Auch auf die Gefahr hin, dass ich hier jetzt einigen auf den Keks gehe, will ich, nachdem ich es jetzt bestimmt 20 mal überarbeitet habe, einmal das erste Kapitel meines kleinen Projekts hier reinstellen und eure Meinung dazu erfragen. Ich bin mir echt nicht sicher dabei - gut dass es brutal ist weiß ich - und lebe vom Feedback der Leser. Nur eine bitte, erst ab 18 lesen, da es wirklich sehr brutal und realitätsnah geschrieben ist. Wenn einer der Mods, das hier für unverantwortlich hält, einfach ohne Rückfrage rauskicken. Und nochmals an die Minderjährigen, das hier ist wirklich nichts für euch.
Kapitel 1
Es war ein freundlicher Tag. Der Himmel über New York war nur leicht wolkenbehangen und die Luft in den Straßen war warm und schwül, viel schwüler als man es für Samstag, den elften September 2021, vorhergesagt hatte; sie war schweißtreibend bis unerträglich. Doch seit der Klimaveränderung zur Jahrtausendwende durfte man den Wetterprognosen sowieso nur noch bedingt Glauben schenken. Vieles hatte sich seitdem verändert und das meiste nicht unbedingt zum Positiven.
Brittany Orwell, Journalistin für den New-York-Liberal, eines relativ jungen, kritischen Tagesblattes mit Zentralsitz in Manhattan, vertrat genau diese Meinung. Leider besaß weder sie noch die Zeitung, für die sie recherchierte und Artikel schrieb, den nötigen politischen Einfluss, um auf die vielen Missstände jener Tage, die sich über alle gesellschaftlichen Bereiche hinweg erstreckten, einwirken zu können. In Brittanies Augen war der Zug dafür sowieso schon längst abgefahren. Die Macht, die man dem amerikanischen Präsidenten unter Zustimmung des Kongresses so leichtsinnig zugespielt hatte, war so immens, dass niemand sie ihm gegen seinen Willen mehr entreißen könnte. Und nein, der jetzige Präsident der Vereinigten Staaten war mit Sicherheit kein Waisenknabe, der Konflikte scheute.
Hätte ihr jemand im Teenageralter erzählt, dass der Chef ihres Landes dazu in der Lage sei, in die Gedankenwelt eines jeden Menschen einzudringen - sie zu lesen -, hätte sie diesen jemanden vermutlich ausgelacht und gesagt: „Nur Gott kann das“. Heute reagierte sie auf dieselbe Aussage mit ernster Miene und sie war schon seit 10 Jahren aus dem Teenageralter heraus. Den Luxus, freie Gedanken zu haben, gab es in der heutigen Gegenwart nicht mehr. Höchstens noch tief unter der Erde. Dort konnten die hypersensiblen Empfangsgeräte der Überwachungssatelliten von Gods-End die infinitesimale Strahlung menschlicher Gedanken nicht mehr erreichen und abtasten. Fiktion war leider bittere Wirklichkeit geworden.
Brittany fühlte sich seither gefangen wie eine Ratte im Käfig, trotz weiterhin vom System vorgespielter Freiheit. Sie hatte keine Fesseln an. Nichts, was sie in irgendeiner Weise als Gefangene deklarierte. Und doch war sie eigentlich täglich darauf gefasst, dass bewaffnete Einheiten der Regierung ihre Wohnung stürmten, um sie wie eine Terroristin in ein geheimes Lager zu verschleppen, weil sie eine politisch konträre Meinung zur Regierung besaß. Die Geschichte des zweiten Weltkriegs lehrte, dass so etwas schneller geschehen konnte, als der einfache Bürger glaubte. Und durch Zuhilfenahme von Gods-End benötigte der Staat nun nicht einmal mehr Spitzel, um Andersdenkende ausfindig zu machen. Mit Gods-End besaß man den perfekten Überwachungsapparat.
Noch schien die Regierung allerdings vor groß angelegten Säuberungsaktionen, wie sie in totalitären Systemen gang und gebe waren, zurückzuschrecken. Noch proklamierte die Regierung nach außen, Gods-End nicht gegen rechtschaffene Bürger einsetzen zu wollen. Vielleicht fürchtete man den erbitterten Widerstand der letzten Datenschützer. Aber wer konnte schon sicher behaupten, von dem zu wissen, was hinter verborgenen Mauern vielleicht schon längst besprochene Sache oder gar Realität war.
Über solche Dinge wollte sie sich heute aber wirklich kein Kopfzerbrechen bereiten. Nein, wirklich nicht! Heute war ein guter Tag, denn heute bekam sie Besuch von Sandra Berlinger aus Berlin. Sandra war ihre Busen-Kommilitonin aus einer wunderschönen Studienzeit in Deutschland und ebenso wie sie eine engagierte Journalistin im Kampf um die Freiheitsrechte der Bürger.
Brittany schaute auf ihre Uhr. Die Zeiger trafen sich auf der Zwölf; Mittagszeit. In vier Stunden schon landete Sandras Lufthansa Maschine auf dem J.F.K.Airport in New York. Brittany wollte auf jeden Fall zeitig dort sein, um ihre Freundin gebührend in Empfang zu nehmen. Da der Airport, von ihrer Wohnung aus gesehen, allerdings fast am anderen Ende der Stadt gelegen war, musste sie sich beeilen. Vier Stunden waren nichts, wenn man dabei mehr als acht Mal die Subway-Route wechseln musste.
Brittany transpirierte, sie war nervös.
Eigentlich benutzte sie ja lieber das Taxi. In der U-Bahn fühlte sie sich generell unsicher. Und das dichte Gedränge dort, schrecklich!
Da die Taxifahrer sich aber derzeit in einem großangelegten Streik um höhere Löhne und die Senkung der wöchentlichen Arbeitszeit von 70 auf 60 Stunden befanden, kam Taxifahren für sie nicht in Frage. Auch wenn es bestimmt noch den ein oder anderen Fahrer in New York gab, der trotz bestehenden Streiks fuhr, weil er hoffte davon profitieren zu können. Brittany verabscheute solches Denken. Streikbruch war gleich Verrat und der verstieß eindeutig gegen eines ihrer heiligen Prinzipien. Mit Verrätern gab sie sich nicht ab. Niemals! Selbst wenn sie dadurch gezwungen wurde sich in die zwielichtigen Tiefen des Subways zu begeben. Zwei Stunden später war Brittany bereits auf ihrem Weg zum Flughafen. Wie vorgenommen, nutzte sie den Subway, trotz ihrer erheblichen Vorbehalte gegenüber diesem Transportmittel. So schlimm war es dann eigentlich auch gar nicht. Sie hatte Schlimmeres in Erinnerung.
Seit der letzten Station hatte sie sogar eine einzelne Sitzreihe für sich alleine und las, während der Zug in seinem typisch monotonen Rauschen durch die Dunkelheit der U-Bahnschächte raste, in ihrem Tagebuch. Sie hatte gerade nichts Besseres zu tun und außerdem wirkte das dem Stress entgegen, der sich seit der Nutzung des Subways in ihr angestaut hatte. Noch lagen etliche Stationen und damit unzählige Meilen unter der Erde vor ihr; viel Stress, bis endlich der Bahnhof käme, an dem sie ein letztes Mal umsteigen musste.
Wie viele Stationen genau noch dazwischen lagen, wusste Brittany nicht. Bisher hatte sie den Sprecher erfolgreich ignoriert und sich auch die Anzahl bisheriger Zwischenstops nicht gemerkt, obgleich diese Versäumnisse sie nun ein wenig in Nervosität versetzten. Ihre Zeit war zu knapp bemessen, um sich größere Fehler im persönlichen Fahrplan zu erlauben.
Ein Gong kündigte die nächste Sprecherdurchsage an. „The next station is Morgan Avenue“, hallte die mechanische Stimme durch das Abteil, woraufhin sich einige Personen von ihren Plätzen erhoben und durch den Mittelgang in Richtung Ausstieg drängten. Morgan Avenue, sie hatte schon mehr Strecke hinter sich gebracht als angenommen. Das Rauschen des Tunnels nahm beständig ab, die Beleuchtung im Abteil wurde heller, der Zug verlor an Fahrt. Er fuhr in eine Bahnhofshalle ein. Sie war gerammelt voll. Dicht an dicht, wie auf einer Hühnerfarm, quetschten sich hier die Menschen zusammen, drängelten und schubsten, und veranstalten dabei einen ohrenbetäubenden Radau, der selbst durch die geschlossenen Fenster noch gut zu hören war. Brittany wurde aus ihrem Lesefluss gerissen. War hier der Krieg ausgebrochen?
Der Zug stoppte. Sie steckte das Tagebuch weg. Irgendetwas stimmte hier nicht, das spürte sie. Diese Menschen benahmen sich eigenartig; panisch.
Die wollen doch nie und nimmer alle mit dem Subway fahren. Das war doch nicht normal!
Brittany bekam es mit der Angst zu tun, welche sich mit jeder einzelnen Sekunde, die der Zug im Stillstand auf dem Bahnhof verweilte, intensivierte. Das waren keine Fahrgäste, das war eine wilde, tollwütige Meute. Die Fahrgäste auf dem Steig stießen und drängten einander gegen den stehengebliebenen Zug und rissen wie die Berserker an den Türen, obwohl diese noch geschlossen waren.
Hoffentlich bleiben sie das auch, dachte sich Brittany.
