem Haus stürmte, weicht einen Schritt zurück, sein Schwert allerdings kampfbereit haltend, und auch der Rest der Leute geht ein wenig auf Distanz, sich allerdings am Rand des Hofes entlang bewegend um euch so langsam aber sicher in einem unangenehmen Kreis einzuschließen.

„Wartet!“ Die Stimme kam von recht weit hinten, ein kleiner, dicklicher Mann in feiner Kleidung stand dort, immer noch sehr dicht bei der Tür. Der Hüne mit Breitschwert reagierte mit einem weiteren Schritt zurück, ließ euch aber nicht aus dem Blick, ebenso wenig wie die anderen. Allerdings sah man ihn ihren Augen weder Wut noch Kampfeslust, zwar blickten sie entschlossen drein, aber vielleicht ließ sich der Kampf vermeiden...

„Eslamo, Salricia, haltet ein!“ Erneut erklang die Stimme und der kleine Mann begann seinen schwergewichtigen Körper in eure Richtung zu schaukeln.

Kurz vor euch bleibt er stehen, mustert euch eindringlich mit seinen kleinen Schweinsäugelein und erst nach einer kleinen Weile erscheint ein breites Lächeln auf seinem runden Gesicht. „Ihr seht wirklich nicht wie Räuber aus. Und verzeiht,“, an die Boroni gewandt, „das wir euch nicht vorher erkannt haben. Aber bei dem Schneesturm hier sieht man ja die eigene Hand vor Augen kaum. Aber wie um alles in der Welt seid ihr hier hereingekommen?“ Fröstelnd zieht er seinen grünen, bauschigen Wams enger um sich und winkt euch zu. „Ach was rede ich, bitte, kommt herein, ich werde euch den Hausherren vorstellen. Hier holt man sich ja den Tod.“

Mit ein paar kurzen Worten weist er zwei Knechte an sich um eure Lasttiere zu kümmern und in den Stall zu bringen. Dann wendet er sich an den Krieger den er Eslamo nannte, pfeift ihn mit scharfer Stimme an: „Für was zahlt euch der Herr eigentlich?“

Dann wendet er sich erneut euch zu: „Meine Name ist Riccard von Elsenbrück, meines Zeichens Haushofmeister des Herren von Quandt. Und auf eben diesem seinem gewählten Winterdomizil seid ihr hier. Kommt, der Herr wird sich über Gäste freuen und es ist gemütlich warm drinnen.“ Mit einer kurzen Geste weist er gen Haupthaus. Sein Blick trübt sich nur kurz als er den Toten auf Carns Pferd sieht. „Eslamo, kümmere Dich auch darum, ja?“


Carn:

Sein Verwirrung steigert sich nur noch mehr. Der kleine Mann sprach viel zu schnell und praktisch ohne Pause und einige der Worte die er benutzte klangen für ihn fremd und rätselhaft. Dann dieser unvollständige Satz, den alle zu verstehen schienen - nur Carn nicht. \"kümmere Dich auch darum\" Worum sollte der sich denn vorher kümmern und was war darum?

Er verstand gar nichts und man schien ihm auch keine Zeit zum nachdenken lassen zu wollen. Plötzlich wirkte der riesenhafte Carn, der eben noch furchtlos mit einer Übermacht kämpfen wollte, völlig hilflos.

\"Ich verstehe nicht.\" wandte er sich an seine Gefährten und so wie er es aussprach klang es mehr nach einer Frage als einer Aussage.
UO World – Archiv-Neuauflage 2026 · Impressum · Datenschutz