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Soll eine Vampirgeschichte mit vielen Gedankenreflektionen w

Mitglied-105326.08.2006, 09:13 Uhr
Die Chroniken der Finsternis
Von Isabelle de Lac d‘ours


Mein Name ist Isabelle de Lac d‘ours, was soviel bedeutet wie Isabelle vom Bärensee. Wie mein Name schon vermuten lässt stamme ich einer französischen Adelsfamilie ab. Doch bevor ich nun beginne meine Geschichte zu erzählen, gestatten sie mir, dass ich mir eine Zigarette anzünde. Ja, ich weiß, Rauchen verursacht Lungenkrebs, bei ihnen jedenfalls. Aber mir kann der Rauch nichts anhaben, denn ich bin unsterblich. Um genau zu sein, ich bin ein Vampir, ein Wesen, dass angeblich nur in den Köpfen fantasiereicher Menschen existiert, so wird es zumindest immer behauptet. Vielleicht eine Schutzfunktion, vielleicht aber auch, weil wir sauber Arbeiten und für gewöhnlich keine Beweise unserer Existenz hinterlassen. Ich für meinen Teil finde mich jedenfalls ziemlich real und daher wird meine Geschichte nun an einen Autor weiter gegeben, der sie für die gesamte Menschheit verewigen wird. Ich glaube zwar nicht daran, dass sie jemals so einen einschlagenden Erfolg haben wird, wie jene, die einst von Anne Rice über den Vampir Lestat niedergeschrieben wurde – sie alle haben bestimmt, wie ich, den Film Interview mit einem Vampir gesehen – aber das ist mir gleich. Mir geht es nicht um Geld oder andere materielle Dinge. Davon konnte ich in den letzten Jahrhunderten, die ich durchlebte zu genüge anhäufen. Auch wenn ich wohlhabend bin, bedeutet Reichtum mir nicht sehr viel, ich könnte auch genau so gut ein Leben in Armut verbringen – mit der Ausnahme, das gewisse Dinge die auch ich benötige einfach Geld kosten und sei es nur die Kosmetik und die Tatsache, das vieles einfacher ist wenn man es besitzt -, denn es gibt wertvollere Dinge als Geld. Aber das werdet ihr Menschen dann bemerken, wenn ihr an der Schwelle des Todes steht und auf euer Leben zurück blickt. Und ich muß es schließlich wissen, denn ich habe den Tod bereits hinter mir gelassen und habe auf mein bis dahin geführtes Leben zurück schauen können. Geld ist nicht mehr als ein Mittel zum Zweck. Ein sehr mächtiges Mittel und für manche sogar eine Droge. Meine Droge ist aber eine andere, Blut. Und ich hole es mir von denen, die ich persönlich als schlecht empfinde und die es meiner Meinung nach verdient haben nicht mehr auf dieser Welt zu verweilen. Ob es einen Himmel oder eine Hölle gibt in dem meine Opfer einkehren weiß ich nicht. ich habe lange nach diesen Orten gesucht, dabei aber weder Gott noch den Teufel kennen gelernt, oder irgendwelche Beweise die nur im kleinsten ihre Existenz beweisen würden. Und was die Kirche alles als einen Beweis Gottes erbringen will! Vergessen sie es am besten. Die Zeiten in denen der kluge Mensch die wahren Interessen dieser Scheinheiligen – nicht, das es auch Ausnahmen unter ihnen geben würde -, nämlich die weltlich orientierte Politik, nicht erahnt, sollten endgültig vorbei sein. Und selbst ihr höchstes Symbol der Heiligkeit, das Kreuz besitzt keinerlei sakrale Ausstrahlung und hat auch nie eine Wirkung auf mich gezeigt. Wahrscheinlich hätten sie mich mit einem gefüllten Kartoffelsack mehr verletzen können, als mit diesem Ding, an dem übrigens schon mehr Blut klebt, als ich jemals werde trinken können. Aber natürlich habe ich hin und wieder so getan, als ob es mich verletzen könnte, ich wäre kein Vampir, hätte