Ihr Herz schlug Salti. Sie fühlte sich wie in einem Horrorschocker; der absolute Alptraum, der blanke Schrecken. Das war es. Brittany geriet in stille Panik. Sie fühlte sich bedrängt von allen Seiten, selbst von den wenigen Personen, die mit ihr im Abteil saßen und genau wie sie zusammengekauert auf ihren Plätzen hockten und bangten.
So eine Scheiße, weshalb muss das ausgerechnet heute passieren, weshalb ausgerechnet hier? Wieso ich? Das habe ich nun von meiner Solidarität, Mist!
Am liebsten hätte sie einfach nur nach unten geschaut und das ganze Szenario um sich herum vergessen. Doch so tough war sie nicht. Sie konnte sich ihren Ängsten nicht dermaßen entziehen. Die Gefahr war einfach zu offenbar. Hoffentlich hielten die Fenster dem zunehmenden Druck von außen stand. Und die Türen, sie durften auf keinen Fall aufgehen, nicht auszudenken...
Tue einfach so, als wäre nichts, Brittany, schreib an deinem Tagebuch, der Zug fährt gleich weiter, heute ist ein schöner Tag, Sandra kommt zu Besuch.
Es ging einfach nicht. Während des Versuchs den Blick zwanghaft von der Scheibe abzuwenden, an die sich die unterschiedlichsten menschlichen Gesichter unter Verwandlung zu Fratzen heranpressten, nahm Brittany aus ihren Augenwinkeln wahr, wie sich auf dem Bahnsteig ein mit Baseballschläger bewaffneter Punk seinen Weg durch die blindwütige Menge in Richtung des stehenden Zugs bahnte. Sein Blick war irgendwie seltsam. Brittany deutende ihn weder als hasserfüllt noch als wirklich verzweifelt. Es schien eher so, als glaubte der Mann eine Mission erfüllen zu müssen, hier und heute, an diesem Bahnsteig. Und diese Mission hatte offensichtlich etwas mit ihrem Zug zu tun.
Was für ein Schwachsinn, Verschwörungstheorien! Außerdem die Panik der anderen? Nein, da war der pure Überlebenswille im Spiel. Nur war dieser Mann, im Gegensatz zu den anderen, anscheinend bereit, für sein eigenes Leben auch über Leichen zu gehen. Aber vor welcher Bedrohung flohen sie eigentlich? Wieder ein Terroranschlag der Islamisten? Der letzte größere war bestimmt schon 10 Jahre her, Giftgas? Nein, Schwachsinn, keiner würde bei Giftgasalarm in die U-Bahn rennen, das wäre wohl so ziemlich das Dümmste, was man tun könnte.
Das Licht im Waggon wurde dunkler. Der Zug nahm wieder Fahrt auf. Brittany wurde ruhiger, und versuchte ihre Gedanken ein wenig zu ordnen. Der Zug fährt wieder, sie haben die Türen nicht geöffnet, Gott sei Dank! Ich wette, selbst diejenigen, die hier ursprünglich aussteigen wollten, sind froh darüber. Wow..., welche Stille hier drin plötzlich herrscht, und wie bleich alle sind. Selbst die schwarzen Fahrgäste sehen ziemlich fahl aus. Das ist unheimlich. Was war das nur? Gleich haben wir es geschafft, dann kommt endlich der dunkle Schacht. Ich glaube, ich war noch nie so froh darüber. Nie wieder U-Bahn!
Von wegen! Jemand schien anderer Meinung zu sein.
Ein lautes explosionsartiges Geräusch hinter ihr riss Brittany aus den Gedanken heraus und verriet ihr, dass hier noch längst nicht alles ausgestanden war. Geschockt drehte sie sich um und sah, wie sich ein schlanker, aber muskulöser Männerkörper durch ein Loch in der hintersten Scheibe des Waggons zu zwängen versuchte. Es war der verrückte Punk. Er hatte das Glas der Scheibe mit dem Baseballschläger weitgehend zertrümmert und versuchte nun in den fahrenden Zug hineinzuklettern. Brittany überlegte fieberhaft, was sie tun sollte. Ihn rausschubsen? Sein Körper würde dabei vermutlich irgendwo zerschellen. Das würde er allerdings auch, wenn sie einfach nichts tat, denn der Zug wurde immer schneller und würde bald die Einfahrt in den Tunnelschacht erreichen. Nein, egal was dieser Mensch auch getan hatte oder noch täte, egal wer er war, sie musste ihn retten, so durfte niemand sterben. Brittany rannte über den Mittelgang zum hinteren Fenster, während die anderen Fahrgäste nur wortlos von ihren Plätzen aus zuschauten und nahm die Hand des fremden Mannes entgegen, um ihn ins Abteil hinein zu ziehen.
„Nein, Mam, lassen sie das. Wir sind sowieso alle tot. In Europa sind vor einer Stunde Atomraketen eingeschlagen, wir werden alle...“
Brittany erstarrte an dem Geräusch splitternder Knochen. Ein Schwall aus Blut spritzte ihr entgegen. Genau ins Gesicht, dann entsetzte Schreie, gefolgt von einem langen Blackout. Irgendwann erwachte sie im Stehen. Um sie herum viele besorgte Fahrgäste mit entsetzten Gesichtern und in ihrer Hand ein blutiger Armstumpf, der noch warm war.
Ihr wurde schwindlig. Sie fiel. Fremde Arme fingen sie auf. Man wedelte ihr Luft zu und eine sanfte Männerstimme sprach zu ihr. Mam, setzen sie sich erst einmal hin und tun sie etwas, was sie beruhigt. Bis zur nächsten Station ist es nicht mehr weit, bis dahin sollten sie sich unbedingt ablenken.
Mein Tagebuch, wo ist mein Tagebuch? Sie griff in ihre Tasche hinein und suchte verstört danach, während das Licht an der Decke zu flackern anfing und der Zug deutlich an Fahrt verlor........
...Die Geschichte Brittanies war nicht ihre Geschichte. Nicht ihre eigentliche, mit der alles begonnen hatte und nach der sie so verzweifelt suchte. Das spürte sie. Es war nur eine von unzähligen, die in einem Geflecht mit vielen, vielen anderen erzählt werden musste, um ihre jetzige Existenz erklären zu können, welche in ihrem Ausmaß geistiger und zeitlicher Struktur und von ihrer Tragweite für die Gefüge des Universums, so immens wichtig, so überwältigend und bedeutend war, dass es dem gewöhnlichen menschlichen Geist niemals hätte bewusst und zugänglich werden können. Für sie besaßen die irdischen Grundsätze keine Gültigkeit mehr, auch nicht die ehernen Gesetze der Schöpfung, so wie Raum, Zeit und Materie, da sie nun selbst zu einem Teil der Schöpfung geworden war und sie beeinflussen konnte, wie sie wollte; fast jedenfalls. Aber was wollte sie wirklich? Sie war noch auf der Suche danach.
Ganze Welten trafen in ihr zusammen und kollidierten miteinander. Hunderte, tausende, Millionen Anschauungen über Moral und Ethik, wie sie in ihrer Ausprägung unterschiedlicher nicht hätten sein können, bekämpften sich in ihr und lösten chaotische Gefühlszustände aus, die nur schwer zu kontrollieren waren. Die absolute Dekadenz war im selben Maß in ihr vertreten, wie die schlimmste Verzweiflung, die tiefste Trauer, genauso wie der unbändigste Hass, der einmal freigelassen, alles Gute und Schöne zum welken brachte und sogar die Macht besaß es ausnahmslos zu verschlingen; nur um sich danach selbst zu zerstören. War das auch letztendlich ihr Schicksal? Wenn sie herausfände, wer sie wirklich war, konnte sie das vielleicht verhindern; vielleicht!
Einer Person, der unendlich vielen Persönlichkeiten, die in ihr ansässig waren, fühlte sie sich im besonderen Maße hingezogen. Es war ein starker Charakter, ein menschliches Wesen; eine Frau, die den Namen Laura trug. War das ihr eigentliche Essenz, der Ursprung ihres jetzigen Seins, das sie in Einsamkeit und im Einklang mit dem Wahnsinn, in der unendlichen Leere des Nirwanas fristete?
Sie sortierte alle Erinnerungen, die sie besaß, grenzte sie auf eine überschaubare Menge ein und spulte sie an einem Tag zurück, an dem Raum und Zeit noch Existenz besessen hatten. An ebenjenen unheilvollen Tag, mit dem alles begonnen hatte, der das Scheitern des Universums und allem was dazu gehörte begründete. Es war eine Geschichte in deren tragischen Verlauf sie nicht nur auf Grauen, sondern vielleicht auch auf die Lösung des Rätsels, der wohl existenziellsten Frage aller Fragen stieße. Ihre Geschichte begann mit Laura...
...Es war letztendlich ein lauter Hahnenschrei, der Laura aus ihrem unruhigen Schlaf herausriss. Was, schon so spät? An weiterschlafen war jedenfalls nicht zu denken, zumal der letzte Traum ihr Inneres zutiefst aufgewühlt hatte.
Außerdem riefen die Pflichten.
Es war Sonntagmorgen, der erste Sonntagmorgen in diesem Monat. Ein besonderes Datum für Laura, betrachtete man ihren üblichen Tagesablauf. Es war einer jener zwölf Tage im Jahr, die ihr Vater dazu nutze, Nachts irgendwelche Dinge im Wald zu erledigen, bei dem sie ihm nicht helfen konnte – das war seine Aussage. In etwa zum Sonnenaufgang war er meist dann wieder da; also jetzt bald. Und wie immer ginge er davon aus bei Rückkehr einen gedeckten Frühstückstisch vorzufinden, ohne dass er eine spezielle Erwartungshaltung an sie stellte. So etwas lag ihm fern. Außerdem verrichtete Laura solche Dinge gerne. Das verschaffte ihr das rare Gefühl gebraucht zu werden. Sie liebte ihren Vater über alles und nutzte jede Gelegenheit entspannter Atmosphäre – die leider immer seltener wurden -, um mit ihm in Zweisamkeit zu verbringen. Schließlich war er der einzige Mensch in ihrem Leben und das nicht nur metaphorisch gesehen. Seit sie zurück denken konnte, lebte sie mit ihm alleine, abgeschieden vom Rest der Welt, hier in dieser Blockhütte, umgeben von den schier unendlichen Wäldern Kanadas.
