Stetig wird der Wind kälter, so glaubt Ihr, mit jedem Höhenmeter, den Ihr hinter Euch bringt. Enger zurrt ihr den Umhang, der um Eure Schultern liegt und verflucht Euch selbst dafür, dass Ihr nichts für Eure Haare habt, die der Wind beständig mehr und mehr zerzaust. Überstürzt wart Ihr aufgebrochen und habt nur das Nötigste mitgenommen. Noch ehe Ihr in Euren Erinnerungen an die Zeit vor Euren Aufbruch zurückkehren könnt, erweckt etwas anderes Eure Aufmerksamkeit: eine Rauchsäule, die stetig weiter gen Himmel steigt. In freudiger Erwartung eines wärmenden Feuers beschleunigt Ihr Euren Schritt, und schliesslich erblickt Ihr hinter der nächsten Anhöhe, in einem kleinen Tal zwischen steilen Felswänden, eine kleine Kate. Wie eine Oase in der Wüste - so erscheint Euch dieses kleine unscheinbare Häuschen.
Eilig tretet Ihr an die Tür heran und klopft energisch. Es kommt Euch wie eine Ewigkeit vor, bis sich die Tür öffnet. Vor Euch steht eine alte Frau; Ihr schätzt, dass sie Eure Großmutter sein könnte, gekleidet in ein weites Kleid, dessen Farbe wohl schon vor langer Zeit verblasst sein muß; um die Hüfte hat sie eine Schürze gebunden. "Ja?" sagt sie leise und blickt dabei auf Eure Füsse. Noch ehe Ihrein Wort sagen könnt, greift Sie Euren Arm und zieht Euch herein. "Draussen ist es kalt, und die Nacht bricht bald herein. Kommt!"
Der Raum, in dem Ihr Euch befindet, ist nur karg eingerichtet; ein Tisch mit zwei Stühlen daran, die in der Nähe einer Kochstelle stehen, ein Bett und ein bequemer Stuhl in der Nähe eines grossen Kamines am anderen Ende des Zimmers, ein einziges Regal gefüllt mit Geschirr und Haushaltswerkzeugen. Das einzig Wertvolle, dass Ihr erblickt, ist wohl der geknüpfte Teppich, der vor dem Kamin liegt. "Kommt ans Feuer, aber bringt euch einen Stuhl vom Tisch mit," sagt sie, während sie sich selbst auf dem Weg zum Kamin macht. Kaum habt Ihr Euch gesetzt, beginnt sie auch schon zu erzählen, von den Schicksalsschlägen und den guten Tagen ihres Lebens. Als Ihr in ihre Augen seht, stellt ihr fest, dass die alte Frau blind sein muss. Eure Reise hat deutlich an Eurer Kraft gezehrt, und schon bald vernehmt Ihr immer weniger von dem Ton der alten Dame, bis schließlich Eure Lieder zufallen.
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