ich nicht auch ein wenig Katz und Maus mit meinen Opfern gespielt. Mit ein wenig Adrinalin versehen, schmeckt Blut doppelt gut. Entschuldigen sie, dass ich gerade in mich hinein schmunzle, aber der Gedanke an gewisse Situationen, in denen sich geistliche hinter ihrem Kreuz vor mir verstecken wollten, anstatt einfach vor mir weg zu rennen, die Chancenungleichheit mal außer acht gelassen, ist immer sehr amüsierend für mich gewesen. Himmel also bis jetzt nicht da, oder nur von Scheinheiligen erfunden, na ja und einer echten Hölle bedarf es eigentlich gar nicht mehr. Sie existiert bereits, hier auf Erden, durch Menschenhand erschaffen. Kein Wunder bei der mickrigen und schlechten Vertretung des Himmels. Wirklich im Herzen reine Menschen kann man als Nadel im Heuhaufen suchen. Schade eigentlich. Tja, und so regiert das Schlechte unseren Planeten. Ich muss immer Lachen wenn mich Opfer bei der Jagd als Monster hinstellen wollen, selbst aber mehr als 20 Frauen vergewaltigt oder andere Verbrechen an wehrlosen Menschen verübt haben, die diese ein Leben lang im Geiste verfolgen. Für solche lasse ich mir immer besonders viel Zeit und koste mit Genuss ihre Ängste aus, die Angst mal nicht alles unter Kontrolle zu haben, wie es sonst der Fall ist. Neu ist diese Hölle auf Erden jedoch nicht, also kein Zeichen der Zeit , sollten sie das vielleicht glauben. Sie hat nur ihre Facetten ein wenig verändert, ist ein wenig luxuriöser und blendender geworden. Die Herren die sie beherrschen tragen heut zu Tage teure Anzüge von Georgio Armanie statt einer Krone auf dem Kopf und einem Zepter in der Hand, fahren gepanzerte Stretch-Limousinen und handeln meist mit Öl. Auch die Hexenverbrennng wurde durch einen viel saubereren Volkssport ausgetauscht, der die Massen auf ein bestimmtes Feindbild zentralisieren soll um von den eigenen Verbrechen abzulenken. Es ist die Jagd nach Terroristen, die man oft sogar selbst beauftragt um illegale Kriege beginnen zu können. Tragisch nur, dass sie die Tragweite ihres Handelns nicht verstehen und nicht bemerken, dass sie sich durch ihren offenen Hass gegenüber der westlichen Welt immer tiefer in das Netz der Spinne begeben.
Aber zurück zu mir, ich will endlich zum Anfang meiner Geschichte kommen bevor ich den Faden verliere und meine Zigarette abgebrannt ist.
Geboren wurde ich am 2-ten September 1622, auf Chateau Rocher d’ours, einem kleinen Schloss gelegen am Flußlauf der Dordogne, inmitten des Herzens der landschaftlich wunderschönen Auvergene. Ich war die erste und einzige Tochter des Marquis Richard de Lac d‘ours und meiner Mutter – Gott, wenn es ihn gibt, sei ihr gnädig – Sophie de Lac d‘ours. Die kleine Grafschaft, die mein Vater damals mit eiserner Hand verwaltete existiert heute nicht mehr, ebenso wenig wie die Dörfer die Rund um sie gelegen waren. Sie alle liegen heute tief unter dem Stausee von Bort les Orgues begraben. Doch ich muss sagen, ich könnte nicht behaupten, dass ich traurig darüber wäre. Meine Kindheit war alles andere als angenehm. Nicht deshalb, weil der Adel in Frankreich zu Anfang des 17-ten Jahrhunderts durch die Regentschaft des damaligen Premierministers des Königs, Kardinal Richelieu erheblich in seinen Rechten beschnitten wurde, was sich auf die Stimmung innerhalb der einzelnen Adelsfamilien niederschlug. Nein, diese Probleme dürften eher meinen selbstsüchtigen und herrschsüchtigen Vater interessiert haben. Meine Probleme waren ganz anderer Natur.