Nicht ein einziges Mal innerhalb dieser langen Zeitspanne – wie viele Jahre es mittlerweile waren wusste sie nicht einzuschätzen, aber es kam ihr wie eine kleine Ewigkeit vor - hatte sie einen anderen Menschen zu Gesicht bekommen. Nun ja, so ganz stimmte das nicht. Obwohl, im Prinzip dann wieder doch.
Man musste es eigentlich differenziert beäugen.
Es gab da nämlich diese unfreiwillige Ausnahme: Des öfteren, Nachts, wenn sie schlief, in Form eines höchst merkwürdigen Traumes, der sie gegen ihren eigentlichen Willen, an einen fremden Ort entführte, dessen Zentrum aus unzähligen hohen quaderförmigen grauen Bergen bestand, die bestenfalls das Herz eines geborenen Mathematikers zu Kapriolen hätten verleiten können und die über und über mit spiegelnden Flächen bedeckt waren, welche das Sonnenlicht auf unnatürlichem Wege, in dunkle triste Täler hinein beförderten, nur, um dort den Schmutz und Dreck einer verlorenen Zivilisation aufzuzeigen. Dieser Ort war widerlich, furchteinflößend und kalt. Laura fröstelte und erschauerte, selbst wenn ihre Gedanken ihn nur streiften. Wenn das Ganze zu intensiv geschah, geriet sie in innere Bedrängnis. Manchmal so sehr, dass sie sogar stellenweise glaubte, die pestartige Luft riechen zu können, die aus jedem Winkel dieser Alptraumwelt hervorströmte und alles immerwährend mit einer Aura der Verderbnis überzog. Der mysteriöse Ort nahm sogar stellenweise auf ihre Atmung Einfluss, die dann fernab jedes Genusses, zu einem lästigen Muss verkam. Und auch sonst, war er nur eine Zuflucht für die Trübsal. Munteres Vogelgezwitscher farbenprächtiger Vögel gab es hier genauso wenig zu hören oder zu sehen, wie das friedvolle Rauschen der vom Wind bewegten und im Sonnenlicht saftig grün reflektierenden Blätter des Waldes oder das stürmische und dennoch beruhigende Brausen eines stolzen Wasserfalls, der in Vereinigung mit der Sonne, in silbern schimmernden Nebeln, die aus dampfendem Tal emporstiegen, farbenprächtige Regenbögen in elysischer Vollendung gebar. Fernab solcher Idylle, existierte hier nur das triste Zusammenspiel verschiedenster Grautöne und jede Menge Lärm. Kurz gesagt, alles was Augen und Ohren schmerzte; nichts außer Unrat, der jedweden Sinn abstumpfte und ihn überflüssig machte. Der Traum war sehr intensiv, dauerte zum Glück aber nie lange. Er endete stets an einer markanten Brücke, die sich in schwindelerregender Höhe über einen breiten, fast schon als gigantisch zu bezeichnenden Flusslauf spannte. Und jedes Mal, wenn sie diese Brücke betrat, drohte diese einzustürzen, denn sie war überfüllt mit Menschen; verzweifelten Menschen, die sich gegenseitig schubsten und drängten, wie eine Schar gejagter Lämmer, die von einem Wolfsrudel in die Zange genommen werden und dabei einander selbst mehr schaden als die Wölfe, die sie zu reißen versuchen.
Wie kam nur dieser schreckliche Traum in ihren Kopf hinein? War er eine Botschaft ihres Unterbewusstseins, die sie nicht zu deuten vermochte. Oder waren es nur wirre Gedanken, die einer geheimen Sehnsucht entsprangen? Aber wenn ja, welcher?
Irgendwann, in einer ruhigen Minute - sie wusste nicht, wie lange genau dieses Ereignis schon her war -, hatte sie ihren Vater auf ihre seltsame Vision angesprochen und ihn im selben Atemzug nach der Existenz anderer Menschen befragt; ein einziges Mal, dann nie wieder. Sie erinnerte sich noch allzu genau an seine erste Reaktion darauf, die von einem versteinerten Gesichtsausdruck und lähmender Kälte geprägt gewesen war.
Im Gegensatz zu so vielen anderen Fragen, die er ihr bis zu diesem Zeitpunkt immer anstandslos beantwortet hatte, war er dieser einen, nach nur kurzer Gedankenpause, durch hektisch und plump erscheinenden Themenwechsel ausgewichen. Wohlgemerkt nicht unbewusst, er hatte es mit Absicht getan.
Und überhaupt, war seitdem alles wie verhext.
Ihr Unterbewusstsein, so sehr sie sich dagegen auch sträubte, vergaß diese Frage nicht mehr. Sie wollte nicht mehr von ihrer Seite rücken. Das gänzliche Gegenteil war der Fall. In wechselnden Abständen, deren Intervalle im Laufe der Zeit immer dichter zusammengerückt waren, drängte sie sich mehr denn je in den Mittelpunkt ihres Seins; wurde lauter, bestimmender, fordernder, womit natürlich auch Lauras Drang nach Erkenntnis beinahe täglich eine Intensivierung erlitt. Mittlerweile sehnte Laura sich nichts mehr herbei, als diese Frage vergessen zu können; endlich wieder Ausgeglichenheit und inneren Frieden zu verspüren.
Das Gemüt belastende Thema des Traumes war mittlerweile zu einem echten Problem herangewachsen und stellte sich zunehmend, wie eine unsichtbare Barriere, zwischen sie und ihren Vater. Und dennoch war es für sie ein Tabu geblieben, ihm die Frage erneut zu stellen, denn sie wusste nicht, was sie mehr fürchtete; eine Antwort oder ein zweites Mal, auf sehr deprimierende Weise, von ihm vertröstet zu werden.
Parallel zu diesem Geschehen hatte sich auch das Verhalten ihres Vaters folgerichtig geändert. Insgesamt war er ihr gegenüber reservierter geworden – auch wenn er das abstritt - und oftmals wirkte er genau wie sie, scheinbar grundlos einsam und traurig, was ihn immer öfter dazu veranlasste, die stille Abgeschiedenheit zu suchen. Es gab Tage, da war seine innere Melancholie so deutlich zu verspüren, dass Laura seine Anwesenheit als pure Belastung empfand. Sie mied ihn dann sogar freiwillig. Er war dann nicht mehr wiederzuerkennen und wirkte wie ein Fremder auf sie.
Diese Tage waren die schlimmsten. Er saß dann einfach nur da auf seinem Schaukelstuhl in der Wohnstube, ohne ein Wort mit ihr zu wechseln, oder sich um irgendetwas zu kümmern, und schaute dann stundenlang apathisch aus dem Fenster, hinaus in den Wald hinein, als wartete er auf etwas, das ihn von seinen heimlichen Leiden erlöste. Wenn sie ihn ungeachtet dessen dann doch aus irgendeinem Grund ansprach, reagierte er oftmals nicht oder erst sehr spät und wirkte zerstreut. Oder aber, was auch nicht selten vorkam, er wimmelte sie mit dem Argument ab, dass er müde und erschöpft sei.
Doch das waren natürlich alles nur Ausflüchte. Er konnte ihr nichts vormachen. Es war die Furcht vor ihren Fragen; vor der Frage.
Ihr Vater trug ganz offensichtlich ein Geheimnis mit sich herum, dass er aus irgendeinem Grund vor ihr verbergen wollte und das ihn langsam aber sicher zugrunde richtete und sie gleichermaßen dazu.
Nein, das musste endlich aufhören. So ging es einfach nicht mehr weiter.
Sie wollte endlich Klarheit, die Wahrheit erfahren, mit ihr konfrontiert werden, und das um jeden Preis. Vorher fände sie keine Ruhe. Laura nahm sich vor ihren Vater noch heute zur Rede zu stellen – heute schien ihr der richtige Tag dafür - auch auf die Gefahr hin einen dunklen Schatten seiner, vielleicht aber auch ihrer Vergangenheit, aus der Verbannung zu befreien.
Immer noch schlaftrunken und von leichtem Widerwillen geprägt, stieg sie aus dem Bett und schritt tastend, mit nur spaltbreit geöffneten Augen, in Richtung des Fensters, um den schweren, dunklen Vorhang zur Seite zu schieben, der das Licht des Morgens daran hinderte, in ihr kleine, gemütliche Schlafstube einzufallen.
Warum war es überhaupt noch so dunkel? War es etwa bewölkt?
Der Griff zum Vorhang war derselbe wie immer. Doch nicht das, was sie danach erblickte. Draußen war es noch stockfinster, und am Nachthimmel hoben sich die scharf gezeichneten Silhouetten der Wolken vom lauen Schein des Mondes ab.
Laura geriet nicht oft in Erstaunen. Es gab auch selten Gründe dafür. Doch das hier war schon irgendwie... seltsam.
Sie wirkte etwas zweifelnd. War der Hahn verwirrt, vielleicht sogar krank? Oder hatte sie sich den Hahnenschrei eventuell eingebildet?
Kaum waren diese Gedanken verflogen, folgte ein weiterer Hahnenschrei.
Allmählich wurde die Sache unheimlich.
Sie musste dem nachgehen. Irgendetwas stimmte hier nicht. Konnte es sein...? Vielleicht war ihr Vater früher heimgekehrt, schon vor Sonnenaufgang. War das des Rätsels Lösung? War heute überhaupt Sonntag? Vielleicht irrte sie ja in Allem. Ihr Hoffen blieb vergebens. Nachdem sie sich eine Kerze entzündet hatte und alle Zimmer, sogar den Keller der Blockhütte nach ihrem Vater durchsucht hatte, blieb ihr nur die Erkenntnis, dass sie dem Problem alleine gegenüberstand und demnach auch alle Entscheidungen, die nun zu treffen waren, alleine treffen musste. Sollte sie wirklich rausgehen und nach dem Rechten sehen? Laura war sich darüber alles andere als sicher. Vater hatte ihr verboten bei Dunkelheit das Haus zu verlassen, das einzige echte Verbot, dass er ihr je erteilt hatte. Er begründete es mit wilden Tieren, die bei Nacht weniger Scheu besäßen.
Gewöhnlich hielt sie sich an diese Vorgabe; nicht weil sie Angst vor einer Bestrafung hatte - die hätte er ihr sowieso nie erteilt -, sondern weil sie das Wort ihres Vaters wertschätzte und seine Aussagen normalerweise nie anzweifelte, selbst wenn ihr manch eine davon dubios erschien.
Doch die Neugierde über das seltsame Verhalten des Hahns siegte über jeden Zweifel. Laura wollte gerade die Tür nach außen hin öffnen, als sie von dort ein vertrautes Geräusch vernahm; Schritte. Dennoch wirkten sie befremdlich auf sie. Normalerweise kannte sie keine Vorsicht. In ihrem Leben hatte es noch nie eine Situation gegeben, die solche erfordert oder sie eines Besseren belehrt hätte. Und doch sagte ihr eine innere Stimme, dass es jetzt besser sei still zu sein, alleine schon um zu erfahren, was dort draußen vor sich gehe.
Laura hielt regungslos den Atem an oder besser gesagt, er wurde ihr angehalten. Sie ließ fast die Kerze dabei fallen. Es war dieser erste Anflug von Nervosität, der sich wie ein Strick um ihre Kehle schnürte und ihr die Luft zum Atmen raubte; der erdrückende Zustand der Hilflosigkeit, den sie nie zuvor kennen gelernt hatte. Ihr Mund verdörrte in Trockenheit. Ihr Speichelfluss versiegte. Sie musste fortlaufend schlucken. Und was war mit ihrem Herzschlag los? Sie spürte ihn als rhythmisches Klopfen in den Ohren, mit leisen Zwischentönen einer rauschenden Melodie im Hintergrund. Es war ein unangenehmes Gefühl; höchst unangenehm. Allerdings war es nicht halb so intensiv in seiner Ausprägung, wie der einsetzende, heiße Schmerz, der sich wie ein Flammenring um ihr Herz zog und es in einem tobenden Feuersturm zu verbrennen drohte - natürlich nur scheinbar.
Laura zitterte am ganzen Körper wie Espenlaub. Der Urinstinkt des Überlebens, den sie bisher noch nie von Nöten gehabt hatte, war inmitten seiner Aktivierung. Warum geschah das alles?
Die junge Frau versuchte zu begreifen. Und das erforderte, dem da draußen zu lauschen, so gut wie es eben nur ging, mit der Einschränkung nicht jene klaren Gedanken fassen zu können, die sie in dieser Situation so unendlich bitter benötigt hätte.
Sie vernahm leise Stimmen. Fremde Stimmen, jedoch eindeutig Stimmen, was vermutlich alleine schon ausgereicht hätte, um ihr Misstrauen zu erregen. Aber diese hier versetzten sie in blankes Entsetzen. Laura erstarrte zur Salzsäule, wobei sich ihr Gesicht der Farbe einer solchen anglich. Sie versuchte intensiver zu lauschen, zu verstehen, was die Stimmen von sich gaben; ohne Erfolg.
Der Hahn krähte ein weiteres Mal. Ein letztes Mal, wie sich im nächsten Augenblick herausstellen sollte. Sein einst so stolzer und kräftiger Schrei erstickte in einem kläglichen Gurgeln, bevor die Stille wieder über die Dunkelheit des frühen Morgens hereinbrach. Laura war schockiert. Ihre tief braunen Augen, die sich in unergründlichen Tiefen verloren und dennoch wie zwei Sonnen erstrahlten, denen das Unmögliche gelang, Sanftmut in Einklang mit rätselhafter Verführung zu bringen, benetzten sich mit Tränen, die in feiner filigraner Perlenform über ihr wunderschönes bleiches Gesicht liefen, und sich in einträchtiger Harmonie mit der nahezu perfekten Physiognomie vereinigten. Umrahmt wurde dieser Anblick von Lauras leicht gewellten, vollen, kastanienbraun schimmernden Haaren, die ihr noch ungekämmt ins Gesicht hingen, dadurch ihrem Äußeren aber einen Hauch von Verwegenheit verliehen.
Diese Tränen waren das letzte Geschenk an einen Freund, der sie ein Leben lang begleitet hatte. Nie wieder würde sie den Hahn krähen hören. Doch wer oder was hatte ihn getötet, und wie sollte sie nun reagieren?
Ihr wurde heiß und kalt zugleich.
Die Angst in ihr hatte sich schon lange manifestiert, doch sie wuchs immer noch an; von Sekunde zu Sekunde. Die erste echte Panik schoss an ihr hoch. Sie wollte wegrennen, flüchten, sich irgendwo in ein dunkles Loch verkriechen. Und doch war sie wie gelähmt und konnte sich nicht von der Stelle rühren, sondern lauschte weiterhin, was da vermeintlich auf sie zukam. Und es kam, ohne jeden Zweifel, denn die zu vernehmenden Schritte waren zielstrebig, mit kraftvollem Nachhall; viel zu kraftvoll, als dass sie von einem Menschen stammen konnten. Sie nahmen Ziel auf das Haus. Laura starb innerlich tausend Tode. Erst recht, als eine dunkel gurgelnde Männerstimme einsetzte und mit ihr die Idylle der Nacht zu einem Alptraum mutierte. Dieses mal war sie klar und deutlich in ihrem Wortlaut zu vernehmen, wenn auch nur mäßig artikuliert.
„So ein verdammtes Mistvieh...hätte uns durch den blöden Schrei fast noch den ganzen Plan über den Haufen geschmissen!“ „Haha, wie treffend formuliert, Cragg, der Spruch gefällt mir. Vielleicht sollten wir stattdessen jetzt den Haufen nehmen und ihn über das tote Federvieh schmeißen? So als Revanche, dachte ich...verstehst du? “, war unversehens eine zweite Stimme zu hören, die nicht minder dämonische Züge als die erste aufwies. Allerdings schien ihr Inhaber, im Gegensatz zum ersten, über einen gewissen Humor zu verfügen, auch wenn dieser in eine dermaßen makabere Richtung abdriftete, dass er bei Laura höchstens für Schweißausbrüche sorgte. „Halt gefälligst deine Klappe, Stümper und konzentriere dich auf die bevorstehende Aufgabe. Während der Operation beginnt nur einer Gespräche, und das bin ich. Ausnahmen werden nur gestattet, wenn es wichtig ist, verstanden?“ Die Reaktion auf diese energischen Worte bildete ein knappes, aber widerspenstig formuliertes, „Ja, Cragg“, das in eine Schweigephase überging, welche allerdings kurz darauf wieder aufgehoben wurde. „Ahhh, wer sagt es denn, da vorne ist ja schon das Haus des Professors.“
Die Schritte verharrten.
„Ich bin zwar kein Romantiker, aber sieht insgesamt recht hübsch aus. Diese Hütte würde ich mir auch gefallen lassen. Eigentlich schade, dass wir sie gleich abfackeln werden“
Laura lief mit jedem Erdröhnen des tiefen Basses ein eiskalter Schauer über den Rücken. Die Stimmen klangen so unendlich kalt und gemein, hinterhältig und fies, als entstammten sie einer anderen finsteren Welt; weit weg, jenseits der diesen.