Man muss sagen, ich will jetzt zwar nicht überheblich klingen, aber Tatsachen sprechen nun mal für sich, dass mir eine unglaubliche Schönheit mit in die Wiege gelegt wurde. Sie denken nun sicher das sei ein Segen, ich kann ihnen jedoch sagen für mich war es ein Fluch, den ich mir erst sehr viel später, zu einer ganz anderen Zeit und anderen Orten zu nutzen machen sollte. Meine frühe Kindheit war geprägt von Isolation, langweiligen Familientreffen und sowohl strengen als auch nervigen Unterrichtungen in Sachen höfischen Benehmens. Nichts was ich irgend jemandem wünschen würde. Auch wenn es im ersten Moment infam klingen mag, ich wäre damals lieber Tod gewesen, anstatt in diesem goldenen Gefängnis aufzuwachsen, das so gar nichts von dem wirklichen Leben beinhaltete.
Meine Geschichte beginnt genau hier, in diesem kleinen Schloss in der Auvergene, umringt von hohen Mauern, eingebettet in einen wunderschönen Blumenpark, indem sich Schmetterlinge tummelten und filigran gestaltete Wasserfontänen aus stattlichen Brunnen, gespeist vom Wasser der Dordogne, in die Höhe schossen. Doch bevor ich endgültig beginne weiter zu erzählen, sollten sie noch etwas wissen. Es ist und bleibt meine Geschichte. Aber natürlich kommen in dieser Erzählung, so wie in jeder anderen Geschichte, auch dritte Personen vor, die nicht immer zugegen waren, über deren Denken und Lebensweise dieses Buch jedoch berichten wird. Das erfordert zu meinem bedauern, dass ich bei deren auftreten aus der Ich–Erzählung in die Form der dritten Person wechseln muss. Ein Umstand den ich nicht begrüße, der sich aber leider Gottes nicht vermeiden lässt. Doch glauben sie mir, ich werde mir die Größte mögliche Mühe geben, jeden Dialog, jeden Gedanken, jede Handlung, Tat und deren schöpferischen Ursprung, jener Personen so wahrheitsgemäß und authentisch wie möglich wieder zu geben. Denken sie immer daran, ich bin kein Mensch sondern eine Vampirin. Ich habe Gaben von denen sie nur träumen können, Ein Erinnerungsvermögen, das jeden Supercomputer der heutigen Zeit weit in den Schatten stellen würde und einen Scharfsinn der den Instinkt eines jeden Tieres um Längen übertrifft. Wenn diese Personen in meiner Erzählung auf mich treffen, wird es öfters vorkommen, dass sie mich Verbal beschreiben oder Meinung bildende Gedanken über mich verlieren. Glauben sie dann bitte nicht, ich hätte eventuelle Bewertungen aus eigener Arroganz dazu erfunden oder vielleicht sogar verfälscht, um mich in einem besseren Licht dar stehen zu lassen. Das habe ich nicht nötig und wenn sie das nicht glauben, dann hinterlassen sie beim Verlag doch einfach ihre Adresse, vielleicht werde ich ihnen dann einen Besuch abstatten, damit sie sich selbst ein Bild von mir machen können. Aber seien sie gewarnt, nicht immer kann ich meinen Blutdurst zurückhalten. Jetzt fragen sie sich sicher wie ich zu den Gedanken gewisser Personen gekommen sein will ? Nein, natürlich habe ich sie nicht gefragt, ich wäre naiv zu Glauben, dass Menschen einem ihre wahren Gedanken offen auf den Tisch legen würden, es sei denn man pumpt sie voll mit LSD. Wenn sie wüssten wie abweichend gedachtes und gesagtes oftmals sein können, sie wären erschreckt darüber. Die Gedanken sind frei. Dieser Spruch gilt für euch Menschen. Wäre es anders, wäre die Welt eine andere. Eine Welt der Frustrierten, der Versager und Neider. Die meisten Menschen sind nur Schauspieler und nicht mal unbedingt gute. Ich aber durchschaue sie alle. Gedanken lesen ist nun wirklich keine besondere Fähigkeit für einen Vampir, für die älteren, oder die von den Alten erzeugt wurden zumindest nicht. Jetzt sollten aber wirklich alle Unklarheiten bereinigt sein, lassen sie mich also mit dem erzählen beginnen.