„Wenn der Doktor nicht gelogen hat, dann sollten wir hier die gewünschte Information erhalten.“
„Entschuldigen Sie, Hauptmann, aber töten wir den Professor, sobald er geredet hat? Oder sollen wir besser warten, bis die Daten von oberster Stelle bestätigt wurden?“
„Ich bin deine oberste Stelle. Und hör endlich auf mit dem Versuch zu denken. Natürlich töten wir ihn, seit wann machen wir Gefangene, Cannis? Sobald der Professor gesungen hat, ist er für uns wertlos geworden. Wir wollen ihm doch nicht die unnötige Gelegenheit bieten zu fliehen. Wenn das geschähe, wäre der gesamte Auftrag in Gefahr.“
„Und wenn er sich für uns eine Geschichte ausdenkt, die nicht der Wahrheit entspricht? Was tun wir dann? Tot ist schließlich tot, dann kann er uns nichts mehr sagen.“
„Ich weiß eigentlich gar nicht, was dich das zu kümmern hat? Dennoch glaube ich, dass er es nicht wagen wird zu lügen. Menschen sind in ihrer Angst unendlich dumm und naiv, das ist ein ungeschriebenes Gesetz, das du dir merken solltest. Mit den richtigen Mitteln und Methoden bekommt man sie immer dahin, wo man sie haben will, und sollte alles fehlschlagen, wirklich alles, tja, dann tut es mir aufrichtig Leid für dich, denn dann werde ich einfach hingehen und sagen, du hättest Schuld daran, womit ich aus der Affäre sauber heraus wäre. So und nicht anders funktioniert das in unserem Geschäft, he he. Ober sticht unter.“ „Sehhhhr witzig...“ „Keine Sorge, Cannis! So würde ich erst vorgehen, wenn wir auch im zweiten Versuch scheiterten, denn dann, gäbe es keine Quelle mehr, die wir befragen könnten.“ „Gibt es denn noch eine Person, die uns das geben könnte, wonach wir suchen?“, fragte der mit dem Namen Cannis erstaunt nach. „Du wirst mir allmählich etwas zu neugierig. Ja es gibt sie, und bei ihr wird die Einschüchterung auf jeden Fall funktionieren, denn sie ist eine Frau. Aber jetzt Schluss mit den dämlichen Fragen und der ewigen Schwarzmalerei. Machen wir uns lieber an die Arbeit, bevor er noch wach wird, unser guter Professor.“
Laura rang leise nach Luft. Wirklich begriffen, worum es in diesem Gespräch ging, hatte sie nicht. Das meiste ergab für sie keinen Sinn. Doch die wohl entscheidende Information war ihr nicht entgangen: Sie planten jemanden zu töten. Von ihr wussten sie scheinbar noch nichts. Das schien ein kleiner Vorteil zu sein; allerdings nur ein klitzekleiner. Wenn man sie hier entdeckte, blühte ihr mit hoher Wahrscheinlichkeit das gleiche Schicksal wie dem Hahn zuvor, aber das wollte sie erst gar nicht herausfinden.
Die Schritte setzten sich wieder in Bewegung und Laura erwachte endlich aus ihrer komaartigen Starre. Das Dach. Die einzige Möglichkeit, die sie augenblicklich noch sah, war über das Dach zu entkommen. Einen zweiten Ausgang besaß dieses Haus nicht, ebenso wenig wie es über Versteckmöglichkeiten verfügte, die sicher vor der Entdeckung durch Eindringlinge waren.
Ihr Vater hatte das Haus im Glauben errichtet, dass kein Mensch je an diesen Ort gelangen würde, und das rächte sich nun.
Warum hatte er das nicht vorhergesehen?
Laura fühlte sich von ihren ersten Gedanken des Morgens bestätigt. War das ihres Vaters Geheimnis? Hatte er von diesen, wer oder was auch immer da kam, gewusst und dieses Wissen bewusst von ihr ferngehalten? Aber welchen Grund hätte er dafür haben sollen?
Für einen Moment lang bereute Laura ihre Feigheit, ihn nie, in einem zweiten Versuch, die Frage erneut gestellt zu haben, die er ihr dann, wenn auch wahrscheinlich nur auf stärkeres Drängen hin, vermutlich sogar beantwortet hätte.
Es war Zeit, mit dem Thema abzuschließen, es war jetzt ohnehin egal. Welchen Sinn machte es, über vergangenes Geschehen zu sinnieren, wenn dort draußen zwei zwielichtige Gestalten auf das Haus zukamen, die allem Anschein nach nichts Gutes im Schilde führten?
Ohne weitere Gedanken an irgendetwas anderes als ihre Flucht zu verschwenden, lief Laura in Richtung Schlafzimmer ihres Vaters. Von dort aus gab es die Möglichkeit über eine Leiter direkt auf den Dachboden und von dort wiederum auf das Dach zu gelangen. Wie es dann weitergehen sollte, wusste sie noch nicht. Sie selbst hatte das Dach nie betreten, ihr graute mehr als nur davor. Doch sie musste dorthin und das so schnell wie nur möglich. Zu schnell. Ihre Gedanken eilten ihren Augen voraus. Und so übersah sie völlig unachtsam den Holzschemel, der im Eingang zum nächsten Zimmer stand.
Mit Wucht schepperte er zur Seite und knallte mit lautem Krach gegen die Holzwand der Hütte. Laura fuhr erschrocken zusammen und blieb wie angewurzelt stehen. Ihr Herz hämmerte laut in der Brust und drohte zu explodieren. Dieses Geräusch war niemals zu überhören gewesen, selbst draußen nicht.
Spätestens jetzt wussten die Killer von ihrer Anwesenheit oder besser gesagt davon, dass sich jemand im Haus befand.
„Hey, hast du das auch gehört? Ich glaube er ist erwacht! Los, dann machen wir es eben auf die grobe Tour. Er darf uns nicht entkommen, Cannis.“
Laura hörte aus ihrem Rücken heraus ein lautes polterndes Geräusch. Verzweifelt blickte sie hinter sich. Eine dicke Staubwolke flog in den Raum hinein und verteilte sich gleichmäßig auf dem Fußboden. Zeitgleich spürte sie einen zügigen Luftstrom ihren rechten Oberarm passieren.
Sie versuchten die Tür zu sprengen.
Die Tür war massiv, aus bestem Ahornholz getischlert. Ihr Vater pflegte immer zu sagen, sie hielte auch dem Angriff eines ausgewachsenen Bären stand. Laura war nicht in der Lage, das zu beurteilen. Sie wusste sich an keinen Bärenangriff auf das Haus zu erinnern. Sie war sich nicht einmal sicher überhaupt je einen Bären gesehen zu haben. Endlich erreichte sie die Höhe der Dachbodenleiter, während hinter ihr erneut ein bedrohliches Aufprallgeräusch an der Tür zu vernehmen war. Es klang wie Donnerhall und deutete auf unvorstellbare Kraft und riesiges Gewaltpotential der Aggressoren hin.
Jetzt galt es keine Zeit mehr zu verlieren. Jeder Fehlgriff konnte ihr nun zum Verhängnis werden. Laura stellte gehetzt die Kerze am Boden ab und sprang ohne weiter darüber nachzudenken aufs Bett ihres Vaters, um von dort aus an den Henkel der Luke zu gelangen, der die Klappe zum Dachboden öffnete und die Leiter hinabließ.
Laura war allerdings nicht sehr groß. Ihr Vater war mehr als einen halben Kopf größer als sie, und selbst er vermochte die Klappe nur über den Schemel zu erreichen, den sie eben so unachtsam umgerannt hatte - und auch nur dann, wenn er ihn exakt darunter platzierte. Aber was blieb noch übrig? Ohne größeren Zeitverlust, konnte sie es jetzt nur noch vom Bett aus versuchen und wenn möglich, sollte es beim ersten Versuch funktionieren. Sie nahm Anlauf.
Wieder krachten schwere Gewichte mit ungezügelter Wut gegen die Tür. Wieder war ein lautes Getöse an der Eingangstür zu vernehmen; dieses Mal jedoch mit dem bedrohlichen Unterton von splitterndem Holz. Die Tür war ramponiert und angeschlagen. Jeder Angriff konnte von nun an ihrem Widerstand ein jähes Ende bereiten.
Genau im selben Moment fand Laura den Absprung. Mit ausgestreckten Armen segelte sie der Dachbodenluke entgegen und bekam deren Henkel im Flug zu greifen. Das Gewicht ihres Körpers reichte aus, um die gefederte Klappe nach unten zu ziehen. Sie ließ los, während die Leiter auf glatten Schienen schneller auf sie zuraste als von ihr vermutet und sie beinahe noch am Knie erwischte.
Puhhh, Glück gehabt! Das wäre es jetzt gewesen, dachte sie sich, mit dem kläglichen Versuch ihre Lage positiver zu beurteilen als sie tatsächlich war.
Fast schon mechanisch griff Laura nach der ersten Sprosse der Leiter. Von da an ging alles sehr schnell. Behänd wie ein Eichhörnchen, klomm sie die Leiter empor, sprang auf den Dachboden und zog von dort aus die Leiter wieder nach oben. Schweiß troff ihr von der Stirn. Keine Sekunde später erzitterte das gesamte Haus unter einer mächtigen Erschütterung, die beinahe einem Erdbeben gleich kam.
Die Tür wurde unter heftigem Splitterflug gesprengt. Der Krach dabei war ohrenbetäubend. Laura registrierte diese Tatsache nur noch trivial. Sie befand sich in einer Art Trance, im Kampf mit einem übermächtigen Alptraum, der sich unerbittlich in ihre Wirklichkeit hineindrängte, und dem sie entkommen wollte... nein, musste, wenn sie am Leben bleiben wollte.
Unten vom Eingang her vernahm sie, wie der Holzboden der Hütte unter schweren Schritten bebte, genauso, wie sie ein metallisch rasselndes Schleifgeräusch registrierte, mit dem sie allerdings nichts assoziieren konnte. Und sie besaß auch nicht die Begierde mehr darüber herauszufinden; weswegen sie auch nicht weiter darüber nachdachte, sondern leise die Luke hinter sich schloss, in der Hoffnung durch ihr spurloses Verschwinden ein wenig Verwirrung unter den Verfolgern zu stiften. Vielleicht konnte sie dadurch etwas Vorsprung herausschlagen. Nun war es dunkel um sie herum. Sie wollte schreien, doch sie zwang sich zu einer künstlichen Ruhe. Das Dachfenster, wo war es? Verdammt, sie konnte nicht einmal die eigene Hand vor Augen sehen. Wie sollte sie es da finden?
Da, da war es ja!
Samtfüßig, setzte Laura zum ersten Schritt über den Boden des Speichers an, zum Himmel betend, dass das alte Holz sie nicht verriete, die Augen alsfort flehend auf das soeben erst entdeckte Fenster gerichtet, das ihr so unendlich fern erschien, obwohl es nicht einmal fünf Meter von ihr entfernt, schräg ins Dach eingelassen war und ihr das erste schwache Sonnenlicht des frühen Morgens bescherte. Die Zeit verstrich plötzlich in anderen Dimensionen. Jede Sekunde schien von nun an mit der Ewigkeit verschmelzen zu wollen, wobei sie von dem mulmigen Gefühl ergriffen wurde, dass nur ihre Zeit so langsam daher kroch, während die ihrer Verfolger, im Zeitraffer zu verlaufen schien. Und nicht nur das. Sie verfügten auch offenbar über ein gutes Gespür, denn ihre Schritte verliefen genau auf sie zu und machten nur unweit von ihr halt. Ihre erzwungene Ruhe begann zu bröckeln. Sie standen jetzt ziemlich genau unter ihr. Lauras Schritte wurden automatisch hastiger. Vermutlich wurden sie auch lauter dadurch; sie wusste es nicht genau.
Ein übelriechender Gestank stieg ihr plötzlich von unten in die Nase. Er schlich sich durch die Zwischenräume der Dielen. Was war das nur für eine pestartige Ausdünstung?
Sie war muffig, leicht süßlich angehaucht, trug Spuren von Verwesung mit sich und war äußerst stark in ihrem Volumen. Es roch nach Tod.
Wie kam sie nur auf diese absurde Idee? Woher wollte sie wissen wie der Tod riecht? Sie hatte nie zuvor mit ihm Kontakt gehabt. Vielleicht spielte ihre Fantasie verrückt. Vielleicht bildete sie sich sogar die gesamte Situation nur ein. Vielleicht war das alles nur ein Ausdruck ihrer Angst gegenüber der Wahr...heit... den Killern...
Halt! Die waren echt, das war kein Traum. Hier war alles viel zu klar, zu real. Sie befand sich im Haus ihres Vaters, und sie war hellwach.
Laura war vielleicht noch ein Schritt vom rettenden Dachfenster entfernt, als sich eine der beiden Stimmen jäh wieder zu Wort meldete. „Hey Hauptmann, schauen sie mal zur Decke, wenn das mal kein Fluchtweg ist! Ich glaube, ich weiß nun, wo unser Professor sich versteckt hält.“ Ein martialisches Lachen erschallte, laut genug, die dicken Balken des Hauses zum Erzittern zu bringen. Danach schlug ein schwerer Gegenstand gegen die Decke und fiel krachend wieder zu Boden. „Professorchen, ich komme jetzt nach oben. Wir müssen uns dringend über eine kleine Sache unterhalten. Wenn sie artig sind und mitspielen, passiert ihnen nichts, versprochen!“
Laura musste heftig schlucken. Sie wollte nicht antworten. Obwohl?
Vielleicht war ja alles nur ein Missverständnis. Warum sollte sie dafür den Kopf hinhalten? Hier gab es keinen Professor. Vater hätte ihn längst erwähnt, das hätte er doch? Selbst dessen war sie sich nun nicht mehr sicher.
Alles erschien ihr mit einem Mal unwirklich. Nichts ergab mehr einen Sinn. Es war wie in einem fürchterlichen Traum, mit dem Paradoxon, dass sich hier nichts für einen Traum aussprach. Und diese... ihr fiel auf, dass sie immer noch nicht wusste, was oder wer sie da eigentlich verfolgte. Waren das nun Menschen? Ihre Sprache war menschlich, nicht aber die Klangfarbe ihrer Stimmen. Sobald sie diese vernahm, schien das Blut in ihren Adern gefrieren zu wollen.
Sollte sie nicht doch das Missverständnis aus der Welt räumen? Vielleicht ließen sie dann ab von ihr und gingen wieder dorthin zurück, von woher sie gekommen waren. Nur eine Sekunde spielte sie mit dem Gedanken zu antworten, als ihr Verstand laut aufschrie und ihr selbiges verbot.
Es handelte sich zweifelsohne um Monster, das konnten nur Monster sein, und es würde sie nicht im geringsten interessieren, wie viele Leichen ihren Weg pflastern mussten, bis sie das gefunden hätten, wonach sie suchten.
Laura öffnete das Fenster zum Dach. Die Sonne hatte es tatsächlich schon an den Rand des Horizonts geschafft und glühte durch den Wald hindurch. War doch schon so viel Zeit verstrichen? Vater musste gleich kommen. Um ein weiteres Mal fuhr es ihr wie ein Schwerthieb durch die Eingeweide. Er wusste nichts von dem, was ihn hier erwartete. Falls er jetzt zurückkehrte, liefe er diesen Kreaturen direkt in die Arme; eine grausige Vorstellung.
Laura blickte besorgt entlang des Waldrandes, der an den meisten Stellen schon schemenhaft zu ersehen war, dennoch aber keine deutlichen Silhouetten freigab, da leichter Nebel von seinem Boden aufstieg und sich mit dem roten Licht der Sonne verrührte. Verdammter Mist, dachte sie in ihrer Verzweiflung, während sie ihren schmalen Körper durch die enge Luke zog. Ihr einziger Trost blieb, dass die Häscher hier gebremst würden, wenn sie körperlich nur einen Deut breiter gebaut waren als sie. Und dem Volumen ihrer Stimmen nach zu urteilen, mussten sie das sein. Noch war Gott sei Dank nichts von ihnen zu sehen. Doch hinter sich vernahm sie, wie die Luke zum Dachboden aufgerissen wurde und die Leiter erneut mit großem Schwung nach unten raste; nur dieses Mal nicht für sie.
Jetzt war äußerste Eile geboten. Gleich schon wären sie bei ihr; oben auf dem Dach. Sie musste weg! Irgendwie vom Dach herunter, notfalls sogar springen, um in den rettenden Wald zu gelangen, bevor die Verfolger sie erblickten. Wenn ihr das gelang, standen die Chancen für sie, ihnen zu entkommen, im Grunde genommen recht gut, denn im nahegelegenen Forst kannte sie sich bestens aus. Das Dach des Hauses war nicht sehr hoch. Die Höhe vom Fundament bis zum Dachfirst betrug vielleicht vier bis fünf Meter. Vom unteren Rand aus gemessen waren es sogar nur noch drei Meter Höhenunterschied, die sie zu bewältigen hatte. Der Untergrund rund um das Haus bestand mit Ausnahme des Eingangsbereiches aus Rasen. Es war also keine unmögliche Aufgabe, die sich ihr da stellte; doch ein absolutes Novum. Nie zuvor war Laura von einer solchen Höhe hinuntergesprungen. Wären die Umstände andere gewesen, hätte sie sich wahrscheinlich laut schreiend geweigert nur das Dach zu betreten, denn sie litt an einer ausgeprägten Höhenphobie. Doch das alles zählte jetzt nicht. Gerade als Laura zum Sprung ansetzen wollte, spürte sie in Höhe ihrer rechten Schulter einen strammen Zug, der sie zurückhielt.
„Jaaaaa, da sag doch mal Einer! Was haben wir denn da? Ein kleines, schnuckeliges Püppchen. Darauf waren wir ja gar nicht vorbereitet. Tststs, Professorchen, Professorchen, Sie alter Lustmolch Sie, haben sich es ja ganz gut gehen lassen, wie mir scheint. Eine richtig hübsche kleine Gespielin ist das, die werden wir doch gleich mal ausprobieren.“ Laura erstarrte in ihrer Bewegung und blickte mit vor Schreck geweiteten Augen hinter sich. Was sie dort sah, war nur schwer zu ertragen. Ekel packte sie. Das war der Inbegriff des Hässlichen, die Reinkarnation der Abartigkeit.
Ein riesiger Kerl von monströser, Gestalt und grünlicher Haut, behangen mit unzähligen schweren verrosteten Eisenketten, die er als Schmuck zu tragen schien, kämpfte sich Zentimeter für Zentimeter, unter laut absplitterndem Holz, durch die Öffnung des Daches hindurch und versuchte mit seinen wulstigen, verschmutzten Fingern – man konnte sie nur schwer als solche erkennen – ihre rechte Schulter zu greifen. Dabei ergötzte er sich mit schändlicher Grimasse an ihrer herzerschütternden Panik.
Aber noch hatte sie die Chance zu entkommen, wenn auch nur eine sehr geringe, wenn sie jetzt die Nerven verlor. Denn bisher hielt der ihr Nachstellende nur einen kleinen Fitzel, des Stoffes ihres Kleides, in der Hand, das sich hauteng an ihren Körper schmiegte und jede einzelne ihrer betörend weiblichen Rundungen dreifach betonte. Zum Glück war ihr Dress äußerst elastisch und gab dem Griff des Ungetüms in jede erdenkliche Richtung nach.
Sie wollte weg!
Mit all ihren zur Verfügung stehenden Kräften, stemmte sich Laura gegen die Zugkraft des Angreifers, denn um nichts in der Welt, wollte sie mit diesem Etwas in Kontakt geraten, was vorwiegend nicht einmal durch die Angst begründet wurde, die sie mehr denn je in vehementer Weise heimsuchte. Es war noch viel mehr die Abscheu vor einer Brut, die in ihren Augen ein einziges Rätsel darstellte und unendlich viele Fragen über ihre Herkunft aufkommen ließ.
Mit Erfolg. Der dünne Stoff des Kleides riss ein, sodass der Riese sich mit dem abgerissenen Fetzen vorerst zufrieden geben musste. Der Unhold kreischte vor Wut bestialisch auf und schlug mit seinen Fäusten wild um sich, wobei er den Versuch startete, sich mit urgewaltiger Kraftanstrengung durch die für ihn viel zu enge Luke hindurchzuzwängen. Seine Augen funkelten Laura in wilder Brunst an.