Es war im Juli 1634, das genaue Datum kann ich leider nicht mehr nennen, da ich zu diesem Zeitpunkt noch in meiner sterblichen Hülle steckte und nicht mal im Traum daran gedacht hätte, dass solche Wesen wie ich eines bin, überhaupt auf der Erde verweilen könnten, geschweige denn, jemals selbst zu so einem Wesen zu werden, so wie auch jetzt bei dem ein oder anderen von ihnen durchaus noch berechtigte Zweifel an meine Existenz bestehen werden. Zu jenem Zeitpunkt schrieb ich gerade mein zwölftes Lebensjahr. Ich erinnere mich noch genau an das Wetter dieses Tages. Es war sehr sonnig und der blaue Himmel wurde nur von wenigen kleinen Schafswölkchen untermalt. Es war heiß, aber als Kind spürt man die Hitze noch nicht so. Wie so oft, wenn ich nicht gerade zu irgendwelchen langweiligen Unterrichtungen durch meine Zofe Chantal, die auch gleichzeitig unsere Köchin war, verdonnert wurde, spielte ich, wie sollte es auch anders sein, auf unserem großen Anwesen mit mir selbst. Flocht mein blondes langes Haar zu Zöpfen, lief bunten Schmetterlingen hinterher, schaute mir unentwegt die grüne Pracht der großen Kastanienbäume an die in einer peniblen Ordnung am Rande zur Mauer unseres Anwesen standen und spielte mit dem Wasser der Fontänen herum, indem ich sie mit meinen Händen ablenkte und damit unsere Katzen umher scheuchte.
Viel mehr Beschäftigung gab es auch schon fast nicht für mich, da ich keine Freunde besaß, mit denen ich hätte unbeschwert herum tollen können, so wie es andere Kinder tun. Meine Mutter saß während dessen die ganze Zeit auf der prächtigen Sonnenterrasse unseres kleinen Landschlosses, die getragen von zwei mächtigen Säulen aus weißem Sandstein, sich im zweiten Stock des Anwesens befand und beobachtete von dort aus sehr aufmerksam und kritisch mein Treiben. Ihr entging wirklich nichts, so dachte ich jedenfalls, auch wenn sie einen breit gefächerten Federhut trug, der sich tief in ihr Gesicht neigte um sie vor der einfallenden Sonne zu schützen. Das tat sie nicht um sich etwa vor einem Sonnenbrand zu schützen, oder weil sie vielleicht Lichtscheu war. Damals wie heute galt Blässe beim Adel als vornehm und unterschied den aristokratischen Menschen vom gewöhnlichen Bauernvolk, das bei der täglichen Arbeit auf dem Felde zwangsläufig eine dunkle Hautfarbe bekam. Von daher achtete sie natürlich sehr genau darauf, dass auch ich mich nicht, wie sie zu sagen pflegte, zu lange in der Feuerschale der Knechtschaft aufhielt und rechtzeitig den wohltuenden Schatten aufsuchte. Wenn ich heute daran denke, dass es mir für immer verwährt bleiben wird noch ein mal einen Sonnenaufgang zu genießen, könnte ich über dieses törichte Denken meiner Mutter Tränen vergießen. „Komm jetzt ins Haus hinein. Dein Vater der Marquis hat sich für heute angekündigt. Er kehrt von seiner langen Reise zurück. Wir wollen ihn doch gebührend empfangen und er wird bestimmt nicht erfreut sein wenn er dich sogleich dort unten im Park in der Sonne spielen sieht.“ rief sie mir zu. Eine gewisse Besorgnis klang aus ihrer Stimme heraus die ich mir aber nicht erklären konnte. Und so wies ich dieses offensichtliche Warnsignal einfach ab und tat so als hätte ich ihr Rufen nicht vernommen. Was sollte auch schon passieren. Der Marquis war mein Vater und was sprach dagegen ein wenig Spaß auf dem eigenen Besitz zu haben. Doch dieses leichtfertige Denken sollte sich schon sehr bald rächen. Die wenigen male, in denen ich meinem Vater in den ersten Jahren meines Lebens gesehen hatte, waren zu kurz gewesen um wirklich den Menschen kennen zu lernen der hinter ihm steckte. Mein Leben lang, war er bis auf wenige Ausnahmen auf Reisen, geheimen Treffen und Feldzügen gewesen, bedingt durch die zu dieser Zeit sich überschlagenden politischen Ereignisse in Frankreich. Frankreich hatte gegen Ende des 16 Jahrhunderts einen schweren Krieg zwischen Katholiken und Protestanten hinter sich gebracht, der in einem trügerischen Frieden beigelegt worden war. Nach dem Mord Heinrichs des IV durch den katholischen Fanatiker Francois Ravaillac im Jahre 1610 verschärfte sich die Situation wieder, denn wie zu erwarten gab es heftige Kämpfe um den französischen Thron in die auch mein Vater ferner verwickelt war.