Dieses Ding war gierig wie ein Trophäenjäger, und wie eine Trophäe fühlte sie sich auch im Moment. Es wollte sie besitzen, jetzt und sofort.
Nach dem ersten wütenden Schrei von ihm folgten obskure, gutturale Laute, die Laura nicht zu deuten wusste, was sie auch nicht bedauerte, da diese ihr sowieso schon durch Mark und Bein fuhren. Zeitgleich hörte man im Haus fürchterliches Gepolter, als sollte es gleich eingerissen werden. Der Zweite wollte anscheinend wieder nach unten, um ihr von dort aus den Weg abzuschneiden. Sie musste schneller sein als er, das war vielleicht ihre letzte Gelegenheit. Bevor sie sprang, schaute sie ein abschließendes Mal in Richtung Wald und hielt, trotz der eigenen verzweifelten Situation, Ausschau nach ihrem Vater. Zuerst sah sie nichts, bemerkte dann aber im Augenwinkel eine schemenhafte Bewegung an seinem äußerst rechten Rand. Als sie daraufhin den Blick dorthin schwenkte, war jedoch nichts mehr zu sehen
Sie sprang.
Ihr Sprung hatte nicht die perfekte Lage, das spürte sie bereits im Fall. Ihre Vermutung sollte sich bestätigen.
Ein stechender Schmerz durchzog ihren linken Fußknöchel, als sie mit diesem leicht verdreht am Boden aufkam und schräg nach links wegknickte. Laura fiel zur Seite, rollte sich aber einigermaßen geschickt ab und stand wieder auf. Unter heftigen Schmerzen lief sie ein gutes Stück weit auf den Wald zu, übersah in ihrer Hast jedoch eine versteckte Bodenkuhle, in die sie hinein trat und wurde erneut, unter intensiver Schmerzeinwirkung, zu Boden gerissen. War das schon das aus?
Abgehetzt blickte sie hinter sich. Der Verfolger vom Dach war nach wie vor damit beschäftigt, sich aus seiner misslichen Lage zu befreien. Von ihm hatte sie vorerst wohl noch nichts zu befürchten. Doch was war mit dem anderen? War er schon draußen?
Die selbstgestellte Frage wurde ihr leider schneller beantwortet als ihr lieb war.
Im Haus erschallte ein wütender Aufschrei, der mit den unterschiedlichsten Geräuschen der Verwüstung einherging; Gegenstände die wutschnaubend zur Seite geschleudert wurden, das Klirren von platzendem Porzellangeschirr, sowie das Bersten von Holzmöbeln, die an den Wänden des Hauses zerschellten. „Ich erwische dich, du kleine Schlampe, versuch erst gar nicht zu fliehen, es hat eh keinen Sinn“, kämpfte die knurrende Stimme gegen ihre letzte Bastion der Hoffnung an. Kaum war das kaltschnäuzige Gebrüll verstummt, sah sie auch schon das riesige Ungetüm aus der Eingangstür stürmen. Seine Augen waren weit aufgerissen und tasteten gierig die Umgebung nach ihr ab. Er hatte sie entdeckt.
Lass mich endlich erwachen, bitte sofort, schrie Laura in Gedanken auf, während ihre Vernunft sie weiterhin zur Stummheit zwang. Nein, es half einfach nichts. Sie musste sich wohl oder übel mit dem Gedanken abfinden, in der grausamen Realität festzusitzen - eine Realität auf die sie weder Einfluss noch Antworten gewann - was eigentlich abwegig erschien, da dieses Ding den Alptraum schlechthin darstellte. Dieses Mal würde sie nicht durch aufwachen entkommen. Näherliegender war da schon eher den umgekehrten Weg zu nehmen, die trügerische Flucht in die Ohnmacht, denn ihr neuer Verfolger machte ihr noch mehr Angst. Er war noch ein Stück hässlicher, als das Ding auf dem Dach, wobei sich beide vermutlich nicht viel schenkten, sowohl was ihre Abartigkeit als auch ihre Niedertracht anbelangte. Trotzdem war der hier momentan die größere Gefahr. Er wirkte insgesamt auch noch stämmiger und grimmiger als der mit den Ketten. Wahrscheinlich war das hier der Anführer dieser...wie sollte man sie nennen? Sie kannte kein einziges Tier dessen Beschreibung auf so ein Etwas gepasst hätte – aber davon abgesehen konnten Tiere ja auch nicht reden. Ein Mensch war es aber auf keinen Fall, so etwas verbrach die Natur nicht, selbst nicht aus dem Versehen heraus. Das war etwas Anderes. Man benötigte alleine schon sehr viel Fantasie, um überhaupt ein Gesicht in dieser konturlosen Masse, die sich Schädel nannte, herzuleiten, aber nur, wenn man es auch wagte etwas tiefer hinter diese Maske des Schreckens zu sehen, konnte man diesem Etwas, vielleicht im entferntesten Sinne, eine Ähnlichkeit mit einem Homo Sapiens zugestehen.
Doch davon war Laura weit entfernt. Für sie war und bliebe es eine Ausgeburt der Hölle, und damit war Teufel oder Dämon wohl die treffendste Bezeichnung, die ihr für dieses grünhäutige Scheusal einfiel.
Noch saß Laura, ihre graziösen schlanken Beine an den Körper gezogen, am Boden und hielt sich den schmerzenden Fußknöchel. Das Fußgelenk schien gebrochen oder zumindest verstaucht zu sein. Der beißende Schmerz, der durch die Verletzung entstanden war, trieb ihr die Tränen in die Augen, doch für Selbstmitleid war jetzt keine Zeit; Zeit war sowieso ihr größtes Problem. Der grüne Dämon kam rasch näher, viel zu schnell, und baute sich schließlich zu einer schwarzen Schattenwand vor ihr auf, die mit einem einzigen Paukenschlag ihren gesamten Lebenswillen zum Einsturz brachte. Ihr Atem stockte und sie spürte ein heißes Vibrieren durch ihren Körper fließen, das jeden einzelnen Punkt ihres Leibes lähmte und die Angst wie einen giftgrünen Schleier aus ihrem Hals kriechen ließ. Laura musste ein Bild des Schreckens ertragen. Selbstgefällig wanderten die Pranken des Teufels zwischen seine Beine.
Ihr Herz schrie, bis an die Grenzen des Möglichen, ihr wurde schlecht, ganz besonders, als er durch kreisende Hüftbewegungen seine heimtückischen Absichten erkennen ließ, die bedeuteten, dass ihr ein grausames Martyrium bevorstand.
Das war zu viel!
Laura begann angestrengt nach Luft zu japsen.
„Ich wette mit dir, so viel wie ich wird dir bisher noch keiner zu bieten gehabt haben. Oder wettest du dagegen? Du kannst dich dazu äußern, denn du hast ihn ja noch nicht gesehen. Oh, verstummt? Verstehe... egal, du wirst meinen kleinen Freund lieben, er ist ein echter Publikumsmagnet. Die Leute lieben ihn, denn er kann zaubern. Somit ist er also auch magisch.“ Ihr schwindelte, es zog sie nach unten. Drohte ihr die Ohnmacht?
„Warum siehst du mich so entmutigt an, ich habe dir ein faires Angebot zu machen, sehr fair! Und so böse wie du befürchtest ist er ja auch gar nicht, er will nur ein wenig Spaß. Sofern du tapfer bist und bis zum Ende das Spiel mit ihm durchhältst, was ich dir leider nicht versprechen kann, lass ich dich vielleicht sogar am Leben, wenigstens so lange, bis ich oder er deiner überdrüssig geworden sind, hahaha.“ Sein dunkles, dämonisches Lachen erschauderte Laura bis in die abgelegensten Winkel des Unterbewussten. Ihre Seele war am ausbluten. Der Riese stand da und schob mit lüsterner Mimik jenes Rüstungsteil zur Seite, das ihren größten Alptraum in die Freiheit entließ.
Sie wusste instinktiv was jetzt geschähe, obwohl sie mit dem Begriff Sexualität in ihrem bisherigen Leben noch nie in Kontakt geraten war.
Umso mehr reichte die Vorstellung daran aus, um ihren Glauben an Romantik und Liebe, unwiederbringlich wie eine Seifenblase zerplatzen zu lassen. Mit schwindenden Sinnen registrierte sie etwas Langes Warziges in seinem Mittelbereich. Das Ungeheuer demonstrierte es stolz, während seine Zunge, wie die einer Schlange, eklig im Mund hin- und herzuckte und dabei einen grünen schleimigen Sabber verlor. Laura sah sich im Tal der Tränen. Die Bewusstlosigkeit drohte.
Wie konnte etwas so Abscheuliches wie diese Gestalt nur existieren? Warum tat man ihr, Laura, das an? Nein, bin ich denn wahnsinnig, bloß nicht aufgeben, schrie es ihr entgegen, wodurch es ihr gelang – sei es durch die Produktion einer übergroßen Menge an Adrenalin, die sie jeden körperlichen Schmerz vergessen ließ - , alle existenten Ressourcen anzubrechen und sich wieder der Flucht zu besinnen. Sie wollte nicht sterben.
Wie ein aufgescheuchtes Reh sprang Laura auf und lief so schnell sie konnte los. Sie schaute nicht wohin, sie rannte einfach nur in Richtung Wald. Der Dämon brauchte einige Sekunden, um die neue Lage zu begreifen und noch einmal die selbe Menge an Zeit, um es auch zu glauben; zu sicher hatte er sich seiner Beute gefühlt. Verärgert verstaute er sein Gemächt wieder zurück, und nahm alsbald die Verfolgung wieder auf. „Bleib stehen, du kleines Luder, du entkommst mir sowieso nicht!“, kreischte er ihr hinterher. Laura hörte seine Stimme wie rollende Felsblöcke hinter sich herjagen, ließ sich davon aber nicht irritieren und lief keuchend weiter. Schnell hatte sie sich etwas Vorsprung verschafft, wobei sie sich nicht sicher war, ob er letztendlich bis zum Wald ausreichen würde. Sie war zwar schlank und hatte eine sehr weibliche Figur, doch sportlich war sie ganz und gar nicht. Schon nach den ersten hundert Metern spürte sie, wie die Luft in ihren Lungen knapper wurde und anfing wie Säure zu brennen. Ein Pfeifen und Rasseln schlich sich in ihre Atmung ein und nahm, Meter für Meter, beständig zu. Noch war sie fähig den körperlichen Beeinträchtigungen zu trotzen, bemerkte aber ein erstes leichtes Kribbeln auf der Haut, das von der Nasenspitze ausging und sich von dort aus immer weiter ausbreitete. Begleitet wurde dieses Kribbeln von einer unangenehmen Kälte auf den obersten Hautschichten. Nur noch ein paar Meter, dachte sie verkrampft, dann bin ich im Wald.
Ihr Verfolger war jedoch ein durchtrainierter Kampfkoloss. Mit jedem seiner Schritte holte er auf, wobei sein Gesichtsausdruck einen zunehmenden Optimismus widerspiegelte. Vor allem aber zeigte er eines: sadistische Vorfreude.
Was machte ihn nur so sicher? Gut, er konnte beim Rennen brüllen und geriet trotzdem nicht in Atemnot, so wie sie.
„Kleine, du liebst wohl diese Katz- und Mausspiele scheinbar genauso sehr wie ich, aber trotzdem will ich jetzt zur Sache kommen. Irgendwann hat der Spaß auch mal ein Ende. Du gehörst jetzt mir!“
Laura versuchte die schändlichen Worte zu überhören und dankte dem Himmel dafür, dass endlich der Waldrand in Nähe rückte. Es war nicht mehr weit bis zu den ersten Büschen. Wenn sie sie rechtzeitig erreichte, dann hatte sie einen Vorteil gegenüber ihrem Verfolger, der viel zu plump war, um sich schneller als sie durchs dichte Dickicht hindurchzukämpfen. Es waren nur noch wenige Meter bis dorthin, wenn ihr das nur gelänge...
Laura ahnte zu diesem Zeitpunkt nicht, dass sich Cannis durch brachiale Gewalt längst einen Weg aufs Dach verschafft hatte, wo er sich in strammer Haltung postiert, einer seiner unzähligen Ketten entledigte. Mit diabolischer Vorfreude, nahm der Malutenfeldwebel seine ungewöhnliche Wurfwaffe in die rechte Hand und schleuderte sie, in immer schneller werdenden Kreisbewegungen, über dem Kopf. Die Kette rotierte wie ein Propeller, entwickelte Sog und Fliehkraft, so unendlich viel, dass ihre Konturen vollends verschwammen und mit bloßem Auge kaum noch wahrzunehmen waren. Das war der Zeitpunkt an dem sie die perfekte Flugbahn erhielt und auf kurze Distanz zu einem tödlichen Geschoss wurde. Er war ein Künstler, was das anging. Aber töten wollte er Laura gar nicht.
Fast im selben Moment erfasste die junge Frau ein gleißender Schmerz in der Kniekehle, der nur Millisekunden später auf ihr gesamtes Bein überging und sie ruckartig nach vorne schleuderte, wobei ihr eine stark blutende Platzwunde an beiden Schienbeinen entstand. Laura wurde heftig zu Boden gerissen, so heftig, dass sie kurzzeitig das Bewusstsein verlor.
Als sie wieder erwachte, kniete das Ungeheuer über ihr. Es sah ihr lüstern und schadenfroh ins Gesicht. Dahinter, seitlich versetzt zu ihm, hatte sich sein gleichgesinnter dämonischer Kumpan abgehockt, der fasziniert das Geschehen beobachtete. „Endlich, ich warte eigentlich schon viel zu lange auf dein Erwachen. Ich dachte schon, ich müsste mich mit deiner geistigen Abwesenheit zufrieden geben. Aber jetzt ist ja alles gut.“ Der hörnerlose Teufel beugte sich dicht über sie und leckte mit schleimiger Zunge über ihre feinen Gesichtszüge.
Laura versuchte sich zu wehren; am meisten gegen den Ekel. Sie stemmte sich gegen seinen Griff, der wie ein eherner Berg auf ihren Handgelenken ruhte und ihren Armen keinerlei Spielraum erlaubte. Keine Chance, es war nicht einmal daran zu denken, seine Umklammerung auch nur einen Millimeter weit zu lösen. Sie tat das Einzige, was ihr noch verblieb; sie schrie vor Entsetzen auf, so laut und schrill, dass die Frequenz vielleicht sogar Glas hätte zerspringen lassen, auf jeden Fall aber im Trommelfell schmerzte, was gegenüber dieser Kreatur, dem Anschein nach, aber ohne Effekt blieb. Wenn ihr Schrei überhaupt eine Wirkung erzielte, dann nur die, dass sich ihr Peiniger inspiriert davon fühlte und sich an ihrer Angst ergötzte. Er grinste sie diabolisch an und verwies mit verwegenen Blicken auf seinen Unterleib, der das Grauen für sie bereit hielt.
Aus der Sicht des Malutenhauptmanns wurde es erst jetzt richtig interessant. Endlich kam Schwung in die Sache. Er löste den Griff von ihrem rechten Handgelenk und wanderte mit seiner Pranke über ihren straffen Po und von dort aus zu ihren festen Schenkeln.„Was denkst du? Es klappt nur wirklich gut, wenn du es so sehr willst wie ich. Doch bevor ich es vergesse: Habe ich schon erwähnt, dass nicht alle Menschenfrauen die Vereinigung mit mir überleben? Genau genommen hat das noch keine geschafft. Aber sei unbesorgt, gefallen hat es trotzdem jeder, auch wenn ich nie eine danach befragen konnte... Ach, ja, ich habe ganz vergessen mich vorzustellen. Ich heiße Cragg, Hauptmann Cragg. Das klingt jetzt vielleicht etwas angestaubt, aber ich lege auf solche Förmlichkeiten Wert, genauso wie ich es schätze, wenn meine Gespielinen vor mir schreien. Also enttäusche mich gleich nicht, ich halte dich nämlich für eine ganz große Nummer, die ich bis zum letzten Atemzug genießen will, hohoho“,
lachte Cragg abfällig.
Wie Laura schon folgerichtig für sich gemutmaßt hatte, handelte es sich bei ihm um den Anführer der beiden Mutanten, der explizit von Fürstin Lewinia, dem Oberhaupt der Maluten, aus einem Kader der besten Bewerber, letztendlich für diesen Auftrag ausgewählt worden war. Damit war ihm eigentlich jetzt schon die größte Ehre zuteil geworden, die einem Malutenkrieger im Leben zu Teil werden konnte und bei Erfüllung... dann war er eine Legende.
Für Cannis, den Feldwebel, galt exakt dasselbe, nur auf niedrigerem Niveau; gehörig niedriger. Auch er hatte im Auswahlverfahren als Bester seiner Dienstgradgruppe abgeschnitten. Und auch er war stark, mutig, loyal und zu allem entschlossen; sogar noch zu mehr. Es gab Freunde und Feinde gleichermaßen, die soweit gingen zu behaupten, dass es nichts gäbe, das sich der Wut und Raffinesse von Cannis in den Weg stellen könnte, ausgenommen Lewinia natürlich.
Im Grunde genommen war Cragg es egal welche Gerüchte sich über Cannis erzählt wurden, denn er stand immer über ihm. Und so hatte er nichts weiter an ihm auszusetzen, auch wenn der Feldwebel in gewissen Situationen manchmal die nötige Distanz und einen gewissen Respekt vor ihm vermissen ließ. Aber damit wurde er fertig.
Der Hintergrund des zu erledigenden Auftrags war Cragg nur bedingt und Cannis überhaupt nicht im Vorfeld mitgeteilt worden, und auch jetzt wussten beide kaum mehr, als die spärlichen Randinformationen, die sie kurz vor Antritt ihrer Mission über den Doktor erhalten hatten. Eines wussten sie aber beide: Es war ein Auftrag höchster Priorität und Geheimhaltungsstufe, und bei Erledigung winkte jedem von ihnen eine großzügige Belohnung. Vor allem aber ihm, Cragg, dem ein hohes Ehrenamt bei Hof der Göttlichen Lewinia garantiert worden war, gleichbedeutend mit einem Leben in Saus und Braus, ein Leben das nichts vermissen ließ, was das Herz eines Maluten begehrte: Frauen, Sklaven und Macht.
Cragg genoss mit Leidenschaft die ängstlich flehenden Blicke Lauras. Er weidete sich an ihnen. Das tat er bei jedem seiner Opfer. Laura war nicht Inhalt seines Auftrages, nur eine ungeahnte und erfreuliche Beigabe. Von daher war er an nichts gebunden, was sie betraf. Außerdem war sie nur eine schwache Menschenfrau und somit eine Sklavin, mit der er machen konnt

