Mein Vater der Marquis kämpfte auf Seiten der Katholiken, die auch schließlich die Oberhand gewannen. Doch als wenige Jahre nach der Krönung von Louis XIII, dem Sohn Ravaillacs, Kardinal Richelieu das erste mal in Erscheinung trat und zwei Jahre nach meiner Geburt zum Premier ernannt wurde, wechselte mein Vater plötzlich die Lager. Er hatte durch den Hochadel von den Anfangs noch geheimen Plänen Richelieus erfahren den Adel zu entmachten und die absolute Monarchie in Frankreich einzuführen. Machtbesessen und egozentrisch wie mein Vater war, wollte er das natürlich nicht über sich ergehen lassen. Ich komme nicht umher so über ihn zu urteilen. Zu viel Hass hat sich in mir über die Jahrhunderte angestaut um seinen Motiven auch nur ein wenig Edelmut abzugewinnen. Natürlich, was sollte man von ihm anderes erwarten wechselte er die Seiten und wurde zum Verschwörer am Königshaus. Von da an war es mit dem Frieden in unserem und auch anderen Adelshäusern vorbei. Der Adel schloss sich zusammen und versuchte die Pläne Richelieus zu vereiteln. Doch gegen die Macht der Kirche, die gnadenlos von ihrem Recht der Entkommunizierung gebrauch machte und der starken Armee des Königs, hatte der Adel nicht viel entgegen zu setzen. Er erzielte zwar kleine Siege, doch die waren nicht von langer Dauer.
Als meinem Vater die Lage im Jahre 1634 als aussichtslos betrachtete, schwor er den bis dahin verbündeten Adelshäusern ab und lieferte sie gnadenlos aus. Er ließ Richelieu eine Liste vermeintlicher Verschwörer zukommen für welche er vom König begnadigt und seinen Landsitz behalten durfte, auch wenn mit eingeschränkten Rechten. Ich weiß nicht ob diese innere Niederlage ihn zu dem gemacht hat, was er letztendlich für mich wurde. Aber das spielt auch keine Rolle. Ein Unrecht, wenn es denn überhaupt ein Unrecht war, rechtfertigt niemals ein anderes, vor allem dann nicht wenn unbeteiligte Personen betroffen werden. Aber so war er, und in meinem Herzen, auch wenn es nicht mehr schlägt, wird es in Ewigkeit nur Hass für ihn geben, warum, dass werden sie schon bald erfahren.

Und auch wenn meine Mutter bestimmt viele Dinge an mir nicht gut hieß, so glaube ich doch im nachhinein, dass sie zu jenem Zeitpunkt die einzige Person in meinem Leben war, die mich wirklich liebte, und nicht nur als bloßen Gegenstand betrachtete. Wenn ich damals schon geahnt hätte, welcher Bürde, ja welcher sprichwörtlichen Gefahr ich sie mit meiner Mißachtung aussetzte, wäre mein Tun und Handeln zu jeglichen Zeitpunkten vielleicht ein anderes gewesen. Meine Mutter war ein guter Mensch ganz im Gegensatz zu meinem Vater, den ich im späteren Verlauf meines Lebens gerne mehr als einmal hätte sterben sehen.

Ich ignorierte also ihr Rufen und selbst als sie mir heftige Zeichen gab, ins Haus zu kommen, tat ich so als hätte ich davon nichts mitbekommen. Ich weiß nicht einmal ob ich ihren Worten gefolgt wäre, wenn ich gesehen hätte was sie vom Balkon aus beobachten konnte. Eine reich verzierte Kutsche, gezogen von vier prächtigen Pferden mit Scheuklappen, näherte sich im Trab unserem Landsitz und hielt direkt auf das schwere Tor zu, das unseren Schlosspark zur Außenwelt trennte.
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